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Sternennacht Im Weingarten

Die berühmte Rotweingegend des südlichen Burgenlandes ist – touristisch gesehen – noch entwicklungsfähig. Der Wein ist Weltklasse, für die stetig wachsende Genießerschar gibt es aber nur wenige Restaurants und noch weniger Beherbergungsbetriebe. Im Vergleich zum hektischen Städtetourismus oder zum alpinen Skihype geht man den Ausbau hierzulande gemütlich an.
Identische Wiederholung: Alle zehn Häuser sind gleich
Identische Wiederholung: Alle zehn Häuser sind gleich
Die bodenständigen Winzer und neuerdings auch eine Handvoll Haubenköche, die gemeinsam den sanften Hügeln des Südburgenlandes ihr kulinarisches Profil verleihen, sind freundliche, bedächtige und vorsichtige Leute. Wachstum um jeden Preis – das gibt es hier nicht. Gebaut wird nur das, was wirklich gebraucht wird. Integration in die Strukturen der Kulturlandschaft ist dabei selbstverständlich, zeitgemäße Gestaltungsstrategien gibt es auch immer öfter. Und das ist bekanntlich kein Widerspruch, sondern eine perfekte Ergänzung.
Die zehn Häuser der Wohnothek ragen kaum über die Rebreihen, die Verwitterung wird sie vollends unscheinbar machen
Die zehn Häuser der Wohnothek ragen kaum über die Rebreihen, die Verwitterung wird sie vollends unscheinbar machen
Hannes Traupmann von Pichler & Traupmann Architekten stammt aus dieser Gegend – ihre Denkweisen und Bedürfnisse sind auch die seinen. In Deutsch-Schützen, wo überregional bekannte Blaufränkisch- und Cuvée-Produzenten wie Krutzler, Schützenhof, Wachter und Weber zuhause sind, haben die Architekten schon zwei Weingüter mit intelligenten neuen Produktions-, Präsentations- und Lagerräumen versehen. Vor einigen Jahren wagte eine ansässige Familie schließlich auch den Bau eines Restaurants, das nicht nur die Gourmet-Bedürfnisse der immer zahlreicheren Weintouristen befriedigen, sondern auch als traditionelles Wirtshaus für die hiesige Bevölkerung dienen sollte.
Direkter Kontakt: Die Weinreben wachesen fast bis ins Haus
Direkter Kontakt: Die Weinreben wachesen fast bis ins Haus
Pichler & Traupmann entwarfen das Haus in den robusten Stapelungen und Diagonalen der typischen pxt-Handschrift. Das Restaurant sitzt inmitten der Weingärten und bietet auf der Terrasse einen geradezu hypnotisierenden Blick über die idyllischen Rebhügel. Die Gourmets haben das Lokal sofort begeistert angenommen. Am Sonntag nach dem Kirchgang sitzen aber auch die Weinbauern dort gerne auf ein Glas Bier und ein Schnitzel zusammen. Schulbuchmäßig kann man hier lernen, was „organisches Wachstum“ und „sanfter Tourismus“ bedeuten: Mit dem Erfolg stellte sich bald die Frage nach Übernachtungsmöglichkeiten für Gäste, die nach einem ausgiebigen Dinner mit Weinbegleitung nicht mehr heimfahren wollen oder können. Neben der im Haus bereits vorhandenen Vinothek war damit Bedarf nach einer „Wohnothek“ entstanden. Erst jetzt, auf Basis handfester Erfahrung, wurde geplant – nicht umgekehrt mit vagen Bedarfsprognosen.
Diese Häuser sind am Verlauf der Rebreihen orientiert
Diese Häuser sind am Verlauf der Rebreihen orientiert
Die Wirtsleute Wachter-Wiesler diskutierten darüber mit Hannes Traupmann und dem Holzbau-Ingenieur Richard Woschitz. Der erste Entwurf zeigte polygonale Wohnboxen, die zwanglos über die angrenzenden Rebgärten gestreut werden sollten. Holzkonstruktion und Holzfassaden sollten den ruralen Kontext reflektieren, die geometrischen Formen gestalterischen Ansprüchen genügen und die Position inmitten der Reben den Gästen größtmögliche Erdung verschaffen. Das Projekt schien aber bald auch den benachbarten Winzern und einem für sie tätigen Steuerberater durchaus sinnvoll für die weitere touristische Erschließung der Rotwein-Hochburg. Schließlich nützt es den Weinbauern, wenn ihre Kunden nach der Weinkost auch qualitätsvoll speisen und danach stilvoll übernachten können. So schloss man sich mit den Wirtsleuten zu einer gemeinsamen Bauherrnschaft zusammen, einige Weingartenflächen hinter dem Restaurant wurden für den Bauplatz zusammengelegt, insgesamt sollten zehn identische Wohneinheiten entstehen.
Die Innenausstattung ist komplett in Fichte gehalten, die Gästezimmer sind 23,8m2 gross
Die Innenausstattung ist komplett in Fichte gehalten, die Gästezimmer sind 23,8m2 gross
Dann folgten erste Gespräche mit den Behörden. Hierzulande verlaufen sie konstruktiv und amikal. Ein Raumplaner der Landesverwaltung, Rupert Schatovich, der sich im „Architektur Raum Burgenland“ auch privat für Baukunst engagiert, wirkte als Katalysator des Planungsprozesses und initiierte eine Art inneramtlichen Dialog über die richtige Volumetrie und Verdichtungsmöglichkeiten des Projekts. So integrierten die Planer nun die ortstypische Struktur endloser paralleler Rebreihen, die im Abstand von rund eineinhalb Metern fast gerade hangabwärts verlaufen und dazwischen freie Raumstreifen ausbilden, direkt in die innenräumliche Gliederung der einzelnen Wohneinheiten.
Vordach und Einbaumöbel
Vordach und Einbaumöbel
Die beiden Nutzungszonen – einerseits Erschließung, Aufenthalt und Bad/WC, andererseits die Bettstatt – wurden als zwei unterschiedlich lange Streifen interpretiert, deren Breite ungefähr jener zwischen den Rebreihen entspricht. Mit dieser Struktur konnten nun die zehn kleinen Häuser in das gegebene Landschaftsbild bündig „einrasten“. (…)
Matthias Boeckl

Den vollständigen Beitrag und weitere Bilder finden Sie in architektur.aktuell
Lageplan
Lageplan
Längsschnitt
Längsschnitt
Grundriss
Grundriss
Präsentiert von
architektur aktuell
Wohnen am Ratschen
2011

Deutsch-Schützen

Bauherr
Ratschens Wohnothek GmbH & Co KG

Planung
pxt Pichler & Traupmann Architekten
Wien

Generalunternehmer
RWE ZT GmbH
Eisenstadt

Mitarbeiter
Mario Gasser
Bruno Mock
Wolfgang Windt

Projektleitung
RWE ZT GmbH
Oberwart

Statik
RWE ZT GmbH
Eisenstadt

Fassaden/Dach/Mauerwerk/Böden
Holzbau Strobl GmbH
Kaltenbrunn

Fenster/Türen
Katzbeck Fenster GmbH Austria
Rudersdorf

Elektroinstallationen/Lichtplanung/
Ausstattung

Unger GmbH

Heizung/Lüftung/Klima/Sanitär
Elektro Güssing GmbH

Möbel
Tischlerei Bruckner
St. Kathrein
Tischlermeister Johannes Schnalzer

Grundstücksfläche
2.969 m2

Nutzfläche
234 m2

Bebaute Fläche
345 m2

Umbauter Raum
1.270 m3

Fotos
Lisa Rastl, Christine Woschitz
Medien Partner
architektur aktuell

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