Schaufenster für eine Gemeinde

Bravourös verwandelten SUE Architekten ein abgewohntes Eckhaus am Marktplatz von Ottensheim zum offenen Amtshaus, in dem Alt und Neu die perfekte Symbiose bilden. Im sanierten Bestand kommt die Schönheit historischer Gewölbe, Fresken, Holzdecken und Intarsien voll zum Tragen. Souverän schafft der Zubau mit dem transparenten, komplett öffenbaren Gemeinderatssaal den Sprung in den Straßenraum. Er reicht bis zu den Arkaden im Hof: der Saal wird zum Durchhaus.
Der neue Gemeindesaal ist verlängerter öffentlicher Raum
Ottensheim ist eine idyllische Gemeinde im Mühlviertel mit etwa 4.700 Einwohnern. Wie fast überall am Land graben Einkaufszentren an der Peripherie den kleinen Greislern und Läden das Wasser ab. Doch Ottensheim hat einen besonders homogenen Ortskern, eine besonders vitale Kulturszene und eine besonders engagierte Bürgermeisterin. Ulrike Böker ist Spitzenkandidatin der Bürgerliste „pro O“, Ex-Gattin eines Architekten, arbeitete bei Roland Gnaiger und für das „Festival der Regionen“.
Lärchenholz und pulverbeschichtertes Alu: Konzise Materialsprache für die zeitgenössischen Elemente
Das Herz der Gemeinde schlägt am etwa 160 Meter langen Marktplatz, der sich von der spätgotischen Kirche St. Ägidius am oberen, nördlichen Ende fast bis zur Donaulände im Süden erstreckt. 2001 wurde er von Boris Podrecca mit grauen Steinen und einem Plateau bei der Pestsäule in der Mitte, unter dem die Tiefgarage steckt, neu gestaltet. Am Rand der Plattform verbreitet das plätschernde Wasser in einem Marktbrunnen aus Kupfer eine kontemplative Atmosphäre. Schmucke, alte Häuser rahmen den Platz, in den Schanigärten vor den Lokalen sitzen Menschen in der Herbstsonne, man bleibt stehen und grüßt einander. Gegenüber vom Brunnen mündet im Nordosten die Linzer Straße ein. Das dortige Eckhaus war in einem katastrophalen Zustand und seit Jahrzehnten im Besitz der Gemeinde, die bereits einen Abbruch erwog. Man beauftragte eine Studie, um es schätzen zu lassen. Der aus drei mittelalterlichen Häusern zusammengewachsene, mehrfach überformte, 1899 nach einem Brand mit einem neuen Dachstuhl versehene Bestand entpuppte sich als bauhistorisches Kleinod und wurde unter Denkmalschutz gestellt.
Lärchenholz und pulverbeschichtertes Alu: Konzise Materialsprache für die zeitgenössischen Elemente
Die Gemeinde beschloss, sich im sogenannten Gusenleitnerhaus einzunisten. 2005 wurde ein EU weiter, offener Wettbewerb für seinen Um-und Ausbau zum Amtshaus ausgelobt. Einstimmig kürte die Jury das Projekt der SUE Architekten zum Sieger: sie hatten die Königsidee, den Gemeinderatssaal als freistehenden Pavillon vor das Haus auf den Platz zustellen. „Der Gemeinderat tagt nur sieben bis acht Mal im Jahr. Der Saal wird sonst nicht genutzt. Wir wollten ihn aus dem Kontext lösen, damit es auch einen Ort für das öffentliche Leben gibt“, so Christian Ambos. An diesem Vorschlag aber erhitzten sich die Gemüter. „Wir lassen uns unseren Platz nicht verbauen“, lautete der Tenor, heftige Proteste brachten das Projekt zu Fall.
Festliches Ambiente: Roter Filz für Hochzeiten
Die SUE Architekten arbeiteten Alternativen aus, die ursprüngliche Idee aber blieb erhalten. „Für uns war ganz wesentlich, den öffentlichen Raum mit einzubeziehen“, sagt Christian Ambos. Der neue Saal für den Gemeinderat wurde im Nordosten an den Bestand angebaut und öffnet sich mit einer vierteiligen Fassade aus 2,80 Meter hohen Glasschiebetüren auf die Linzer Straße. Die Öffnung nimmt die Gesimskante über dem Sockel des Bestands auf, das Obergeschoß folgt der Traufe, die Oberfläche der isolierverputzten Fassade ist so behandelt, dass sie mit dem Altbau harmoniert.
Historische Details werden sichtbar belassen
In einem eleganten, pulverbeschichteten Alurahmen kantet sich im ersten Stock ein Fenster als Oberlicht ums Eck und holt Himmel und Aussicht ins Büro des Leiters der Baubehörde. Licht flutet durch die Glasscheiben von Sekretariat und Besprechungsraum, außerdem gibt es eine neue Terrasse am Dach. Hier sitzt die versammelte Belegschaft zu Mittag beim Essen und genießt die Sonne und den Blick in den Arkadenhof. (…)
Isabella Marboe

Den vollständigen Beitrag und weitere Bilder finden Sie in architektur.aktuell
Presented by
Marktgemeindeamt
2010

Marktplatz 6
Ottensheim/Österreich

Bauherr
Verein zur Förderung der Infrastruktur der Marktgemeinde Ottensheim und Co KG

Planung
SUE Architekten
Wien

Projektleitung
Christian Ambos

Statik
DI Manfred Schuster
Linz

Fassaden
Traußner Bau GmbH
Ansfelden
Saint Gobain Weber Terranova
Wien

Dach
Edtbauer GmbH
Ottensheim

Mauerwerk masonry
Traußner Bau GmbH
Ansfelden

Fenster
Johann Hummer
Feldkirchen
Metallbau Wastler
Linz
Pfeiffer Metallbau
Wels

Türen
Metallbau Wastle
Linz
Johann Hummer
Feldkirchen
Tischlerei Füreder
Linz

Elektroinstallationen
Elektro Pototschnig
Walding

Restaurierungen
Kurt Reiss
Enns

Heizung/Lüftung/Klima/Sanitär
König Ottensheim

Lichtplanung/-ausstattung
TB Belfanti Füreder
Elektro Pototschnig
Walding

Medientechnik
Ecker und Wagner OHG
Amstetten

Aufzug
KONE

Grundstücksfläche
1.069,69 m2

Nutzfläche
980 m2

Bebaute Fläche
682,92 m2

Umbauter Raum
6.892 m3

Baukosten
2,1 Mio EUR

Kosten pro m2
2.140,– EUR

Photos
Hertha Hurnaus

Media Partner
architektur aktuell