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Am Großen Isidor gelandet

Die Luft ist dünn am Großen Isidor, die Aussicht grandios. Was bis zum letzten Jahr nur dem geübten Kletterer nach schweißtreibendem Aufstieg vergönnt war, ist nun auch für den Halbschuhtouristen ein Kinderspiel.

	Architektur als Gratwanderung
Fotos: astearchitecture

Architektur als Gratwanderung

Fotos: astearchitecture
Seit das Innsbrucker Büro astearchitecture (Kathrin Aste und Frank Ludin) die Gipfelplattform Top of Tyrol sozusagen als Tüpfelchen auf dem I auf den rund 3.200 Meter hohen Großen Isidor, den zentralen Gipfel des touristisch im Sommer genauso wie im Winter attraktiven Stubaier Gletscher gesetzt hat. Als monumentales Zeichen menschlicher Präsenz im ewigen Schnee, wo die Architektur zum Gratwandler mutiert. Der Natur, so urgewaltig sie in dieser Höhe auch sein mag, noch eins draufsetzt, sie in elegantem Schwung künstlich fortsetzt, sich über sie hinauswagt.
Sechs Stahlträger als Kastenträger
Sechs Stahlträger als Kastenträger
Hier oben ist praktisch das ganze Jahr über Winter. Wo im kurzen Sommer kein Schnee liegt, ist das Gestein brüchig, schiefrig grau bis rostig rot, dem menschlichen Fuß kaum Halt gebend. Weshalb der kurze Aufstieg zur Plattform über unzählige Stufen gelenkt wird, die allerdings nicht in den Stein hineingeschlagen sind, sondern aus Stahl geformt und in mächtigen Tragwerken verankert fast wie schwebend über diesen hinwegführen.
Schwingender Gitterrost
Schwingender Gitterrost
Um schließlich nach einem kurzen Stück Weges, der über natürliches Gelände führt, auf der eigentlichen Plattform anzukommen. Diese scheint wie das elegante Flugobjekt Außerirdischer auf dem Großen Isidor gelandet zu sein. In Wirklichkeit wurde die Konstruktion aus 19 Tonnen Stahl, 60 Quadratmetern Gitterrost und 50 Metern hölzernem Handlauf im Tal gefertigt und in 20 Flügen per Hubschrauber auf den Berg gebracht. Eine große Herausforderung für Architekten wie Techniker, mussten die einzelnen Bauteile doch an die Lastengrenze des Hubschraubers mit rund 1200 Kilogramm pro Flug angepasst werden und in höchsten Maß perfektioniert sein, um die Montage vor Ort möglichst reibungsfrei zu gestalten. Was nicht zuletzt wegen der klimatischen Bedingungen im heurigen Frühjahr alles andere als ein Kinderspiel war. Eine unglaubliche Präzision der Piloten sei die Voraussetzung, dass so eine heikle Aktion gelinge, so Frank Ludin. Aber nach drei Tagen war die Plattform montiert.
Sechs Stahlträger als Kastenträger

Den vollständigen Beitrag und weitere Bilder finden Sie in architektur.aktuell
Sechs Stahlträger als Kastenträger

Den vollständigen Beitrag und weitere Bilder finden Sie in architektur.aktuell
Sie ist eine Konstruktion aus wetterfestem Cortenstahl, der sich vor Korrosion selbst mit Rost schützt. Dieser löst sich auch nicht wie "normaler" Rost langsam, die Substanz nach und nach selbst zerstörend ab, sondern überzieht die Oberfläche mit einer schützenden, wunderbar rotbraunen Haut. Im Sommer farblich reizvoll korrespondierend mit der Farbe des sehr eisenhaltigen Gesteins am Großen Isidor, während der Rost im Winter - wenn das Bauwerk bis auf die eigentliche Aussichtsplattform total in den Schnee eingetaucht ist - einen effektvollen Gegensatz zum Weiß des gefrorenen Nass sowie dem verzinkten Stahl bildet, der die touristische Infrastruktur des umliegenden Skigebiet dominiert. Natur, wenn auch zum Teil vom Menschen gebildete, tritt auf diese Weise in Konkurrenz mit deren Pervertierung, am Stubaier Gletscher in der Form unzähliger Aufstiegshilfen für den, der selbst im Sommer skifahren muss. (...)
Edith Schlocker
Präsentiert von
architektur aktuell
Top of Tyrol
2008

Berg Isidor
Stubaier Gletscher

Bauherr
Wintersport Tirol AG & Co
Stubaier Bergbahnen KG

Planung
astearchitecture
Kathrin Aste, Frank Ludin

Projektleitung
Frank Ludin

Mitarbeiter
Thomas Feuerstein

Statik
aste Konstruktion
Christian Aste, Thomas Weissteiner

Bodenmechanik
IBW Ingenieurbüro Bernhard Wietek
Sistrans

Stahlbau
Bitschnau GmbH
Nenzing

Metallbau
Raggl Metallbau
Völs

Spezialtiefbau
Felbermayr Bau GmbH & Co KG
Stams

Zimmerer
Zimmerei Haas
Neustift

Hubschrauber
Heli Tirol
St. Johann im Pongau

Nutzfläche
60 m2

Seehöhe
3.200 m

Planungsbeginn
6/2007

Baubeginn
5/2008

Fertigstellung
8/2008

Baukosten netto
300.000,- EUR
Medien Partner
architektur aktuell

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