Kein Sorgenkind der Tourismusarchitektur: Georg Driendl lässt in der Talstation der St. Antoner Galzigbahn die Form der Funktion folgen: ohne architektonische Kraftmeierei, wenn auch höchst spektakulär.
Seilbahnstation mit Dorfplatzfunktion
Fotos: Bruno Klomfar
Fotos: Bruno Klomfar
Die Zeiten, in denen Giebeldächer und geschnitzte Holzbalkone die Tiroler Architektur dominierten, sind längst vorbei. In jedem Dorf und erst recht in jeder Stadt finden sich heute Beispiele engagierten zeitgenössischen Bauens: im Wohnbau genauso wie bei öffentlichen Bauten, bei Industrie- oder Gewerbearchitekturen. Allein die Tourismusindustrie glaubt – noch nicht jedenfalls – an den Mehrwert guter zeitgenössischer Architektur.
Hier werden noch immer baukünstlerisch zum Weinen animierende Konzessionen an die vermeintliche Erwartungshaltung der Touristen gemacht und dementsprechend schauen auch die meisten der neu gebauten Hotels aus. Gaukeln in der Form verlogener Kulissen eine Idylle vor, die es längst nicht mehr gibt oder wahrscheinlich nie gegeben hat anstatt sich neue Formen eines authentischen Umgangs mit Traditionen zu überlegen.
Auf ein erfreuliches langsames Umdenken lassen allerdings Bauten hoffen, die ebenfalls im touristischen Kontext entstehen, doch nicht so zentral das Herz der Touristen treffen und somit mutigere Lösungen möglich machen: neue Tal- und Bergstationen von Seilbahnen. Ein Musterbeispiel dafür ist die von driendl* architects geplante Talstation der Galzigbahn in St. Anton.
Hier werden noch immer baukünstlerisch zum Weinen animierende Konzessionen an die vermeintliche Erwartungshaltung der Touristen gemacht und dementsprechend schauen auch die meisten der neu gebauten Hotels aus. Gaukeln in der Form verlogener Kulissen eine Idylle vor, die es längst nicht mehr gibt oder wahrscheinlich nie gegeben hat anstatt sich neue Formen eines authentischen Umgangs mit Traditionen zu überlegen.
Auf ein erfreuliches langsames Umdenken lassen allerdings Bauten hoffen, die ebenfalls im touristischen Kontext entstehen, doch nicht so zentral das Herz der Touristen treffen und somit mutigere Lösungen möglich machen: neue Tal- und Bergstationen von Seilbahnen. Ein Musterbeispiel dafür ist die von driendl* architects geplante Talstation der Galzigbahn in St. Anton.
Raumfachwerk für die Glashülle
Sie steht mitten im Ort, in unmittelbarer Nachbarschaft zu neueren und älteren, besseren und schlechteren „Tiroler Häusern", aber auch zum fabelhaften neuen Hotel Anton von Wolfgang Pöschl und zum Zielstadion von Manzl/Ritsch/Sandner, das sich – wie ihr Bahnhof für St. Anton – jeder herkömmlichen Typografie verweigert, sich aus seinen funktionalen Bedingungen im Einklang mit der Landschaft zu entwickeln scheint.
Und genau dies ist auch bei Georg Driendls Galzigbahn der Fall. Die Form folgt hier der Funktion und dies ohne alle architektonische Kraftmeierei, wenn auch formal höchst spektakulär. Schon von außen lässt sich für den potentiellen Fahrgast erahnen, welches Erlebnis die Bergfahrt für ihn bereithält. Weshalb der Architekt das technische Meisterwerk der Bahn auch nicht verschämt in einer Betonschachtel versteckt, sondern in einem facettenreichen gläsernen Kristall einhaust.
Dieser ist beachtliche 85 Meter lang und fast 17 Meter breit und ruht auf einem Betonsockel, dessen durch Bullaugen akzentuierte Flügelwände sich in elegantem Schwung der Neigung des Hanges anschmiegen. Diese Wetterschutzhülle ist freitragend über die gesamte Seilbahntechnik gespannt und kommt daher ohne unmittelbare Berührungspunkte aus.
Ermöglich wird dies durch eine von den Flügelwänden getragene, eigens entwickelte Stützkonstruktion aus Rundrohrstäben, eine, wie Driendl sagt, Art „Raumfachwerk", welches in Dreiecksverbänden organisiert die Last des Dachs in die Stahlbetonkonstruktion ableitet. Um dieses Raumfachwerk möglichst filigran erscheinen zu lassen, wurden die Stabstärken der verwendeten Profile optimiert. Gleitend entkoppelt befindet sich darauf die Glasunterkonstruktion.
120 Tonnen Stahl wurden für dieses Raumtragwerk, bei dem kein Knoten gleich ist, verbaut. 2500 Quadratmeter Glas waren notwendig, um die aus zahllosen Facetten zusammengesetzte kristalline Hülle zu bauen, die Wind, Wetter und der Last des winterlichen Schnees gewachsen sein muss. „Es war ein den Schlaf raubender Erfahrungsprozess bis zur In-Betrieb-Nahme", sagt Georg Driendl, der sehr erleichtert ist, dass die Galzigbahn ihre ersten beiden Winter tadellos überstanden hat.
Edith Schlocker
Und genau dies ist auch bei Georg Driendls Galzigbahn der Fall. Die Form folgt hier der Funktion und dies ohne alle architektonische Kraftmeierei, wenn auch formal höchst spektakulär. Schon von außen lässt sich für den potentiellen Fahrgast erahnen, welches Erlebnis die Bergfahrt für ihn bereithält. Weshalb der Architekt das technische Meisterwerk der Bahn auch nicht verschämt in einer Betonschachtel versteckt, sondern in einem facettenreichen gläsernen Kristall einhaust.
Dieser ist beachtliche 85 Meter lang und fast 17 Meter breit und ruht auf einem Betonsockel, dessen durch Bullaugen akzentuierte Flügelwände sich in elegantem Schwung der Neigung des Hanges anschmiegen. Diese Wetterschutzhülle ist freitragend über die gesamte Seilbahntechnik gespannt und kommt daher ohne unmittelbare Berührungspunkte aus.
Ermöglich wird dies durch eine von den Flügelwänden getragene, eigens entwickelte Stützkonstruktion aus Rundrohrstäben, eine, wie Driendl sagt, Art „Raumfachwerk", welches in Dreiecksverbänden organisiert die Last des Dachs in die Stahlbetonkonstruktion ableitet. Um dieses Raumfachwerk möglichst filigran erscheinen zu lassen, wurden die Stabstärken der verwendeten Profile optimiert. Gleitend entkoppelt befindet sich darauf die Glasunterkonstruktion.
120 Tonnen Stahl wurden für dieses Raumtragwerk, bei dem kein Knoten gleich ist, verbaut. 2500 Quadratmeter Glas waren notwendig, um die aus zahllosen Facetten zusammengesetzte kristalline Hülle zu bauen, die Wind, Wetter und der Last des winterlichen Schnees gewachsen sein muss. „Es war ein den Schlaf raubender Erfahrungsprozess bis zur In-Betrieb-Nahme", sagt Georg Driendl, der sehr erleichtert ist, dass die Galzigbahn ihre ersten beiden Winter tadellos überstanden hat.
Edith Schlocker
Galzigbahn
2006
Seilbahnanlage
St.Anton am Arlberg
Tyrol, Kandaharweg 9
Bauherr
Arlberger Bergbahnen AG
Planung
driendl*architects
Wien
Projektleitung
Georg Driendl
Team driendl* architects
Martin Barnreiter
Franz Driendl
Daniel Erdeljan
Zuzana Talasova
Judith Sagl
Statik/Stahl-Glaskonstruktion
Bernard Ingenieure ZT GmbH
Statik/Stahl-Betonbau
Brandner Ingenieurbüro
Seilbahntechnik
Doppelmayr Seilbahnen GmbH
Stahlbau
Unger Steel
Glas
Foidl Bau- & Kunstglas GmbH
Baumeister
STRABAG AG
Elektroplanung/Lichtkonzept
Ingenieurbüro Franz Stark
Elektronik/Elektroinstallation
Siemens Industrial Solutions & Services
Schlosserarbeiten
Rudolf Siegele Schlosserei
Nutzfläche
1.100 m2
Betriebsfläche
870 m2
Planungsbeginn
10/2005
Baubeginn
6/2006
Fertigstellung
10/2006
2006
Seilbahnanlage
St.Anton am Arlberg
Tyrol, Kandaharweg 9
Bauherr
Arlberger Bergbahnen AG
Planung
driendl*architects
Wien
Projektleitung
Georg Driendl
Team driendl* architects
Martin Barnreiter
Franz Driendl
Daniel Erdeljan
Zuzana Talasova
Judith Sagl
Statik/Stahl-Glaskonstruktion
Bernard Ingenieure ZT GmbH
Statik/Stahl-Betonbau
Brandner Ingenieurbüro
Seilbahntechnik
Doppelmayr Seilbahnen GmbH
Stahlbau
Unger Steel
Glas
Foidl Bau- & Kunstglas GmbH
Baumeister
STRABAG AG
Elektroplanung/Lichtkonzept
Ingenieurbüro Franz Stark
Elektronik/Elektroinstallation
Siemens Industrial Solutions & Services
Schlosserarbeiten
Rudolf Siegele Schlosserei
Nutzfläche
1.100 m2
Betriebsfläche
870 m2
Planungsbeginn
10/2005
Baubeginn
6/2006
Fertigstellung
10/2006



