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Gestapelt, geschlichtet, verdichtet

Im rigiden Blockraster von Favoriten realisierten die Architekten Rüdiger Lainer + Partner eine innovative Antithese zur üblichen Randbebauung. Hoch ragen  vier  freigeformte, bunte Häuser mit weit auskragenden Bauteilen, Terrassenlandschaften und Veranden  über die Maisonetten im Erdgeschoß.

	
		Umgeschlichtete Volumina
	
		Photos: Hubert Dimko, Michael Hierner

Umgeschlichtete Volumina

Photos: Hubert Dimko, Michael Hierner

Die Maisonetten winden sich um intime Patios, ihre Mauern definieren den Blockrand. Auch in  hoher Dichte kann außergewöhnliche Wohnqualität stecken. Der Bauplatz: ein Block im typischen Raster der Gründerzeit. Die Gegend: typisch Favoriten, vorwiegend grau, schütter durchsetzt von Garagen, Werkstätten und Fabriken. Jede Seite ist etwa 35 Meter lang: im Norden an der Buchengasse und zur Spinnerin im Westen die klassische, von ein paar niederen Häusern durchbrochene gründerzeitliche Randbebauung, im Osten an der Gussriegelstrasse zwei hohe soziale Wohnregale aus den Siebzigern, im Süden der Parkplatz vor der neuen Diskonterfiliale, im Backsteinbau dahinter ein Supermarkt. Die Infrastruktur ist gut, die Lage auch: Es ist nicht weit ins Zentrum.

	Futuristisches Wohngebirge aus Stahlbeton
Futuristisches Wohngebirge aus Stahlbeton
Auf dem 9.855 m2 großen Grundstück wollte der Bauträger, die Heimbau & Eisenhof ein Kindertagesheim und 250 Wohnungen mit 32.037 m2 Bruttogrundfläche realisieren. 2005 wurde dafür ein mehrstufiger, offener, EU-weiter Wettbewerb ausgeschrieben. Die Architekten Rüdiger Lainer + Partner pokerten hoch und siegten. Sie widersetzten sich der Vorgabe einer bis zu 25 Meter tiefen Blockrandbebauung. Statt dessen wurde das geforderte Volumen innovativ umgeschichtet und zu vier freigeformten, bunten Baukörpern gebündelt, die nun wie bewohnbare, futuristische Gebirge aus Stahlbeton in den Himmel ragen. Für den Statiker waren sie eine Herausforderung.
Der Bauplatz von Norden nach Süden
Der Bauplatz von Norden nach Süden
Mit vorwitzig weit vorspringenden Bauteilen erobern sich die Häuser die lichten, sonnigen Höhenmeter über dem Block und formieren sich zu Plätzen und Wegen. Jedes hat eine andere Größe und Konfiguration, ist unterschiedlich gestaffelt und von Sichtschneisen und Loggien perforiert. Viele Veranden klettern die Lochfassaden hoch. Sie sind aus Betonfertigteilen, dreiseitig verglast und haben ein Oberlicht in der Mitte. Eine Seitenwand ist organisch geschwungen: In ihre Schalung wurden Bambusmatrizen eingelegt, in den Wintergärten dahinter wachsen echte Pflanzen. „Vielfalt war ein wesentliches Kriterium. Die Baumassen sind so gegliedert, dass soziale Freiräume entstehen,“ sagt Rüdiger Lainer.
Ein differenziertes Geflecht aus Wegen, Grünflächen und Plätzen durchzieht den Block, dessen Ränder von einem dichten Teppich aus Maisonetten gesäumt werden. L-förmig fassen sie kleine, zweiseitig besonnte Patios ein. Terrakottafarbene Mauern schützen diese privaten Oasen. Im Straßenraum treten ihre Obergeschoße als Zinnen in Erscheinung und bilden so eine burghafte, mediterran anmutende Umfassungsmauer aus. Sie gibt dem Block eine klare Kante und definiert seinen kleinmaßstäblichen Rand. Fußgänger nehmen so das große Volumen dahinter kaum wahr. Grau in grau ist hier nichts, mit Oskar Putz wurde innen und außen ein durchgängiges Farbkonzept erstellt.
Über den Gärten
Über den Gärten
Die geforderte Dichte war sehr hoch,“ sagt Rüdiger Lainer. „Wir wollten, dass jede Wohnung trotzdem zwei bis drei Stunden Sonne und einen relativ großen, eigenen Freiraum hat.“ Aus dieser Überlegung wurde die Form der Häuser entwickelt, die sich nach Aussicht und Lichteinfall orientieren. Ihre Wandfluchten und Höhen sind so strukturiert, dass sie weder einander, noch den Nachbarn Sonne und Blick rauben. Ausnahmeparagraph war dazu keiner nötig. „Wir haben die Bauordnung sehr spezifisch angewandt,“ so Lainer. „Das Zurückweichen von der Blockkante ermöglichte uns, das Volumen gestaffelt in der Mitte zu erhöhen.“
Luftraum über dem Mittelgang

Den vollständigen Beitrag und weitere Bilder finden Sie in architektur.aktuell
Luftraum über dem Mittelgang

Den vollständigen Beitrag und weitere Bilder finden Sie in architektur.aktuell
Die freistehenden Bauten bieten ein tolles Panorama über die Skyline von Favoriten. Ihre Dächer sind mit Beeten, die sich mieten und individuell bepflanzen lassen, pergolaumrankten Sitzbänken, Terrassen und einem Saunahaus als erholsame Freiräume für alle gestaltetet. Der alte Wasserturm, das Hochhauskonzentrat am Wienerberg  und das nahe Gliederkettenarmband von ARTEC, Neumann und Partner (architekturaktuell 344) säumen den Horizont über dem Wohngebirge im Block. (…)
Isabella Marboe
Präsentiert von
architektur aktuell
Haus mit Veranden
2008

Buchengasse 157
Wien

Bauherr
Heimbau & Eisenhof
Wien

Generalunternehmer
Strabag

Planung
Rüdiger Lainer + Partner
Wien

Projektleitung
Andrea Graßmugg

Mitarbeiter
Stephan Klammer
Florentine Helmcke
Markus Rietzler
Miriam Schneider
Andreas Schrader
Christoph Wassmann
Klaus Leitner
Julia Zeleny
Heidi Mickal
Anja Mayr
Claudia Baumgartner
Dimitrina Hadzhihristeva
Maren Schröder

Statik
Vasko+Partner Ingenieure

Heizung/Lüftung/Klima/Sanitär
Schmidt Reuter

Elektroplanung
Schmidt Reuter

Bauphysik
Dipl. Ing. H.J. Dworak

Farbkonzept
Oskar Putz

Grundstücksfläche
9.855 m2

Bruttogrundfläche
32.037 m2

Wohnnutzfläche
21.089 m2

Wohnungen
254

Wettbewerb/Planungsbeginn
2005

Baubeginn
4/2006

Fertigstellung
6/2008
Medien Partner
architektur aktuell

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