Pixel-Welle

Ulf Meyer
3. de març 2021
Foto: Bruno Klomfar 

Während andere Bankhäuser ihr Filialnetz ausdünnen, setzt die Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien weiter auf Präsenz. Mit der Neugestaltung ihrer Filialen hat sie das Architekturbüro BEHF beauftragt.

Während landauf, landab Bankfilialen schließen, will die Raiffeisenlandesbank (RLB) auch im digitalen Zeitalter mit Präsenz punkten – ihre Filialen sollen offen und attraktiv bleiben. Dem Bankhaus ist dabei nach eigenem Bekunden wichtig, dass seine Standorte mit ihrer Gestaltung seine Werte transportieren. Und so wurde die Änderung des Designs der Filialen zur Architekturaufgabe. Der Auftrag ging an das Wiener Büro BEHF Architekten. Dessen Entwurf nimmt sich zurück und stellt die Kunden in den Vordergrund. Die Corporate Color der Bank, ein helles Gelb, findet sich in der Signaletik der umgestalteten Bankfilialen und in einer auffälligen »Pixel-Wave«, die aus quadratischen LED-Screens zusammengesetzt ist. Diese Welle ist als gestalterische Klammer zu verstehen, die alle Filialen zusammenbinden soll, die sich in Bestandsgebäuden mit unterschiedlichster Architektursprache befinden. Das Erkennungszeichen schafft in den Filialen eine zweite, innere Fassade.

Foto: Bruno Klomfar 

Die Gestaltung der Interieurs ist modern und wirkt seriös. Die prägenden Materialien sind Holz und Stein. Das soll Vertrauen erwecken und wohl auch etwaige Berührungsängste mit den digitalen Flächen nehmen. Jeder Besuch einer RLB-Filiale folgt einer wohlüberlegten Raumdramaturgie – oder Customer Journey auf Marketingdeutsch. Die Pixel-Welle ist bereits von der Straße her zu sehen und soll anziehend wirken. Zusätzlich sind die gläsernen Eingangstüren stets im Firmengelb foliert.

Foto: Bruno Klomfar 

Ein organisch geformter Empfangstresen unter einer Lichtdecke in Nierenform ist die erste Station. Er öffnet sich konkav zur Kundschaft. Es können zwei Mitarbeiterinnen gleichzeitig am Tresen Auskunft geben. Eine Lounge mit Sitzmöbeln in verschiedenen Farben, die mit Pflanzen dekoriert ist, ist für Personen reserviert, die länger bleiben und einen Mitarbeiter der Bank treffen. Wenn das Gespräch mehr als vier Minuten dauert, wird es in einem Besprechungsraum fortgesetzt. Kunden kommen nicht an die Schreibtische der Mitarbeiterinnen, vielmehr werden die Kundengespräche nur in eigens dafür gestalteten Räumen geführt. Selbst kleine Filialen haben mindestens zwei Besprechungsräume, die jeweils mit Teppichboden, Screen und Paneel-Wand ausgestattet sind. Die Interieurs werden von den Farbtönen Beige, Rosé und Grau geprägt. Die Holzpaneele an den Wänden sind mit Lärche furniert. Die Filialleiterinnen sitzen mit ihren Mitarbeitern zusammen, eine hierarchische Trennung gibt es nicht. 

Foto: Bruno Klomfar 
Foto: Bruno Klomfar 

Die Gestaltung der Kassa ist unterdessen auf Diskretion ausgerichtet. Es soll Intimität und Sicherheit ausgestrahlt werden. Die Kassa ist als »Raum im Raum« ausgelegt und kann bei Bedarf früher geschlossen werden als die übrige Filiale. Die Aktivitäten dort sind nicht einsehbar. 

Die Neugestaltung der Raiffeisenbank-Filialen in Wien zeigt, wie vergleichsweise wohnlich solche Räume aussehen können. BEHF Architects haben mit sicherer Hand ein durchgehendes Gestaltungskonzept gefunden, dass den Filialen ein einladendes Gesicht gibt. 

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