Salzburg: Alters-WGs mit Ausblick

Ulf Meyer
20. de febrer 2020
Foto: Paul Ott

Das Haus »Nonntal« ist ein neuer Typus für das Wohnen im Alter. Entworfen hat den Erweiterungsbau, in dem Senior*innen in Gemeinschaften zusammenleben, das Büro Gasparin & Meier.

In Salzburg ist ein Blick auf die erhabene Festung Hohensalzburg Gold wert, denn sie ist das Wahrzeichen der Mozart-Stadt. Die Bewohner*innen und Beschäftigte des Seniorenwohnhauses »Nonntal« genießen den Blick hinauf jeden Tag. Ein Ausläufer im Osten des Festungsberges, er heißt Nonnberg, gibt dem Heim den Namen. Auf ihm befindet sich auch das gleichnamige Stift. Es ist das älteste christliche Frauenkloster weltweit. 

Foto: Paul Ott
Ergänzung

Das Seniorenheim, einst eine »Versorgungsanstalt des Kaisers«, wurde zu einem Wohnbau umgebaut und um zwei Neubauten ergänzt. Es wurde 1898 nach Plänen von Franz Drobny in historisierendem Stil errichtet. Insgesamt hat das Seniorenwohnheim 96 Zimmer. Das gut hundertjährige, denkmalgeschützte Heim nahe dem Hans-Donnenberg-Park sollte um ein »neues Wohnkonzept« ergänzt werden. 

In dem 2014 ausgelobten Wettbewerb setzte sich das Architekturbüro Gasparin & Meier aus Villach durch. Seinen geschickten Umgang Baudenkmälern hatte das Duo vorher bereits beim Umbau des »Seniorenschlössls Brigittenau« in Wien bewiesen. Sein Entwurf für Salzburg hatte nicht nur »eine wohnliche Atmosphäre« zum Ziel, es sollten auch möglichst viele Zimmer vom Blick in den Park und hinauf zur Burg profitieren. Weil Denkmalpflege und Landschaftsschutz den architektonischen Spielraum einschränkten, wählten die Gestalter eine Fächerform: Um die zentralen Gemeinschaftsräume herum angeordnet, fächern sich die Zimmer auf. Der doppelt tropfen- oder blattförmige Neubau liegt in einem dreiseitig umbauten Hof des Bestandsgebäudes. Bauherr des 2019 eingeweihten Gebäudes ist die Stadt Salzburg. 

Foto: Paul Ott
In Gemeinschaft

Im Erdgeschoss befinden sich das Café, ein Mehrzweckraum mit Andacht, die Physio- und Ergotherapie sowie die Verwaltung. Darüber liegen vier auskragende Ebenen mit paarig angeordneten Hausgemeinschaften. Der aus zwei spiegelbildlichen Teilen zusammengesetzte Grundriss erzeugt ein fragmentiertes Volumen. Das Hausgemeinschaftsmodell des Landes Salzburg sieht je zwölf Personen in einer Wohngruppe vor. Jede »Hausgemeinschaft« kann mit einer anderen über die gemeinsame Loggia kommunizieren.

Das passende künstlerische Konzept stammt von Ingeborg Kumpfmüller aus Wien. Sie wurde von den Architekten vorgeschlagen, um das Leitsystem zu entwerfen. Sie entwickelt die Idee, dass die Nebenräume in jeder Hausgemeinschaft andersfarbig sein sollten und erarbeitete ein passendes Farbkonzept.

Zur Erschließung gibt es umlaufende Gänge. Diese Wegschleifen um die Atrien und den Nebenraum-Körper sind für Demente perfekt und bietet kurze Wege für das Personal. 

Foto: Paul Ott

Die Fassaden bestehen aus Alucobond-Paneelen und Faserzement-Platten. Beide sind am südlichen Gebäudeteil eine Nuance dunkler als am nördlichen. Die Dynamik der Neubau-Fassaden kontrastiert schön mit dem monumentalen Ansichten des benachbarten Bestandsgebäudes. 

Zwischen den beiden Gebäuden entstand ein urbaner Platz, den die Freiraumplaner Auböck + Kárász aus Wien ausgestaltet haben. Weil der Neubau von der Hohensalzburg einsehbar ist, haben sie ferner die Dachlandschaft extensiv bepflanzt, sie erblüht weiß, grün und purpur. 

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