Aller guten Dinge sind drei

Bogenfeld Architektur
25. Juni 2021
Foto: Violetta Wakolbinger

Das Büro Bogenfeld Architektur hat gemeinsam mit der Immobilien Linz GmbH eine Schulanlage in der oberösterreichischen Landeshauptstadt umgestaltet und erweitert. Birgit Kornmüller erklärt uns die Eingriffe, von denen ein ganzes Quartier profitiert.

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?


Wir freuen uns, dass es gelungen ist, durch den Neubau nicht nur den Bestand, sondern auch das ganze Stadtquartier zu erweitern und aufzuwerten. Diesen städtebaulichen Eingriff und das spannende innenräumliche Konzept sehen wir als die beiden wesentlichen Bestandteile des Projekts an.

Beton, Holz und Glas prägen den Schulbau. Rundherum finden die Schüler*innen einen weitläufigen, schön gestalteten Außenraum vor. (Foto: Violetta Wakolbinger)
Die Innenräume sind hell und weisen vielfältige Blickbezüge auf. (Foto: Violetta Wakolbinger)
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?


Die Zusammenführung von Volksschule und Hort an einem Standort sowie die Erweiterung der Mittelschule um eine Nachmittagsbetreuung sind durch drei Ideen geprägt: Zuallererst wurde das neue Bauwerk so gesetzt, dass zwischen Alt- und Neubau ein öffentlicher Raum ensteht, eine öffentliche »Spielstraße«. Schon nach ein paar Monaten Reality-Check war klar: Das funktioniert!

Bereits von außen ist gut erkennbar, dass der Zubau weitestgehend vorgefertigt und reduziert ausgestaltet ist. Nur wenige Materialien kamen zum Einsatz. Innen ist alles sehr hell, viel Holz prägt die Atmosphäre. Der Bezug zum Außenraum spielt eine wesentliche Rolle.

Und drittens, da geht es um die innere Organisation, sind die Räume für die Kinder in kleine Einheiten, auch »Cluster« genannt, gegliedert. Dunkle Gänge mit unzähligen Türen gibt es nicht. Es ist gemütlich, die Kinder haben genug Raum, um sich zu entfalten.

Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?


Der Schulstandort ist derzeit Lern- und Lebensmittelpunkt für rund 600 Schüler*innen aus 25 Nationen – ja, in der Löwenfeldschule herrscht neben baulicher auch kulturelle Vielfalt. Diese wird im neuen Zubau mit Offenheit und Betonung der Gemeinsamkeiten architektonisch aufgenommen. Dadurch wird ein Mehrwert nicht nur für den Schulstandort, sondern auch für dessen Umfeld geschaffen.

Der »Marktplatz« im Bau der Nachmittagsbetreuung wird als Gemeinschaftsfläche und für Theateraufführungen genutzt. (Foto: Violetta Wakolbinger)
Rückzugsnischen am »Marktplatz« (Foto: Violetta Wakolbinger)
Gab es bedeutende Projektänderungen vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk?


Wo sich jetzt die »Spielstraße« von der Zeppelin- bis zur Denkstraße spannt, war bis vor kurzem noch die wenig ansehnliche Rückseite der Bestandsschule – eine Sackgasse mit den Parkplätzen der Lehrer*innen prägte den Außenraum. Heute ist dort die ursprüngliche Verbindung im Quartier wiederhergestellt, es treffen sich Jung und Alt in der Pause. Am Nachmittag wird dort gespielt, und an den Wochenenden gehört der Raum der Öffentlichkeit.

Dieser Bereich war auch im Entwurf schon als verbindendes Element zwischen Alt- und Neubau, aber auch innerhalb des Quartiers angedacht. Im Rahmen der Ausführung ist es gemeinsam mit der Bauherrschaft gelungen, einen kleinen Wettbewerb für diesen Bereich auszuschreiben, den das Landschaftsbüro Carla Lo für sich entscheiden konnte. Die Gestaltung des Musters am Boden ist inspiriert von den geknüpften Freundschaftsbändern der Kinder und Jugendlichen und verbindet gleichsam den Bestand mit dem Zubau. Im Zusammenspiel mit der Kirche, der Schule und der Nachmittagsbetreuung ist fast so etwas wie ein neuer Dorfplatz entstanden.

Jeder Gruppenraum hat einen starken Bezug zum umliegenden Grünraum. (Foto: Violetta Wakolbinger)
Welches Produkt oder Material hat zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?


Von Beginn an wurde auf wenige Materialien gesetzt: Beton, Holz und Glas. Dank dem hohen Vorfertigungsgrad gelang eine rasche und saubere Umsetzung. Für die robuste Sockelzone kamen Betonfertigteile zum Einsatz. Darüber haben wir mit Holz gearbeitet. Auch haben wir von Beginn an auf Erweiterungsmöglichkeiten gesetzt. Statik und innere Erschließung sind bereits für eine mögliche Ausbaustufe ausgelegt.

Lageplan
Grundriss Erdgeschoss
Grundriss 1. Obergeschoss
Bauwerk
Hort und Nachmittagsbetreuung Löwenfeldschule 
 
Standort
Zeppelinstraße 44, 4030 Linz
 
Nutzung
Hort und Nachmittagsbetreuung
 
Auftragsart
Wettbewerb
 
Bauherrschaft
Immobilien Linz GmbH
 
Architektur
Bogenfeld Architektur ZT GmbH, Linz
 
Fachplaner 
Statik: Triax ZT GmbH
Bauphysik: Enicon Eco-energy-consulting GmbH
Elektro- und Haustechnikplanung: tbw-ingenieur consult GmbH 
Brandschutz: IBS Technisches Büro GmbH
Entwässerungskonzept: Jung & Partner GmbH
Landschaftsarchitektur: Carla Lo Landschaftsarchitektur
 
Bauleitung
Immobilien Linz GmbH
 
Jahr der Fertigstellung
2020
 
Maßgeblich beteiligte Unternehmer
Fertigteile in Sichtbeton: Progress AG, Brixen, Südtirol
Baumeister: Wolfgang Traussner Bau GmbH, Pucking
Zimmerer: AWI Holz- und Stahlbau Wimmer GmbH & Co. KG, Steyregg
Fenster: Wöhrer Fenster-Türen-Technik GmbH, Mauthausen 
Innenportale: Pilz Türenwerkstatt & Co. GmbH, Leonding
Stahlbau: Metallbau hammerschmid GmbH, Pregarten
 
Fotos
Violetta Wakolbinger

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