Das Büro als Oase

Snøhetta
30. Oktober 2020
Foto: Christian Flatscher

Die Firma ASI Reisen wünschte ein neues, modernes Bürogebäude im Tiroler Natters, das ihre Werte zum Ausdruck bringt und ihre Naturverbundenheit zeigt. Patrick Lüth, Partner und Managing Director von Snøhettas Studio in Innsbruck, verrät uns, wie sein Team dem mit einem von Pflanzen überwucherten Holzbau gerecht wurde.

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?


ASI Reisen, 1963 als Familienunternehmen gegründet, ist auf nachhaltige Aktiv- und Erlebnisreisen spezialisiert. Das neue Bürogebäude für 65 Mitarbeiter*innen sollte die Werte des Unternehmens widerspiegeln. 

Foto: Christian Flatscher
Foto: Christian Flatscher
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?


Gemeinsam mit dem Team von ASI Reisen haben wir das Konzept ›Symbiose‹ entwickelt, welches das Verhältnis von Natur und Architektur wie auch jenes von Mensch und Natur reflektiert. Auch der Wunsch nach einer modernen Arbeitsatmosphäre in einem unverwechselbaren, offenen Büro und nach individuellen Arbeitsplätzen, Rückzugsorten und Kommunikationszonen inspirierte uns, diesen fließenden Raum über mehrere Etagen zu entwickeln.

Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?


Die Lage am Waldrand und der Ausblick auf die Berge haben den Entwurf ganz wesentlich geprägt. Einerseits schafft die grüne Fassade eine Verbindung zum Grün in der Umgebung, andererseits haben wir bewusst die Blicke auf die umgebende Landschaft, den Wald und die Berge inszeniert.

Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren Nutzer*innen den Entwurf beeinflusst?


Die Wünsche des Bauherrn und der späteren Nutzer*innen waren ganz wesentlich für den Entwurf: In einigen Workshops haben wir das Konzept und die Grundlagen für das Büro gemeinsam und auf Augenhöhe entwickelt. Wir haben unsere Aufgabe darin gesehen, Wünsche und Ideen in Architektur und Raum zu übersetzen.

Foto: Christian Flatscher
Gab es bedeutende Projektänderungen vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk?


Wie gesagt, die Entwicklung des Konzepts war eine gemeinsame Anstrengung aller Beteiligten in einem längeren Prozess. Änderungen waren eher den Rahmenbedingungen geschuldet. Anfangs wollten wir so viel wie möglich vom Bestandsgebäude, das an derselben Stelle gestanden hatte, retten, adaptieren und weiterbauen. Allerdings stellte sich heraus, dass dieses das Ende seines Lebenszyklus’ bereits erreicht hatte.

Foto: Christian Flatscher
Foto: Christian Flatscher
Wie gliedert sich das Gebäude in die Reihe der bestehenden Bauten des Büros ein?


Das Bürogebäude ist Ausdruck der Wünsche und Bedürfnisse des Bauherrn und seines Teams. Es spiegelt die Werte und die Kultur des Unternehmens wider und fügt sich harmonisch in die Umgebung. Da wir alle unsere Bauten und Projekte aus dem spezifischen Kontext entwickeln, steht das Gebäude auch für die Arbeitsweise und den architektonischen Ausdruck von Snøhetta. 

Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?


Ja, ganz klar. Da das Thema Nachhaltigkeit von Anfang an das Projekt prägte, war schnell klar, dass es als Holzbau realisiert werden sollte. Zum Einsatz kam eine Kombination aus Holzskelettbau und Massivholzelementen, um den Materialverbrauch zu optimieren. Gegenüber einem herkömmlichen Gebäude aus Beton konnten wir so mehr als die Hälfte der grauen Energie, also der Energie, die ein Material über den gesamten Lebenszyklus verbraucht, einsparen.

Energetisch ermöglichte eine thermisch-dynamische Gebäudesimulation die optimale Abstimmung zwischen Gebäude und Haustechnik. So konnte die energetische Wirkung der grünen Fassade berücksichtig werden, die im Sommer zur Gebäudekühlung beiträgt. Im Winter, wenn die Pflanzen keine Blätter tragen, ist mehr solarer Eintrag möglich, der Energiebedarf fürs Heizen wird so gesenkt.

Wichtig war auch eine natürliche Lüftung. Temperatur- und CO2-Sensoren steuern mechanisch angetriebene Lüftungsflügel. Der thermische Auftrieb sowie die Winddruckverhältnisse werden genutzt, um das Gebäude mit Frischluft zu durchströmen.

Welches Produkt oder Material hat zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?


Dies sind ganz klar zwei Materialien: Holz und der ›Baustoff‹ Pflanze!

Foto: Christian Flatscher
Lageplan
Grundriss Erdgeschoss
Grundriss 1. Obergeschoss
Grundriss 2. Obergeschoss
Schnitt A
Schnitt B
Bauwerk
Bürogebäude ASI Reisen
 
Standort
In der Stille 1, 6161 Natters
 
Nutzung
Bürogebäude
 
Auftragsart
Direktauftrag
 
Bauherrschaft
privat
 
Architektur
Snøhetta, Innsbruck
 
Fachplaner 
Statik: Tragwerkspartner ZT GmbH, Innsbruck
Gebäudetechnik: Alpsolar Klimadesign, Innsbruck
Bauphysik: Fiby ZT-GmbH, Innsbruck
Elektrotechnik: Tivoli Plan Ing. Büro GmbH, Innsbruck
Lichtplanung: Christian Ragg Lichtplanung, Sistrans
 
Jahr der Fertigstellung
2019
 
Energiestandard
Niedrigenergie
 
Fotos
Christian Flatscher

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