Der Werkzeugkasten als Schmuckstück

Fink Thurnher
4. Dezember 2020
Foto: Hanno Mackowitz

Wie soll man in dicht besiedelten Gebieten bauen, die sich einer eindeutigen Stadt-Land-Zuordnung entziehen? Das Büro Fink Thurnher setzte sich beim Entwurf eines Bürogebäudes in Schlins mit dieser Frage auseinander, wie uns Markus Thurnher berichtet.

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?


Das Gebäude steht in der Vorarlberger Gemeinde Schlins unweit von Feldkirch. Dieses Gebiet ist etwas zwischen Stadt und Land. Wie kann Architektur dort dazu beitragen, charakterstarke Orte zu schaffen, um so die Umgebung aufzuwerten? Diese Fragestellung bildet das zentrale Thema dieses kleinen Projekts.

Foto: Hanno Mackowitz
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?


Das Bürogebäude sollte im kulturellen Anspruch die hochwertigen Produkte der Firma din spiegeln. Dieser Leitgedanke ermöglichte es, ein Bauwerk zu erstellen, welches durch seine Gestalt, Setzung und Schönheit den Ort bereichert, die Mitarbeiter*innen augenscheinlich wertschätzt und gleichzeitig Werbung für die Bauherrschaft und ihre Produkte macht.

Foto: Hanno Mackowitz
Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?


Das direkte Umfeld des Gebäudes erscheint heterogen, es ist ohne offensichtlichen gestalterischen Konsens errichtet. Im nahegelegenen Zentrum von Schlins jedoch ist die gesellschaftliche Übereinkunft über den Stellenwert und die Aufgabe eines Gebäudes im Ort durchaus erkennbar: Die Stellung der Häuser zur Straße, die Schaffung von Empfangsbereichen und Eingangssituationen, die den öffentlichen Raum aufwerten, und der sorgfältige Umgang mit den Außenräumen seien hier erwähnt. Durch das leichte Ausdrehen der Gebäude und den dadurch variierenden Abstand der älteren Häuser zum Straßenraum entstand der für Schlins typische Ortskern.

Wir sehen die Aufgabe, ein neues Bauwerk stets als wertvollen Baustein eines Ortes zu gestalten, als elementar an. Diese Haltung beeinflusste die Setzung des Gebäudes wesentlich.

Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren Nutzer*innen den Entwurf beeinflusst?


Die hohen technologischen und innovativen Ziele der Firma hinsichtlich ihrer Leuchten finden ihre Entsprechung in einem Gebäude, das einen Beitrag zu einer hochstehenden Baukultur leisten soll. Uns verbindet mit der Bauherrschaft ein hoher Qualitätsanspruch an die eigene Arbeit. Diese Übereinkunft war Basis für eine gute Zusammenarbeit.

Die Wertschätzung für die Mitarbeiter*innen und das Schaffen eines angenehmen Arbeitsortes standen an oberster Stelle. Wünsche und Anliegen wurden offen entgegengenommen, kreative Prozesse konnten in Gang gesetzt und stimmige Lösungen für beide Seiten gefunden werden.

Gab es bedeutende Projektänderungen vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk?


Das Raumprogramm für das Bürogebäude – im Grunde für eine eingeschossige, vier Meter hohe Flachdachkubatur maßgeschneidert – konnte mit dem bereits erwähnten kulturellen Anspruch überlagert werden. Es entstand ein zweigeschossiges Volumen, welches nicht nur die wesentlichen Funktionsbereiche beinhaltet, sondern auch ein großzügiges Foyer, welches in Kombination mit dem angrenzenden Seminarbereich zu einem freundlichen, hellen Begegnungsraum wird. Die funktionalen Anforderungen konnten so mit dem architektonischen Anspruch an die Außenraumwirkung des Gebäudes in Einklang gebracht werden. 

Foto: Hanno Mackowitz
Foto: Hanno Mackowitz
Wie gliedert sich das Gebäude in die Reihe der bestehenden Bauten des Büros ein?


Unser Bestreben ist immer, für den jeweiligen Ort ein bereicherndes und gleichzeitig für den Bauherrn maßgeschneidertes Bauwerk zu erstellen. Die formalen Ansätze und die Materialwahl werden stets neu aus der Logik der Bauaufgabe entwickelt. Schonender Einsatz der Ressourcen und ein hoher ökologischer Anspruch sind selbstverständlich. Wichtig ist uns dabei eine ganzheitliche Betrachtung des Themas der Nachhaltigkeit, denn ein Fokussieren auf Einzelaspekte bringt noch keine zukunftsfähige Baukultur.

Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?


Das Gebäude ist als konstruktiver Holzbau auf einem gegossenen Sockel errichtet. Die Idee war, die Holz-Konstruktion des Gebäudes sichtbar zu lassen und nicht zu verkleiden. Sparren, Stützen und Pfetten blieben sichtbar, dies ist maßgeblich für den Charakter des Gebäudes im Inneren. Die Fassade wurde dementsprechend in Holz ausgeführt und umhüllt das Gebäude – bis auf die flächig eingesetzte Photovoltaikanlage auf dem Dach – zur Gänze.

Lageplan
Grundriss Erdgeschoss
Schnitt
Bauwerk
Bürobau von din Sicherheitstechnik 
 
Standort
Walgaustraße 36, 6824 Schlins
 
Nutzung
Bürogebäude
 
Auftragsart
Direktvergabe
 
Bauherrschaft
din Sicherheitstechnik
 
Architektur
Fink Thurnher Architekten, Bregenz
Projektleiter: Markus Thurner
Projektbearbeiterin: Katharina Berchtold
 
Fachplaner
Tragwerksplanung: gbd ZT GmbH, Dornbirn
Geotechnik: 3P Geotechnik ZT GmbH, Bregenz
Heizung, Lüftung, Sanitär: Koller & Partner GmbH, Bregenz
Elektroplanung: Ingenieurbüro Hiebeler + Mathis OG, Hörbranz
Beleuchtung: A.M.R. Lichtplanung - Manfred Remm, Dornbirn
Bauphysik: DI Dr. Lothar Künz TZ GmbH, Hard
Kulturtechnik und Wasserwirtschaft: Adler+Partner ZT GmbH, Klaus
Vermessungswesen: Rapatz Vermessung ZT GmbH, Feldkirch
Brandschutzplanung: K&M Brandschutztechnik GmbH, Loch | Au
 
Bauleitung 
thomas marte baumeister, Dornbirn
 
Jahr der Fertigstellung
2019 
 
Gesamtkosten
EUR 2 Mio.
 
Gebäudevolumen 
2854 m3
 
Maßgeblich beteiligte Unternehmer
Konstruktiver Holzbau und Innenausbau: Sutter Holzbau GmbH, Ludesch
Erdarbeiten: Dobler Baugesellschaft mbH, Röthis
Außenanlagen: Hilti & Jehle GmbH, Feldkirch
Baumeisterarbeiten: Dobler Baugesellschaft mbH, Röthis
Heizung, Lüftung, Sanitär: Hörburger GmbH&Co KG, Altach
Elektroinstallationen: Elektro Willi GesmbH & Co KG, Andelsbuch
Holz-Alu-Fenster und Portale: Böhler Fenster GmbH, Wolfurt
Spengler und Schwarzdecker: Baldauf Dachdeckerei-Spenglerei GmbH, Doren
Estrich geschliffen: Vigl&Strolz GmbH, Schoppenau
Sonnenschutz-Raffstore: Hella Sonnen- und Wetterschutztechnik GmbH, Dornbirn
Parkettboden: MB Michael Bischof GmbH, Hard
Innentüren: Tischlerei Elmar Dünser, Thüringerberg
Trockenbau: Burtscher Trockenbau-Systeme GmbH, Ludesch
Maler: Heinrich Liepert GmbH, Bludenz
Innenverglasung: Längle Glas GmbH, Götzis
Innenverdunkelung: Berle Raumausstatter, Thüringen
Einbaumöbel: Hartmann die Tischlerei e.U., Schlins
Betontheke: Kleeblatt Betonmanufaktur, Altach
 
Fotos
Hanno Mackowitz

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