Die Schule als Weg und Platz

Schenker Salvi Weber Architekten
13. März 2020
Foto: David Schreyer

Schenker Salvi Weber Architekten haben die Volksschule von Wolfurt erweitert und den benachbarten Kindergarten mit Krippe integriert. Mit begrenztem Budget ist ein überzeugender Lernort entstanden. Michael Salvi erklärt die Gestaltung und berichtet, welche Herausforderungen zu meistern waren.

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?


Die Vorarlberger Marktgemeinde Wolfurt im Bezirk Bregenz wollte ihre Volksschule im Dorfteil Bütze erweitern und den benachbarten Kindergarten mit Krippe integrieren. Man entschied sich, den dreigeschossigen Bestand aus den 1960er-Jahren vollständig zu sanieren und jenen aus den 1990er-Jahren aus bauphysikalischen Gründen großteils abzutragen. 

Die Turnhalle im Untergeschoss wurde erhalten und mit zwei neuen Stockwerken überbaut. Der 60 Meter lange und 27 Meter tiefe Neubau mit Holztragwerk und einer flächigen, holzverkleideten Fassade sowie einer verputzten Sockelzone, die auch für den Bestand übernommen wurde, ergänzt nun harmonisch die gesamte Schulanlage. Das neue Haus mit jeweils einer Pergola an den Enden fügt sich ruhig in die Umgebung mit Wiesen und Bäumen sowie die dörflich geprägte Nachbarschaft. Die flächig in Schichten entwickelte Struktur mit insgesamt 14 Klassen- und 12 Gruppenräumen generiert eine mäandrierende Lernlandschaft.

Foto: David Schreyer
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?


Die Aufgabe über die bestehende Turnhalle respektive das Kellergeschoss zu bauen brachte statische Herausforderungen mit sich. Darum ist unser Neubau ein Hybrid aus Stahl- und Holzbau – zwei verhältnismässig leichten Bauweisen. Das raumhohe Tragwerk, durchwirkt von großzügigen »Oberlichthäusern«, lehnt sich einerseits an industrielle Bauten an. Andererseits stellt das Projekt den Versuch dar, einen sich flächig ausdehnenden Neubau mit der Struktur des Bestandes verschmelzen zu lassen.

Foto: David Schreyer
Foto: David Schreyer
Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?


Der Entwurf entwickelt sich, wie gesagt, stark aus dem Bestand heraus. Er erfüllt den schon im Wettbewerb formulierten Wunsch nach einer offenen Lernlandschaft für neue pädagogische Vorgehensweisen.

Die beiden Pergolen dienen als Außenklassenzimmer. Sie schaffen einen attraktiven Übergang von innen nach außen. Das Haus löst sich durch sie an seinen Enden quasi auf. 

Handwerk, Fügung und Holzbau spielen in der traditionellen wie auch der zeitgenössischen Architektur Vorarlbergs eine große Rolle. Durch die Konstruktion und gestufte Fügung der Holzfassade nahmen wir hierauf Bezug. So haben wir eine Anknüpfung an die regionale Baukultur geschafft.

Foto: David Schreyer
Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren Nutzer*innen den Entwurf beeinflusst?


Insbesondere der Schulleiter stand von Beginn an hinter der offenen Lernlandschaft und war uns ein wichtiger wie unterstützender Diskussionspartner. Seit dem Wettbewerb hat sich ein gemeinsames räumliches Ziel entwickelt, das kontinuierlich verfolgt und konsequent umgesetzt wurde.

Gab es bedeutende Projektänderungen vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk?


Nach dem Vorentwurf stand das Projekt unter großem Kostendruck. Wir haben es in einer Überarbeitung »komprimiert«. Dabei haben wir die Typologie der eingeschnittenen Höfe und der umlaufenden Laubengänge, die wir ursprünglich vorgeschlagen hatten, mit einer radikaleren zenital belichteten Lernlandschaft mit den erwähnten Pergolen an den Enden ersetzt – schlussendlich ein Wagnis und ein Gewinn für das entstandene Bauwerk.

Foto: David Schreyer
Foto: David Schreyer
Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?


Großen Einfluss hatte der Wunsch, das Projekt nach dem Kommunalen Gebäudeausweis (KGA) und nach dem Baubook zu planen. In vielerlei Hinsicht mussten Materialwahl und konstruktiver Aufbau auf die energetischen Anforderungen abgestimmt werden. Dennoch war uns sehr wichtig, dass ein wohnlicher Ort mit angenehmer Atmosphäre entsteht. Basis dafür bilden eine gut abgestimmte Akustik, die natürlichen Lichtverhältnisse und ein hohes Maß Transparenz. 

Foto: David Schreyer
Foto: David Schreyer
Welches Produkt oder Material hat zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?


Die Summe der gewählten Materialien steuert die räumliche Atmosphäre. Der Parkettboden wurde in Bereichen mit großer Raumtiefe mit einem Richtungswechsel als »Teppich« verlegt. Die Rahmen aus Eichenholz akzentuieren die inneren Fenster und Türen. Die in glänzendem Weiß lackierten Oberlichthauben stemmen sich in die sanft anmutende Akustikdecke aus Holzzementwollplatten. Mit dezenten Vorhängen können Abgrenzungen geschaffen werden. Außerdem kann man mit ihrer Hilfe den Grad an Transparenz steuern.

Mobile Holzmöbel schaffen temporäre Lernorte, Sitzlandschaften unter den Oberlichter laden zum Verweilen ein. 

Lageplan
Axonometrie
1. Obergeschoss (Modellfoto: Schenker Salvi Weber Architekten)
Grundriss 1. Obergeschoss
Grundriss 2. Obergeschoss
Längsschnitt
Querschnitt
Name des Bauwerks
Volksschule und Kindergarten »Bütze«
 
Ort
Montfortstrasse 14, 6922 Wolfurt
 
Nutzung
Volksschule und Kindergarten mit Krippe
 
Auftragsart
EU-weiter Wettbewerb mit vorgeschaltetem Auswahlverfahren, Teil-Generalplanung
 
Bauherrschaft
Gemeinde Wolfurt
 
Architektur
Schenker Salvi Weber Architekten
Barbara Roller (Projektleitung), Tina Tobisch (stellvertretende Projektleitung), Marlies Grammanitsch, Simon Gysel, Christian Rübenacker, Jana Sack, Michael Salvi, Andres Schenker, Pia Schmidt, Thomas Weber
 
Fachplaner
Statik: Hämmerle-Huster Statik, Bregenz
Brandschutz: IMS-Brandschutz, Thalheim bei Wels
Bauphysik: IBO – Österreichisches Institut für Bauen und Ökologie, Wien
Gebäudetechnik: teamgmi Ingenieurbüro, Wien
Elektroplanung: Ingenieurbüro Hiebeler + Mathis, Hörbranz
Lichtplanung: Designbüro Christian Ploderer, Wien
Landschaftsplanung: DnD Landschaftsplanung
 
Bauleitung 
Querschnitt, Wolfurt
 
Jahr der Fertigstellung
2020
 
Gesamtkosten 
EUR 10,2 Mio.
 
Kubikmeterpreis
EUR 485
 
Energiestandard 
Passivhaus, geplant nach kommunalem Gebäudeausweis (KGA) und Baubook Klimaaktiv Kriterienkatalog: Gold
 
Maßgeblich beteiligte Unternehmer 
Baumeisterarbeiten: Nägele Hoch- und Tiefbau GmbH, Röthis
Zimmermann: Dobler Holzbau GmbH, Röthis
Heizung-Sanitär: Dorf-Gebäudetechnik GmbH, Wolfurt
Elektroinstallationen: Rist & Co GmbH, Wolfurt
Lüftung: Gruber Klimatechnik GmbH, Wolfurt
Aufzug: Schindler Aufzüge und Fahrtreppen GmbH, Dornbirn
Einbau-Schulmöbel: Lenz Nenning GesmbH, Dornbirn, Tischlerei Oberressl GmbH, Kötschach-Mauthen
Akustikelemente: Ausbau Bohn GmbH, Feldkirch
 
Fotos
David Schreyer

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