Feuerwehr trifft auf Architektur!

Heike Schlauch raumhochrosen
13. September 2019
Gesamtsicht auf die »Bauplastik« der neuen Feuerwache von Hohenweiler (Foto: Albrecht Imanuel Schnabel)

Das Büro Heike Schlauch raumhochrosen hat im 1'300-Seelen-Dorf Hohenweiler in Vorarlberg eine Feuerwache gestaltet. Heike Schlauch spricht mit uns über das Projekt, das dem kleinen Dorf einen Entwicklungsschub gegeben hat, und beantwortet unsere Fragen.

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?

Hohenweiler liegt im nördlichsten Zipfel Vorarlbergs, unweit der Grenze zu Deutschland. In den letzten 20 Jahren herrschte im Dorf Stillstand: Wenig wurde gebaut und auch die Infrastruktur kaum weiterentwickelt. Doch nach einer intensiven Planungsphase zur Ortszentrumsentwicklung wurde nun mit unserem Haus für die Feuerwehr, die schon seit 1911 auf eine adäquate Unterkunft wartete, der erste Baustein verwirklicht. Das Rad der Umgestaltungen ist damit in Gang gesetzt – ein historisches Ereignis, das uns und alle vor Ort sehr freut.

Das Feuerwehrgebäude vor der Kulisse der Ausläufer des Pfänders (Foto: Albrecht Imanuel Schnabel)
Schlauch- und Kirchturm bilden über die Landesstraße hinweg die Hochpunkte im Dorf. (Foto: Albrecht Imanuel Schnabel)
Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?

Das Grundstück für den Neubau des Feuerwehrhauses Hohenweiler liegt an der Landesstraße unmittelbar am Eingang zum Ortszentrum. Durch die Positionierung des 12 Meter hohen Turms ortsauswärts ist es uns gelungen, städtebaulich den Beginn des Ortskerns auf dem stark zergliederten Gemeindegebiet klar zu markieren. Gemeinsam mit dem Kirchturm auf der anderen Straßenseite bildet er einen der beiden markanten Hochpunkte im Dorfgefüge.

Hinter der Eingangsfassade befinden sich die Aufenthaltsräume im Erd- und Obergeschoss. (Foto: Albrecht Imanuel Schnabel)
Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren Nutzer*innen den Entwurf beeinflusst?

Es hat sich bei diesem Projekt wieder einmal gezeigt, dass eine intensive Beteiligung der Nutzer*innen, die weit über das bei einem öffentlichen Architekturprojekt übliche Maß hinausgeht, für uns der beste Weg ist, ans Ziel zu gelangen. Wir wollten ein funktional hervorragendes Gebäude gestalten. Dabei waren die Feuerwehrfrauen und -männer mit ihrer Expertise unentbehrlich. Denn sie wissen am besten, wie sie das Gebäude nutzen wollen. Ihre Inputs ergänzten das schriftliche Raumprogramm. Ein weiteres Ziel bestand darin, ein hohes Maß an Nutzer-Zufriedenheit zu erreichen, was gelungen ist, indem wir die meisten Entscheidungen gemeinsam getroffen haben. Als Nutzer*in, Bürger*in oder schlicht als Mensch in die Entscheidungsfindung einbezogen zu sein, erzeugt Selbstwirksamkeit. Man erfährt, dass man selbst etwas bewirken kann. Das gibt der Arbeit Sinn und Motivation. Und was kann Sinn-voller sein, als ehrenamtlicher Arbeit weiteren Sinn und Motivation mitzugeben und für gute Rahmenbedingungen ihres Einsatzes zu sorgen. Das gibt unserer Arbeit als Architekt*innen wiederum ungemein Sinn und Motivation.

Spannungsfeld zwischen Landschaft und alter Bausubstanz einerseits und dem Neubau andererseits (Foto: Albrecht Imanuel Schnabel)
Welches Produkt oder Material hat zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?

Ein sehr traditionelles Produkt, die Schindeln, prägt den Charakter des Baus gegen außen. In Vorarlberg hat ein solches Schuppenkleid Tradition an öffentlichen Gebäude. Im Inneren verleiht indes das Holz Weißtanne den Aufenthaltsbereichen eine wohnliche Atmosphäre. Die Bäume wurden in den eigenen Wäldern der Feuerwehrleute schon vor Baubeginn geschlagen. Ihr Holz wurde in Eigenleistung verbaut. Dies ist natürlich auch im Sinne der Nachhaltig und der regionalen Wertschöpfung.

In der Kommandozentrale im Erdgeschoss (Foto: Albrecht Imanuel Schnabel)
Die im Schulungsraum im Obergeschoss verbaute Weißtanne stammt aus den eigenen Wäldern der Feuerwehrleute. (Foto: Albrecht Imanuel Schnabel)
Name des Bauwerks Feuerwehrhaus Hohenweiler
Ort Dorf 13, 6914 Hohenweiler
Nutzung Feuerwehrgerätehaus
Bauherrschaft Gemeinde Hohenweiler
Architektur Heike Schlauch raumhochrosen, Lochau bei Bregenz: Heike Schlauch, Andreas Litschauer (Projektleiter)
Fachplaner Elektro: ihm Elektrotechnik, Hörbranz | HLS: Technisches Büro Herbert Roth, Lauterach | Statik: pnstatik - Peter Nagy, Dornbirn | Lüftung: Dietrich Luft + Klima, Lauterach | Geotechnik: 3P Geotechnik ZT GmbH, Bregenz | Baumanagement, Projektsteuerung: Pfanner plan+bau, Sulzberg
Bauleitung Pfanner plan+bau, Sulzberg
Jahr der Fertigstellung 2019
Gebäudevolumen 4'044 m3
Energiestandard Niedrigenergiestandard
Kunst am Bau Autor Grafik Monika Rauch, Lochau
Kunst am Bau Kurzbeschrieb Sicherheitsmarkierung auf Glasflächen mit den Parzellennamen der Gemeinde Hohenweiler
Maßgeblich beteiligte Unternehmer Baumeister: Hinteregger Bau GmbH, Bregenz | Zimmererarbeiten: Rauch Holzbau, Egg-Großdorf | Fenster: Sigg Tischlerei GmbH | Hallentore: Kessler Tore GmbH | Estrich: Vigl + Strolz | Innenausbau: Feuerwehr Eigenleistung | Innentüren+ Möbel: Sigg Tischlerei GmbH | Lüftung: Dietrich Luft + Klima | Sanitär: Bechter Installationen, Bregenz
Fotos Albrecht Imanuel Schnabel, Rankweil
 

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