Für Familie, Dorf und Umwelt

firm architekten
5. November 2021
Foto: Adolf Bereuter

Christian Feldkircher hat in Frastanz ein Haus für seine Familie entworfen. Nicht nur architektonisch qualitätsvoll sollte der Holzbau sein, so hatten er und seine Frau überlegt, sondern auch möglichst nachhaltig.

Herr Feldkircher, worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?


Aus bautechnischer Sicht war die Besonderheit die konsequent nachhaltige Umsetzung. Der turmartige Baukörper schafft als Auftakt der Dorfparzelle zusammen mit den beiden Bauernhäusern nebenan eine ortsbauliche Platzsituation, die es vormals, als an der Stelle, wo nun der Neubau steht, noch ein Stall war, nicht gegeben hat. 

Hinzu kommt die besondere Konstellation: Es ist das Haus meiner Familie. Ich wohne dort mit meiner Frau und meinen Kindern. In einem der benachbarten Bauernhäuser leben außerdem die Großeltern meiner Frau. Die bereits bestehenden und die neu hinzugekommenen Außenräume ermöglichen ein schönes Miteinander der ganzen Familie.

Foto: Adolf Bereuter
Foto: Adolf Bereuter
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?


Der Duft eines Morgenspaziergangs durch den Obstgarten am Bauplatz

Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?


Die Prägnanz der benachbarten Bauernhäuser und die Hanglage des Grundstücks sowie die Obstbäume rundherum waren prägend. 

Unser Wunsch, im Erdgeschoss gefühlt mitten auf der Wiese zu sitzen, wurde erfüllt. Denn dessen Niveau liegt teilweise 120 Zentimeter über dem Hanggelände, was stets einen Blick über die Blumenwiese draußen ermöglicht. Das Gebäude grenzt ringsherum an eine Magerwiese, die nur einmal im Jahr geschnitten wird. Dies fördert die Artenvielfalt unter den Blumen und kommt dem Insektenbestand zugute. Das ist wichtig, denn die Biodiversität im Allgemeinen und viele Insektenarten im Besonderen sind aktuell bedroht.

Foto: Adolf Bereuter
Foto: Adolf Bereuter
Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren Nutzer*innen den Entwurf beeinflusst?


Ich war, wie eben schon gesagt, Bauherr und Architekt gleichzeitig. So war allein ein guter Austausch mit meiner Frau notwendig. Ihre Vorstellungskraft, Entscheidungsfreudigkeit und Verbindlichkeit waren in der Planung hilfreich. Der Planungs- und Bauprozess war durch die Verwendung von Eigenholz aus unserem Wald, meiner Gestaltungsarbeit und Tätigkeit als Bauleiter sowie unser natürlich parallel noch stattfindendes Familienleben mit zwei kleinen Kindern sehr intensiv und fordernd, aber im Rückblick beziehungsfördernd. Wir haben offensichtlich denselben Geschmack. Es war schön, auf ein gemeinsames Ziel hinzuarbeiten. Wir erfreuen uns täglich am Ergebnis!

Foto: Adolf Bereuter
Wie gliedert sich das Gebäude in die Reihe der bestehenden Bauten des Büros ein?


Holzbau ist eine unserer Leidenschaften. Ein turmartiger Wohnbau mit Flachdach war formal etwas Neues in unserer Bürosprache. Doch uns schien diese Form die passende Antwort für den Standort.

Foto: Adolf Bereuter
Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?


Uns beschäftigt die Klimakrise. Darum war immer klar, dass unser Ziel – obschon es sich bei dem Projekt um ein Einfamilienhaus handelt – eine konsequent nachhaltige, zugleich aber auch ästhetische und architektonisch reiche Gestaltung ist. Ich denke, das haben wir erreicht.

Welches Produkt oder Material hat zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?


Fichten- und Buchenholz

Lageplan
Grundriss Erdgeschoss
Grundriss 1. Obergeschoss
Grundriss 2. Obergeschoss
Schnitt
Bauwerk
Haus im Obstgarten
 
Standort
Gampelüner Straße 2, 6820 Frastanz
 
Nutzung
Einfamilienhaus
 
Auftragsart
Direktauftrag
 
Bauherrschaft
Privat
 
Architektur
firm architekten, Lustenau
Albert Moosbrugger und Christian Feldkircher
 
Fachplaner
Statik: Mader + Flatz Baustatik GmbH, Bregenz
Bauphysik: gm bauphysik, Schwarzenberg
 
Jahr der Fertigstellung
2020
 
Gebäudevolumen
930 m3
 
Maßgeblich beteiligte Unternehmer 
Baumeister: Thöni Bau, Bludenz
Holzbau Rohbau, Diagonaldübelholz: Sohm Holzbautechnik, Alberschwende
Holzbau Fassade und Innenausbau: Berchtold Holzbau, Bezau
Fenster: Schwarzmann, das fenster, Schoppernau
Treppenbau: tg Tischlerei Greußing, Bezau
Metallbauarbeiten: Kunstschmiede Figer, Bezau
Tischler: Tischlerei Wolfgang Meusburger GmbH, Reuthe
Sitzmöbel: Edgar Waldner, Egg
Holzböden: BenJo Benjamin und Josef Fröwis GmbH, Bezau
Beton- und Estrichboden: Vigl + Strolz Estrichtechnik, Mellau
Lehmputzarbeiten: Entner Verputz GmbH, Muntlix
Raumausstattung: Troy GmbH, Stefan Troy, Bezau
Beleuchtung: lichtFactor e.U., Feldkirch
 
Auszeichnung
Anerkennung beim Vorarlberger Holzbaupreis 2021
Nominierung für Häuser des Jahres 2021 des Callwey Verlags 
 
Fotos
Adolf Bereuter

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