Geschichte und Großzügigkeit

Ludescher + Lutz Architekten
13. Mai 2022
Foto: Gustav Willeit

Ludescher + Lutz Architekten haben die Vorarlberger Landesbibliothek in Bregenz umgebaut. Elmar Ludescher und Philip Lutz erklären ihren Umgang mit der wertvollen historischen Bausubstanz.

 

Herr Ludescher, Herr Lutz, worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?

Elmar Ludescher: Unsere Aufgabe bestand darin, die Vorarlberger Landesbibliothek auszubauen. Am Standort Babenwohl soll der Fokus künftig auf dem Freihandbereich und dem Lesen vor Ort liegen. Den Benutzern werden neu mehr Flächen für Information, Kommunikation und Studium zur Verfügung gestellt. Durch die Umgestaltung kann die Landesbibliothek nun auch in den kommenden Jahrzehnten am selben Standort bleiben. Der Gebäudekomplex sollte so angepasst werden, dass er sich weiterentwickeln kann und sich zur Stadt und zum See hin öffnet. Die wachsenden Bestände an Büchern und Medien müssen heute schon in andere Gebäude ausgelagert werden.

 

Foto: Gustav Willeit
Welche Inspiration liegt Ihrem Projekt zugrunde?


Philip Lutz: Für Vorarlberg haben die stolzen Gebäude aus Mittelalter, Gründerzeit und Jugendstil besonderen Seltenheitswert. Zufällig haben wir auch unser Büro in so einem seltenen Gebäude, nämlich in der alten Hauptpost von Bregenz aus dem Jahre 1905. Daher kennen und lieben wir das Ambiente solcher Häuser.

 

Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?


EL: Der Ort hatte einen großen Einfluss auf die Gestaltung – wie bei allen unseren Entwürfen. Wir suchen immer die architektonische Auseinandersetzung mit dem kulturellen und topografischen Kontext, damit insgesamt ein besserer und besser verständlicher Ort entsteht. Unsere Zeit leidet an der Fraktionierung aller Räume. 

Bei diesem Projekt durften wir zudem unter den Augen des Bundesdenkmalamtes bauen, was eine neue Herausforderung für uns war.

 

Foto: Gustav Willeit
Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren Nutzer*innen den Entwurf beeinflusst?


PL: Die Auftraggeberseite war komplex zusammengesetzt. Das Landeshochbauamt, das Bundesdenkmalamt, das Amt der Stadt Bregenz mit Gestaltungsbeirat, das Direktorium der Landesbibliothek, die Örtliche Bauleitung und die Fachbauleitungen waren in wöchentlichen Sitzungen über drei Jahre hinweg für den Projektverlauf verantwortlich. Die Entscheidungen wurden größtenteils im Konsens getroffen.

 

Gab es bedeutende Projektänderungen vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk?


EL: Der Bearbeitungsumgriff hat sich mehrfach geändert, vor allem, um auf die dynamische Kostensituation zu reagieren. Auch ein Bauen und Leben unter Corona-Bedingungen wurde erstmals erlebt und erprobt.

 

Foto: Gustav Willeit
Wie gliedert sich das Gebäude in die Reihe der bestehenden Bauten Ihres Büros ein?


PL: Die bedeutungsschweren Bestandsbauten, die öffentliche Nutzung und die exponierte Situation des Ensembles stellten für uns eine neue Herausforderung dar, der wir uns gerne gestellt haben.

 

Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?


EL: Nein, ehrlich gesagt, überhaupt nicht. Die Bedingungen des Denkmalschutzes, die gegebenen Konstruktionen und die vielen historischen Anknüpfungspunkte haben uns völlig vom herrschenden Zeitgeist abgekoppelt. Wir empfanden das als angenehm.

 

Welches Produkt oder Material hat zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?


PL: Ein wesentliches Material ist sicherlich der Terrazzo im Erdgeschoss, den wir am bestehenden Fußboden in der Stiftsbibliothek orientieren konnten. Eine selten gewordene Handwerkskunst, über die wir uns noch lange freuen werden.

 

Lageplan
Grundriss Erdgeschoss
Längsschnitt
Bauwerk
Umbau der Vorarlberger Landesbibliothek
 
Standort
Fluherstraße 4, 6900 Bregenz
 
Nutzung
Bibliothek
 
Bauherrschaft
Land Vorarlberg
 
Architektur
Ludescher + Lutz Architekten ZT GmbH, Bregenz
 
Fachplaner
Statik: Gaisberger ZT GmbH, Dornbirn 
Elektro-Planung | ÖBA: Renè Fröhle, Schlins 
HKLS-Planung | ÖBA: Marte Diem GmbH, Bregenz 
Bauphysik: DI Dr. Lothar Künz GmbH & Co KG, Hard 
Örtliche Bauaufsicht: gbd ZT GmbH, Dornbirn
 
Jahr der Fertigstellung
2022 
 
Gesamtkosten
3,3 exkl. Mehrwertsteuer
 
Maßgeblich beteiligte Unternehmer
Moosbrugger Baumeister GmbH, Lauterach
Formart Juen KG, Lauterach
Steurer Verputze, Höchst
Lüftung: Hörburger GmbH & Co KG, Altach
Fenster und Türen: Hartmann Fensterbau GmbH, Nenzing 
Spengler undS chwarzdecker: Vonbank Spenglerei, Hard 
Estricharbeiten: Küng Bau GmbH, Thüringen
Schlosserarbeiten: Harald Simeoni GmbH, Andelsbuch
Böden: Lerbscher Baugeschäft GesmbH, Hard
Fliesenleger: Bad 2000 GmbH, Nüziders
Möbel: Lenz-Nenning GesellschaftmbH Möbelhandwerk, Dornbirn 
Geschnitzte Außentüre Babenwohl: Raimund Löhr, Rengersweiler 
Holzinnentüren Ammann Gmbh, Göfis
Maler PG Maler GmbH, Höchst
Elektroinstallationen: EGD Installations GmbH, Dornbirn
 
Fotos
Gustav Willeit

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