Maximiert

architekturWERKSTATT
6. Dezember 2019
Foto: Bruno Moser

Die architekturWERKSTATT hat in Ellmau das unkonventionelle Hotel »Tirol Lodge« gestaltet. Architekt Bruno Moser erklärt das bemerkenswerte Konzept hinter der Anlage, die einen enorm hohen Vorfertigungsgrad aufweist.

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?

Das Hotel ist allein auf Übernachtung ausgerichtet. Es gibt kein Restaurant und erst recht keine Wellnessanlage im herkömmlichen Sinne. Das Frühstück kann beispielsweise in der Talstation der örtlichen Bergbahn oder sogar auf dem Berg gebucht werden. Die ortsansässige Gastronomie profitiert naturgemäß stark, weil die Hotelgäste die schon vorhandenen Restaurants ansteuern. Das ist im Sinne der Region.

Das Hotel entstand als reiner Holzbau in extrem kurzer Zeit. Produktion, Transport und Montage der Raummodule brachten vor allem auch logistische Herausforderungen mit sich.

Foto: Bruno Moser
Foto: Bruno Moser
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?

Wir haben das Hotel mit 340 Betten als städtebauliche Anlage aufgefasst. Die einzelnen Häuser nehmen den Maßstab der umliegenden Bauten auf. Es war uns wichtig, keinen großen Block entstehen zu lassen.

Wie bereits angedeutet, war der Vorfertigungsgrad sehr hoch; die Zimmer kamen bereits fix fertig, inklusive der Möbel. Wir haben uns für diese Vorgehensweise entschieden, um die Arbeiten auf der Baustelle und die Bauzeit zu minimieren.

Schließlich war uns wichtig, mit allen Oberflächen innen wie außen zu zeigen, dass es sich um einen reinen Holzbau handelt.

Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?

Vormals befand sich auf dem Grundstück ein Parkplatz. Für unser Projekt wurden also keine Flächen neu eingezont. Einen sparsamen Umgang mit Grund und Boden halten wir für einzig richtig – gerade auch im Alpenraum. Um den Verlust der Parkplätze zu kompensieren, haben wir eine zweigeschossige Tiefgarage realisiert. Weil es sich um ein Hanggrundstück handelt, haben beide Ebenen eigene Zufahrten und sind voneinander unabhängig organisiert. 

Der Sockel des Komplexes liegt auf demselben Höhenniveau wie die nahe Talstation der Bergbahn. Das ist gerade im Winter wichtig, weil die Gäste so eben und also deutlich bequemer zum Lift laufen können.

Foto: Bruno Moser
Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren Nutzer*innen den Entwurf beeinflusst?

Besonders geprägt hat die Bauherrschaft das Projekt mit ihrer Idee der Lodge: Alle Zimmer sollten bewusst nur über den Freibereich zu erreichen sein. Auch der übers ganze Jahr nutzbare Pool war ein Einfall unserer Auftraggeber.

Gab es bedeutende Projektänderungen vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk?

Das Lobbygebäude ist größer ausgefallen als ursprünglich gedacht. Es wurde um Personalzimmer ergänzt.

Wie gliedert sich das Gebäude in die Reihe der bestehenden Bauten des Büros ein?

Das Projekt ist die Weiterentwicklung eines Konzepthauses, das wir für die Firma Egger entwickelt haben. Wir loten schon seit längerem den maximalen Vorfertigungsgrad im Holzbau aus.

Foto: Bruno Moser
Foto: Bruno Moser
Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?

Nein! Modische Tendenzen und Strömungen interessieren uns bei unseren Gestaltungen nicht. Sie haben keinen Einfluss auf unsere Architektur, die wir aus Kontext und Material entwickeln. Und Themen wie Ökologie und Energieverbrauch beschäftigen uns seit geraumer Zeit. Wir handeln hier aus Überzeugung. Mit dem aktuellen politischen Diskurs hat das wenig zu tun.

Welches Produkt oder Material hat zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?

Holz! Wir haben OSB 4Top-Platten als Konstruktionsmaterial verwendet. Sie werden auch gezeigt und wurden lediglich deckend lasiert. Für Terrassen, Balkone und Fassaden kam unbehandeltes, sägeraues Lärchenholz zum Einsatz. Die Böden und Möbel hingegen bestehen aus einer geölten Variante. Wir sind der Meinung, dass dieser Materialmix ein homogenes, einheitliches Ambiente schafft.

Lageplan
Grundriss Erdgeschoss
Schnitt
Name des Bauwerks Tirol Lodge
Ort Weißachgraben 14a, 6352 Ellmau
Nutzung Hotel
Bauherrschaft Bergbahnen Ellmau-Going Touristik GmbH
Architektur architekturWERKSTATT, Breitenbach am Inn: Arch. DI. Bruno Moser, DI Manuel Wukowitsch
Fachplaner Generalunternehmer: Holzbau Saurer GesmbH & Co KG, Höfen
Bauleitung Holzbau Saurer GesmbH & Co KG
Jahr der Fertigstellung 2018
Maßgeblich beteiligte Unternehmer Holzbau Saurer GesmbH & Co KG
Fotos Bruno Moser

Andere Artikel in dieser Kategorie