Musikapparat

Pichler & Traupmann Architekten
29. Januar 2021
Foto: Toni Rappersberger

Pichler & Traupmann Architekten haben den Neubau des Future Art Lab (FAL) in Wien gestaltet. Christoph Pichler und Hannes Traupmann erklären, worin sie Inspiration für das Projekt gefunden haben und welche Herausforderungen ihr Team meistern musste.

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?


Es ging uns darum, eine Symbiose aus visueller und akustischer Sinnlichkeit zu schaffen. 

Der Neubau beherbergt die Institute für Elektroakustik und Komposition, Film und Fernsehen sowie Tasteninstrumente. Die Bedürfnisse dieser heterogenen Nutzergruppen angemessen zu berücksichtigen und das komplexe Raum- und Funktionsprogramm in eine architektonische Form zu gießen, war eine große Herausforderung.

Foto: Toni Rappersberger
Foto: Hertha Hurnaus
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?


Eine schöne Inspirationsquelle waren alte Transistorradios und Jukeboxes, wie man sie aus den 1950er- und 1960er-Jahren kennt. Die Apparat-Anmutung eines elektro-akustischen Geräts mit hartem Gehäuse und linearen Lautsprecheröffnungen hat uns von Anfang an fasziniert. Materialität und Farbe des Gebäudes orientieren sich an Musikinstrumenten.

Entstanden ist ein eingebetteter Solitär, der durchaus als Apparat, als Gerät für das Spiel, die Komposition und das Experiment von und mit Film und Musik verstanden werden kann.

Foto: Hertha Hurnaus
Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?


Mit dem Neubau des FAL wurde die Entwicklung dieses besonderen, für Wien einzigartigen und an angloamerikanische Vorbilder erinnernden Campus abgeschlossen. Aufgrund dieser Tatsache und wegen seiner Lage an einer markanten Stelle kommt unserem Haus eine besondere Bedeutung zu, die es erlaubte, den stimmigen Kanon der Bauten am Campus an dieser Stelle besonders zu akzentuieren.

Eine moderate Höhenentwicklung, die Einbindung in die volumetrische Entwicklung der Nachbarbauten sowie eine räumliche und funktionale Bezugnahme auf das zentral gelegene freie Feld, den »Campus« im wörtlichen Sinne, schien wichtig. Das Gebäude versteht sich daher als Pavillon mit einer zur Mitte der Universität gerichteten Geste der Öffnung, die zudem auf stadträumliche Bezüge zu reagieren vermag.

Foto: Toni Rappersberger
Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren Nutzer*innen den Entwurf beeinflusst?


Aufgrund der Komplexität des Gebäudes und der großen Heterogenität der Nutzergruppen wurde von Anfang an ein intensiver und kontinuierlicher Austausch zwischen allen Projektbeteiligten gepflegt. Die einzelnen Institute waren in sämtlichen Phasen eingebunden, viele ihrer Anregungen und Wünsche wurden im Bau berücksichtigt. Dadurch sind die Arbeitsabläufe im FAL effizienter geworden: Wege, etwa in der Anlieferung großer Instrumente, wurden optimiert, und es konnten die für eine bessere Übersichtlichkeit in Aufnahmesituationen wichtigen Sichtlinien berücksichtigt werden.

Foto: Hertha Hurnaus
Foto: Hertha Hurnaus
Wie gliedert sich das Gebäude in die Reihe der bestehenden Bauten des Büros ein?


Das FAL ist ein weiterer Meilenstein in unserer Arbeit, bei der sich immer stärker ein Schwerpunkt auf multifunktionale Gebäude sowie Bildungs- und Kulturbauten herausbildet. 

Foto: Hertha Hurnaus
Welches Produkt oder Material hat zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?


Der Einsatz besonders ausgefeilter und neuartiger Technik im Akustikbereich war sehr wichtig.

Für alle Räume und Säle mit sehr hohen akustischen Anforderungen war eine lückenlose Raum-in-Raum-Bauweise vorgesehen. Es wurde daher die raumbildende Tragstruktur in Stahlbeton vollkommen von der den Innenraum bildenden, ebenfalls massiven Struktur entkoppelt und mittels Masse-Feder-System gelagert. Um den höchsten Ansprüchen an den Schallschutz gerecht zu werden, sind darüber hinaus Pufferbereiche wie Flure und Zwischenräume umgesetzt worden.

Zwei wesentliche Konstruktionsprinzipien für die Raumakustik sind berücksichtigt worden: Diffusität und Raumdämpfung. Die erforderliche Diffusität wird über raumakustisch geeignete Wand- und Deckenverkleidungen hergestellt – wie zum Beispiel unterschiedliche geneigte Elemente. Hierdurch werden Schallfokussierungen aufgelöst – die Basis für gutes Hören.

Foto: Toni Rappersberger
Grundriss Erdgeschoss
Schnitt
Bauwerk
Future Art Lab der Universität für Musik und darstellende Kunst
 
Standort
Anton-von-Webern-Platz 1, 1030 Wien
 
Nutzung
Universitätsgebäude
 
Auftragsart
Generalplanung (EU-weiter Wettbewerb: 1. Platz)
 
Bauherrschaft
BIG Bundesimmobilien GmbH
 
Architektur
Pichler & Traupmann Architekten ZT GmbH, Wien
Projektleiter: Alexander Tauber
Team: Mohammad Ekhlasi, Christoph Degendorfer, Patrik Drechsler,Klemens Gabriel, David Guisado, Barbara Jarmaczki, Joachim Kess, Daniel Moral T., Jan Niklas Schöpf, Marvin Seifner, Milan Suchánek
Wettbewerb: Bartosz Lewandowski (Teamleiter), Luca Baumgartner, Christoph Degendorfer, Peter Grandits, Fabian Lorenz
 
Fachplaner 
Statik, GP interne Koordination, Projektleitung und Planungskoordination sowie Prüfingenieur: Fritsch Chiari und Partner ZT GmbH, Wien
Brandschutz: Norbert Rabl ZT GmbH, Graz
Haustechnik: GAWAPLAN Ges.m.b.H., Wien
Elektro- und Fördertechnik: Kubik Project GesmbH, Gießhübl
Raumakustik: Müller BBM GmbH, Planegg
Bauphysik: IC-Prause ZT GesmbH, Wien
Fassadenplanung: MDE – Metal Design Engineering GmbH, Vöcklabruck
Akustik und Schallschutz: Müller-BBM GmbH, Planegg
Studioplanung (inkl. ÖBA): WSDG-E AG, Basel, Schweiz
Bauleitung: Architekt Dipl. Ing. Erwin Stolz, Wien
 
Jahr der Fertigstellung
2020
 
Baukosten netto
EUR 21,5 Mio.
 
Gebäudevolumen
36 230 m3
 
Maßgeblich beteiligte Unternehmer 
Metallfassade, Fenster und Türen: Metallica Stahl- und Fassadentechnik GmbH, Wien 
Bauunternehmung: GRANIT Gesellschaft m.b.H., Graz
Dach: Peter Hartmann GesmbH, Wien
Türen, Akustik, Schallschutz Säle: POHA Pöchacker & Haidegger GmbH 
Türen: Holzbau Tratter GmbH, St. Kanzian 
Schlosser: Kovoreal – Holíč, Wien
Glaswände: Fuchs Glas Technik GmbH, St. Valentin 
Beschichtung: Harald Göls GmbH, Altenwörth 
Bodenleger: Fischer Parkett GmbH & Co KG, Wien 
Elektroinstallationen, Lichtplanung und Lichtausstattung: Klenk & Meder GmbH, St. Pölten
Sanitär, Heizung, Lüftung: Hübl Haustechnik GmbH, Graz 
Lifte: Kone AG, Wien 
Studioausbau: Hutter Acustix GmbH, Birkfeld 
Epoxidböden: AIB Aschenbrenner Industriefußboden GmbH, Himberg bei Wien
Möbel: Braun Lockenhaus GmbH, Hammerteich, und Neudörfler Office Systems GmbH, Neudörfl
Ausstattung Bibliothek, Terrasse, Bartische: Montana Furniture Austria 
Raumakustik Produkte: BuzziSpace 
Kinosessel: Lamm s.r.l. San Secondo, Parmense, Italien
Bühnenvorhang: Tüchler Bühnen- und Textiltechnik GmbH, Wien 
Sonnenschutz: LEHA Sonnenschutz & Vorhangschienen nach Maß, Aumühle
Akustikpaneele und Vorhänge: kvadrat, Wien
Tischler: Fürst Möbel GmbH, Golling / Erlauf
 
Fotos
Toni Rappersberger, Wien, und Hertha Hurnaus, Wien

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