RheinMain CongressCenter, RMCC

Neues Tagen in der Kurstadt

Ferdinand Heide Architekt BDA
16. Mai 2018
Bild: Thomas Ott / RMH
Das Kongresszentrum RMCC wurde Mitte April in Wiesbaden eingeweiht. Architekt Ferdinand Heide beantwortet unsere Fragen zum Projekt.
Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?
Mit dem Bau eines neuen Kongresszentrums mit moderner technischer Ausstattung galt es die alte, viel zu klein gewordene Rhein-Main-Halle zu ersetzen. In herausragender städtebaulicher Lage sollte mit einem prägnanten Neubau von beachtlicher Größe (60.000qm BGF) ein multifunktionaler Veranstaltungsort entwickelt werden. Es handelt sich um das Großprojekt im Zentrum der Stadt Wiesbaden – zwischen Bahnhof und Kurhaus –, das am Eingang des Boulevards Wilhelmstraße einen neuen Stadtraum formuliert.
Bild: Thomas Ott / RMH
Bild: Thomas Ott / RMH
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?
Die Leitidee des Entwurfs war die eines offenen, transparenten Gebäudes, das mit dem Stadtraum verwoben ist und ihn komplettiert.
Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?
Das neue Kongresszentrum ist einer der zentralen öffentlichen Orte der Stadt. Es wird in seiner Gestaltung und Einbindung in den Stadtraum den „großen Bauten“ und dem genius loci der Kurstadt gerecht und erlangt gleichzeitig durch eine signifikante Erscheinung eine charakteristische Identität: Umlaufende, hohe Kolonnaden, durch die das Gebäude mit seiner unmittelbaren Umgebung verzahnt ist, reagieren auf Kurhaus, Staatstheater und das Bowling Green. Das Prinzip des Hauses ist das einer Schichtung: Der angrenzende öffentliche Raum – sei es der Vorplatz oder der Park – findet eine Fortsetzung in den Kolonnaden, geht über in die Foyers und von dort in die Veranstaltungshallen. Um das große Kongresszentrum gut in das Stadtgefüge integrieren zu können, wird der Baukörper von einem öffentlichen Durchgang geteilt. Städtebaulich reagiert das Kongresszentrum dadurch auf seinen Standort an der Nahtstelle zwischen historischem Fünfeck und Villengebiet.
Bild: Thomas Ott / RMH
Bild: Thomas Ott / RMH
Wie hat sich das Projekt vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk verändert?
Der Entwurf konnte in seinen wesentlichen Aussagen so umgesetzt werden, wie wir es im Wettbewerb und der darauf folgenden Überarbeitung vorgesehen hatten. Das gilt für seine Gliederung und Organisation ebenso wie für seine städtebauliche Einbindung.
Im Planungsprozess erfolgten im wesentlichen Konkretisierungen und Anpassungen infolge haustechnischer und konstruktiver Erfordernisse. Zusammen mit allen Planungsbeteiligten wurde im Zuge der Planung ein in vielen Belangen optimiertes Ganzes entwickelt, das den drei großen Zielen – Funktionalität, Wirtschaftlichkeit und Termintreue – gerecht werden sollte. Nach zwei Jahren Planung und drei Jahren baulicher Umsetzung wurde das Gebäude im vergangenen Monat termin- und budgetgerecht übergeben.
Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren NutzerInnen den Entwurf beeinflusst?
Bauherrschaft und Nutzer haben den Wunsch nach einem individuellen Ausdruck des neuen Hauses unterstützt. Gleichzeitig wurde aber auch viel Wert darauf gelegt, dass weit mehr als die Standardanforderungen an die Funktionalität des Messe- und Kongressgebäudes erfüllt werden. Das gilt für die technische Ausstattung und Versorgung wie beispielweise die Anordnung und Bestückung von Spartenkanälen, von Hängepunkten oder von mobilen Trennwänden. Eine Besonderheit des Neubaus ist eine mobile Tribüne für 3000 Besucher in der Halle Nord, die zusammengefahren und in einer kleinen Garage im Saalrücken geparkt werden kann.
Unsere Vorschläge zur Materialität und Farbigkeit wurden vom Auftraggeber in allen Belangen mitgetragen. Der Wechsel von Transparenz, gegliederten, offenen und raumabschließenden Elementen verleiht dem sehr großen Baukörper seine Gliederung und Spannung. In der Fassade ergänzen sich Naturstein und Sichtbeton im Zusammenspiel mit den großflächigen Verglasungen: Die Natursteinverkleidung der Lisenen und Wände besteht aus einem Travertin, der eine kraftvolle Varianz in Farbigkeit und Struktur zeigt, und steht im Kontrast zu den Sichtbeton-Fertigteilen aus Weißbeton, die mit farblich angepassten Zuschlagstoffen veredelt sind.
Bild: Thomas Ott / RMH
Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?
Bei der Planung und Umsetzung des Neubaus und der Außenanlagen wurde auf Nachhaltigkeit, Ökologie und Energieeffizienz ein besonderes Augenmerk gelegt. Die Berücksichtigung dieser Kriterien findet in dem DGNB-Zertifizierungsiegel in Platin ihre Bestätigung. Besonders hervorzuheben ist der Einbau eines Abwasserwärmetauschers in einen angrenzenden städtischen Großkanal, der innovativ für die Beheizung des Gebäudes herangezogen wird. Planerisch war es uns sehr wichtig, dass alle Veranstaltungsräume sowie die Foyer- und Flurzonen über ein Maximum an Tageslicht und Außenraumbezug verfügen. Die Halle Nord ist natürlich belichtet. Eine Vielzahl von Oberlichthauben in deren Dachtragwerk lassen das Licht spannungsreich in den 5000 qm großen Raum fallen und unterstreichen dessen Anspruch nach Multifunktionalität.
Bild: Thomas Ott / RMH
Lageplan
Grundriss Erdgeschoss
Schnitte
RheinMain CongressCenter | RMCC
2018

Friedrich-Ebert-Allee 1
65185 Wiesbaden

Nutzung
Kongress-, Messe-, und Veranstaltungszentrum

Auftragsart
Wettbewerb, VOF

Bauherrschaft
Stadt Wiesbaden, vertreten durch TriWiCon – Eigenbetrieb für Messe, Kongress und Tourismus

Architektur
Ferdinand Heide Architekt BDA, Frankfurt
Projektleiter: Ferdinand Heide, Heinrich Großenbach
Team: Norman Bernd, Fred Schott, Vjekoslav Buha, Philipp Sontach, Frank Heinen, Tilman Recken, Marc Herbst, Dana Halilovic

Fachplaner
Tragwerksplaner: Planungsgemeinschaft Konstruktion 'Rhein Main Hallen', Mainz
Haustechnik: WBP - Winkels Behrens Pospich Ingenieure für Haustechnik GmbH, Münster
Elektroplanung: Steinigeweg Planungs GmbH und Co. KG, Darmstadt
Veranstaltungstechnik: theater projekte daberto + kollegen Planungsgesellschaft mbH, München
Landschaftsplanung: Adler & Olesch Mainz GmbH
Brandschutzplanung: IBC Ingenieurbau-Consult GmbH, Mainz
Lichtplanung: Day & Light, München

Bauleitung
Ferdinand Heide Architekt BDA
zusammen mit BGG Architekten + Ingenieure, Bad Homburg

Ausführende Firmen
Rohbau: Hochtief Infrastructure GmbH, Building Frankfurt, Essen
Metall-Glas-Fassade: NR Metallbau, Straelen
Natursteinfassade: Hofmann Naturstein, Werbach-Gamburg
Mobile Trennwände: Abopart mobilwände, Bad Zwischenahn
Tribüne , Bühnentechnik: Waagner-Biro GmbH, Weiherhammer
Schlosserarbeiten: Huhle Stahl- und Metallbau GmbH, Wiesbaden
Trockenbau, Putz-, Malerarbeiten: Bodewa GmbH, Mainz
Wandverkleidungen, Innentüren: Rienth GmbH & Co. KG, Winnenden
Einbaumöbel, WC-Trennwände: Oertel Möbelwerkstätten GmbH & Co.KG, Neumark
Natursteinbodenbeläge: m. Czapla Solutions, Nalbach/Saar
Dachdichtungsarbeiten: Rudolf Schweiger Flachdachbau Gmbh, Gräfelfing
Textile Bodenbeläge: Straehuber AG, Dorfen
Parkettarbeiten: KLK raumdesign GmbH, Wiesbaden
Niederspannungs-Installationen: ARGE Siltek-Electricity, Sofia, Bulgarien
Energieversorgung/ Infrastruktur: Schneider Electric GmbH, Ratingen
Medientechnik: Salzbrenner media GmbH, Buttenheim
Bühnenbeleuchtung: LSS GmbH, Altenburg
Sprinklertechnik: Systeex Brandschutzsysteme GmbH, Hanau

Hersteller
Metall-Glas-Fassade: Schüco
Trockenbaukonstruktionen: Knauf (Wände, Decken)
Rigips (Vorsatzschale)
Innentüren Holz: Joro
Rahmentüren Stahl: Hörmann
Mobile Trennwände: Abopart
Ladetore: Hodapp
Akustik-Verkleidungen: Akustik +
Abdunkelungsanlagen: Warema
Türoffenhaltungen: Dormakaba
Glasgeländer: Onlevel
Natürliche Rauchabzugsanlagen: Lamilux
Rauchschutzvorhänge: Jansen
Entrauchungsventilatoren: Trox-TLT

Bruttogeschossfläche
59.600 m²

Gesamtkosten
192.000.000 €

Auszeichnung
DGNB Zertifizierung in Platin

Fotos
Thomas Ott, Mühltal

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