Noble Faltung

GERNER GERNER PLUS
31. Mai 2019
Die Fassade des Hauses »Leopold« ist vielfach abgewinkelt. (Foto: Matthias Raiger)

GERNER GERNER PLUS haben heuer ein Wohn- und Geschäftshaus in der Wiener Pazmanitengasse fertiggestellt. Gerda Maria Gerner stellt sich unseren Fragen.

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?

Die traditionell aufwendig gestalteten Stuckfassaden der Gründerzeithäuser in der Nachbarschaft sollten bei diesem Projekt zeitgemäß interpretiert werden: Durch eine bewusst versetzte Grundstückstiefe wird nicht nur eine bestmögliche Nutzung inklusive Außenflächen für alle Bewohner*innen ermöglicht, sondern das Wohnhaus fügt sich mit seinen begrünten Loggien auch harmonisch in die gründerzeitliche Baulinie.

Eingang (Foto: Matthias Raiger)
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?

Ob Balkon, Loggia, Garten oder Dachterrasse, jede der 50 Wohneinheiten verfügt über eine eigene Freifläche und bietet den künftigen Bewohner*innen ein persönliches Stück Himmel. Die straßenseitigen Balkone, die durch ihre Knickung und differenzierte Gestaltung mit Glas- und Betonelementen eine lebendige Fassadenstruktur erzeugen, tragen zur Aufwertung der Gasse bei, deren Name auf eine ehemals hier befindliche Meierei der Pazmaniten zurückgeht.

Eingangszone (Foto: Matthias Raiger)
Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?

In Tradition des 2. Bezirkes, der bis heute eine außerordentliche Anzahl an gut erhaltenen Altbauten aufweist, die zur Jahrhundertwende errichtet wurden, stellt der Bau in der Pazmanitengasse 12 eine Neuinterpretation der typischen Merkmale des Wiener Gründerzeithauses dar. 

Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren Nutzer*innen den Entwurf beeinflusst? 

Besonderes Augenmerk wurde auf handwerkliche Qualität sowie den Einsatz hochwertiger Materialen gelegt. Von der Verwendung von Terrazzo Fliesen, die sich in sanftem Musterspiel vom Eingangsbereich bis in das Treppenhaus ziehen und auch die Außenfassade mit prägen, bis zu Handläufen aus gebürsteter Eiche, wurde auch in den Allgemeinflächen jedes Detail bedacht. Auch in der Ausstattung der Wohnungen zeigt sich diese Qualität: Alle 50 Einheiten, die individuell geschnitten sind und zwischen 52 und 117 Quadratmeter messen, verfügen über Vollholzböden, hochwertige Bäder mit Dusche und Badewanne, sowie Maßküchen. 

Im Treppenhaus (Foto: Matthias Raiger)
Gab es bedeutende Projektänderungen vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk?

Nein, denn von Anfang an war mit dem Auftraggeber, der Walter Projekt GmbH, klar, dass bei der Bauqualität keinerlei Abstriche beziehungsweise Kompromisse gemacht werden sollten. Unser Entwurf wurde angenommen und unverändert umgesetzt. Es gab keine Einschränkungen oder unvorhergesehene Änderungswünsche, und das Ergebnis spricht für sich.

Dachterrasse und Balkone (Foto: Matthias Raiger)
Wie gliedert sich das Gebäude in die Reihe der bestehenden Bauten des Büros ein?

Man muss sich jedem Projekt individuell nähern und viele Parameter mitdenken, etwa den Standort, die Nutzung, das Budget und vieles dergleichen mehr. Im Fall des Wohnbaus «Leopold» in der Pazmanitengasse konnten wir bereits auf einer sehr konstruktiven, positiven Basis mit dem Auftraggeber aufbauen, für dessen Firmenzentrale nahe Wien wir bereits einen Neubau planten und umsetzten. Sowohl in der Planungs- und Bauphase als auch seit der Fertigstellung im Jahr 2015 war das Feedback sehr positiv. So haben wir uns eine gute Ausgangsbasis erarbeitet und geniessen seither sein volles Vertrauen.

Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt? 

Großflächige Glas- und Fensterelemente in allen Bereichen des Hauses – von der Tiefgarage bis zum Treppenaufgang – ermöglichen lange Blicklinien und erzeugen so ein Gefühl von Leichtigkeit und Offenheit. 

Tiefgarage (Foto: Matthias Raiger)
Welches Produkt oder Material hat zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?

Die differenzierte Fassadengestaltung aus Glas- und Betonelementen sowie der einladend gestaltete Eingangsbereich mit Terrazzo Fliesen lassen bereits auf ein nobles und ungewöhnliches Innenleben des Wohnbaus schließen, bei dem, wie bereits erwähnt, ein besonderes Augenmerk auf die handwerkliche Qualität gelegt wurde.

Situationsplan
Grundriss Erdgeschoss
Grundriss 3. Obergeschoss
Schnitt
Nutzung Wohn- und Geschäftshaus
Ort Pazmanitengasse 12, Wien
Bauherrschaft Walter Projekt GmbH
Architektur GERNER GERNER PLUS: Daniel Ehrl, Zoltan Adorjani, Barbara Rezni, Edith Fuchs, Karol Fichtel, Matthias Nemestothy
Bauleitung Joachim Santi und Daniela Schreiber
Fachplaner Statik und Bauphysik: KS Ingenieure, Wien | HKLS- und Elektroplanung: Die Haustechniker, Wien (KS Ingenieure) | Brandschutz: brandRat ZT GesmbH, Wien
Maßgeblich beteiligte Unternehmen Baufirma: Strabag AG, Wien | HKLS: Friedrich Neidhart Ges. m. b. H., Loosdorf | Elektrotechnik: Elektro Schwarzmann GmbH, Wiener Neustadt | Betonbau: Enel Bau KG, Wien | Fertigteile: Mischek Systembau GmbH, Gerasdorf bei Wien | Trockenbau: DITI Trockenbau GmbH, Wien | Fenster: Gaulhofer Industrie Holding GmbH, Mäder | Zimmerer: Franz Hofer Holzbauwerk GmbH, Traiskirchen
Jahr der Fertigstellung 2019
Wohneinheiten 50
Fotos GERNER GERNER PLUS: Matthias Raiger

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