Rettende Architektur – das Zivilschutzzentrum Ritten

Roland Baldi
2. Juli 2021
Foto: Oskar Da Riz

Roland Baldi spricht über den Bau, den sein Team inmitten von Südtirols beeindruckender Bergwelt realisieren durfte.

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?


Der Aspekt, der uns vielleicht am meisten gefällt, ist die Nutzung dieses Gebäudes. Wir haben bereits andere Feuerwachen entworfen, aber diese hier ist etwas Besonderes: Sie ist die Zentrale diverser Zivilschutzorganisationen. Uns gefällt der Gedanke, dass wir unseren eigenen kleinen, bescheidenen Beitrag zur Sicherheit der Personen in unserer Umgebung geleistet haben und mit unserer Architektur helfen, dass die Menschen die im Zentrum arbeiten – oft auf freiwilliger Basis – eine starke Gemeinschaft bilden. Mit dem Neubau des Zivilschutzzentrums Ritten haben wir ein gemeinsames Zuhause für die Feuerwehr, den Bergrettungsdienst und das Weiße Kreuz gebaut, das kompetenzübergreifend die Voraussetzungen für reibungslose Einsätze schafft. 

Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?


Dank seiner Fassade aus rötlichem Stampfbeton, die an jene der berühmten Rittner Erdpyramiden angelehnt ist, passt sich das Zivilschutzzentrum perfekt der landschaftlich beeindruckenden Kulisse rundherum an.

Foto: Oskar Da Riz
Foto: Oskar Da Riz
Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?


Mit seiner kantigen, skulpturalen Form bildet unser Gebäude einen zeitgenössischen Kontrast zur ortstypischen Architektursprache, die ländlich geprägt ist. Der zweigeschossige Baukörper wurde in den natürlichen Geländeverlauf integriert und kommuniziert über den nach Norden orientierten Eingangsbereich mit der dort verlaufenden Hauptstraße und der dahinterliegenden Wohnbauzone. Der größte Teil des Volumens jedoch wurde in einem kompakten Baukörper unterhalb des Parkplatzes angeordnet. Dieses Untergeschoss dient gleichzeitig als Umfassungsmauer und Einfriedung des darüberliegenden Parkplatzes und der dahinterliegenden Garage.

Foto: Oskar Da Riz
Gab es bedeutende Projektänderungen vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk?


Während der Bauphase haben sich keine wesentlichen Änderungen ergeben. Wir bevorzugen es, Projekte mit Klarheit und Präzision anzugehen. Alle Materialien und Kosten werden von uns bereits in der Entwurfsphase genauestens definiert, um auf der Baustelle keine unangenehmen Überraschungen zu erleben, die leider oft auf Kosten der Kunden oder der Qualität des Gebäudes gehen.

Wie gliedert sich das Gebäude in die Reihe der bestehenden Bauten des Büros ein?


Wie viele andere unserer Gebäude wurde auch dieser Auftrag durch einen Architekturwettbewerb an Land gezogen. Durch unsere Art zu akquirieren – hauptsächlich über die Teilnahme an Wettbewerben – arbeiten wir großteils an öffentlichen Gebäuden. Das gefällt uns, es gibt uns Genugtuung. Wir sind überzeugt, dass der Architekturwettbewerb das demokratischste Mittel zur Vergabe von öffentlichen Planungsleistungen darstellt.

Foto: Oskar Da Riz
Welches Produkt oder Material hat zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?


Das dominierende Material bei diesem Projekt ist sicherlich der Beton. Dieser ist im Inneren als eingefärbter, monolithischer Werkstoff sichtbar. Allerdings nicht als hochpolierter, überzüchteter Sichtbeton, sondern als sauber ausgeführter, klassischer, industrieller Betonbau. An der Fassade ist der eingefärbte Stampfbeton dominant. Hinsichtlich der Materialität, der Körnung und des Farbtons haben wir uns dabei, wie ich schon gesagt habe, von den berühmten Rittner Erdpyramiden inspirieren lassen. Die Fassadengestaltung bezieht ihre Kraft aus dem einfachen Spiel zwischen der Materialität und Struktur der Gebäudehülle und den flächigen, transparenten Einschnitten der Fensterelemente. Die Verwendung von Stampfbeton verleiht der klaren Geometrie des Gebäudes eine belebte und vielschichtige Oberfläche und verweist inhaltlich auf das landschaftliche Umfeld. 

Foto: Oskar Da Riz
Lageplan
Grundriss Erdgeschoss
Schnitt
Bauwerk
Zivilschutzzentrum Ritten
 
Standort
Peter-Mayr-Straße, 39054 Klobenstein – Ritten, Südtirol
 
Nutzung
Zivilschutzzentrum für Freiwillige Feuerwehr, Weißes Kreuz und Bergrettung
 
Auftragsart
Planungswettbewerb
 
Bauherrschaft
Gemeinde Ritten
 
Architektur
Roland Baldi Architects, Bozen, Südtirol
Projektleitung: Arch. Roland Baldi
Mitarbeiter*innen: Arch. Harald Kofler, Arch. Carlo Scolari, Arch. Sila Giriftinoglu und Arch. Karin Kretschmer
 
Fachplaner
Statik: Ing. Andreas Erlacher, Bozen
HLS-Planung: Ing. jr. Reichhalter Jörg, Energy Project & Consulting, Bozen
Elektroplanung: Ing. Andreas von Lutz, Klausen, Südtirol
Akustische Beratung: Archacustica, Ritten, Südtirol
Sicherheitskoordination: Ing. Giovanni Carlini, Bozen
 
Bauleitung 
Roland Baldi Architects
 
Jahr der Fertigstellung
2020
 
Gesamtkosten 
EUR 4,0 Mio. (Netto-Baukosten ges.: EUR 3,7 Mio. und Einrichtung: 0,3 Mio.)
 
Gebäudevolumen 
10410 m3
 
Kubikmeterpreis 
355 EUR/m3
 
Energiestandard
KlimaHaus A
 
Maßgeblich beteiligte Unternehmer 
Erdarbeiten: Unterhofer GmbH, Klobenstein, Ritten
Baumeisterarbeiten: Ploner GmbH, Klobenstein, Ritten
Fassaden: Metall Ritten GmbH, Klobenstein, Ritten
Bodenbeläge: Hofer Fliesen & Böden GmbH, Barbian, Südtirol
Elektroanlage: Leitner Electro GmbH, Bruneck, Südtirol
 
Fotos 
Oskar Da Riz

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