Schlemmen und Architektur

BWM Architekten
22. Januar 2021
Foto: BWM Architekten / Severin Wurnig

Kaffee und Kuchen haben in Wien eine ganz besondere Bedeutung. Sie gehören fest zur Kultur der Hauptstadt. Und das gilt es auch mit gestalterischen Mitteln zu transportieren. Wie dem Büro BWM Architekten dies im Auftrag der Konditorei Oberlaa am Neuen Markt gelungen ist, erklärt uns Erich Bernard.

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?


Die beliebte Konditorei Oberlaa ist seit über vierzig Jahren eine Wiener Institution, ihr Standort am Neuen Markt 16 seit jeher erste Anlaufstelle für süße Köstlichkeiten. Das repräsentative Stadthaus erfuhr im Zuge eines groß angelegten Umbaus eine Erweiterung um ein ganzes Stockwerk und umfasst jetzt drei Geschosse. Zusätzlich wurde ein doppelstöckiger Wintergarten gebaut und das gesamte Interieur neu gestaltet. Wir durften den Entwurf der Innenräume übernehmen, während unsere Kolleg*innen von A2K Architekten für die Ausführungsplanung im Bereich Hochbau zuständige waren und Ecoplan die bauliche Umsetzung begleitete.

Foto: BWM Architekten / Severin Wurnig
Foto: BWM Architekten / Severin Wurnig
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?


Bereits 2018 haben wir für die Bauherrin ein neues Interior-Design-Konzept am Standort Mariahilfer Straße 1 umgesetzt. Am Neuen Markt sollte dieses konsequent weitergeführt und gleichzeitig mit der langen Tradition an diesem legendären Standort verknüpft werden. 

Beim Betreten des Lokals fällt der Blick zuerst auf die freistehende Theke zur Präsentation der Torten, Strudel und Patisserie, die mit einem korrespondierenden Luster akzentuiert wurde. Wie kleine Schmuckstücke werden die beliebten LaaKronen, Tartelettes, Florentiner und Eclairs in den Vitrinen präsentiert – neu über 3 Etagen. 

Die Backwaren haben uns mit ihren zarten Farben inspiriert: Die offenen, hellen Räume leuchten, ganz in Pastell gehalten, frisch und warm. Im Bereich der Stiege verdichtet sich die Farbe zu einem kräftigen Korallton.

Foto: BWM Architekten / Severin Wurnig
Foto: BWM Architekten / Severin Wurnig
Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?


Die Ecken des neuen zweigeschossigen Wintergartens mit knapp siebzig Quadratmetern wurden abgerundet – ein Motiv, das sich an historischen Häusern in unmittelbarer Umgebung öfter findet. So fügt sich der Anbau gut in den Umraum ein.

Wie gliedert sich dieser Entwurf in die Reihe der weiteren Projekte des Büros ein?


Wir können bereits auf viele erfolgreiche Hospitality- und Interior-Design-Projekte zurückblicken – etliche davon für berühmte österreichische Traditionsmarken wie den Süßwarenspezialisten Manner, das geschichtsträchtige Juweliergeschäft A.E.Köchert, das legendären Hotel Sacher oder jüngst das Wiener Traditionsgasthaus Figlmüller. 

Foto: BWM Architekten / Severin Wurnig
Foto: BWM Architekten / Severin Wurnig
Welches Material oder Produkt spielt eine bedeutende Rolle in diesem Projekt?


Bei der Gestaltung der Innenräume haben wir mit klassischen Materialien wie dunklem Eichenholz, Terrazzo und Steinzeug gearbeitet. Sie erzeugen eine hohe Aufenthaltsqualität. Tische mit Oberflächen aus Feinsteinzeug und weiße, facettierte Fliesen im Metrostyle unterstreichen den urbanen Charakter des Geschäftes. Tafelparkett, Messingelemente, Tapeten, Terrazzo und Leder-Sitzbänke liefern Anknüpfungspunkte an die Tradition des Wiener Interior Designs.

Die Treppe wurde im Zuge des Umbaus von der Außenwand ins Gebäudeinnere versetzt und führt nun von dort als geschwungenes Terrazzo-Band in die oberen Stockwerke. Im Auge des neuen Stiegenlaufs zieht sich ein auffälliger Luster ähnlich einer leuchtenden Muschelkette über alle drei Geschosse.

Wie Bänder einer edlen Konfektschachtel umspannen lackierte Leisten den Raum, »verpacken« die süßen Genüsse und ziehen sich als verbindendes Element über alle Stockwerke. Am Boden beginnend führen diese Stuckatur-Linien in unregelmäßigen Abständen längs wie quer über die Wände bis an die Decke. Eingebettet zwischen ihnen liegen rosé-getönte, facettierte Spiegel, die zusätzlich mit davor gehängten Wandleuchten akzentuiert sind. Gemütliche Sitznischen in den Fensterlaibungen – durch Tapeten mit Macaron-Motiv entsprechend betont – öffnen den Blick zur Straße.

Mit glänzenden Oberflächen an Decken und Wänden haben wir im Wintergarten den offenen Charakter des Hauses und die Leichtigkeit und Luftigkeit des Raumes verstärkt. Obgleich der Wintergarten naturgemäß einen starken Bezug zum Außenraum hat, erzeugen seine mit Tafelparkett ausgelegte Bereich für die Gäste eine intime und warme Atmosphäre.

Bauwerk
Konditorei Oberlaa Stadthaus
 
Standort
Neuer Markt 16, 1010 Wien
 
Nutzung
Konditorei mit Lokal
 
Aufgabe
Interior Design und Gestaltung der Konditorei Oberlaa im Stadthaus auf knapp 400 Quadratmetern und mit 220 Sitzplätzen inklusive Neubau eines Wintergartens
 
Architektur
BWM Architekten und Partner ZT GmbH, Wien
Erich Bernard, Ingrid Schmid, Michele Sabini und Nadja Cvrcek
 
Fachplaner 
Hochbau: A2K Architekten
Projektmanagement / ÖBA: Ecoplan Bauplanungen
Lichtplanung: Designbüro Christian Ploderer
Gastrotechnik: Schweitzer Ladenbau GmbH
 
Jahr der Fertigstellung
2020
 
Fotos
BWM Architekten / Severin Wurnig

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