Sensible Stärke

Marte.Marte Architekten
14. Juni 2019
Foto © Gohm Hiessberger Architekten

Die Stadt Feldkirch in Vorarlberg feierte 2018 ihr 800-jähriges Bestehen. Zu diesem Anlass haben Marte.Marte Architekten gemeinsam mit dem Büro Gohm Hiessberger das historische Palais Liechtenstein umgebaut. Bernhard Marte und Ulf Hiessberger stellen sich unseren Fragen.

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?

Das Palais Liechtenstein in Feldkirch ist ein historischer Bau. In seiner heutigen Form geht das Barock-Haus auf das Jahr 1701 zurück. Für eine Ausstellung über die Geschichte der Stadt sollte es umgestaltet werden. Unser Ziel war eine zurückhaltende Instandsetzung mit subtilen Anpassungen des Bestandes.

Die Schau selbst wird auf drei Geschossen gezeigt. Sie wurde zum 800. Geburtstag der Stadt unter der Federführung des Stadtbibliothekars Hans Gruber entwickelt. Es handelt sich nicht um eine chronologische Erzählung der Stadtgeschichte, vielmehr werden Schlaglichter auf bisher wenig beachtete Themen und Kapitel geworfen. Ziel der Kuratoren war ferner, auch den Stadtraum zur Ausstellungsfläche werden zu lassen und die Stadt umgekehrt ein Stück weit ins Palais zu holen. Dies galt es architektonisch zu moderieren und zu orchestrieren.

Foto © Faruk Pinjo
Foto © Faruk Pinjo
Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?

Wer Feldkirch besucht, soll schon von weitem auf das Haus aufmerksam werden. Zugleich sollte in der Altstadt jedoch keine über Gebühr lärmende Gestaltung platziert werden. Wir haben eine Aussichtsplattform entwickelt, die fast auf Giebelniveau in rund 20 Metern Höhe liegt. Sie zieht die Blicke auf das Palais Liechtenstein und lädt zum Besuch des Gebäudes und der Ausstellung ein.

Eine wesentliche Rolle spielte natürlich der wertvolle historische Bestand. Insbesondere verfügt das Palais über einen schönen Dachboden aus der Barockzeit. Uns war wichtig, diesen für die Besucher*innen erlebbar zu machen. Über ihn gelangt man jetzt auf die Aussichtsplattform.

Foto © Faruk Pinjo
Inwiefern haben die Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren Nutzer*innen den Entwurf beeinflusst?

Das Amt der Stadt hat unsere Pläne sehr unterstützt. Man hat dort den Entwurfsgedanken mitgetragen und uns bei der Umsetzung von Beginn an den Rücken gestärkt. Wesentliche Änderungen an der Gestaltung mussten nicht vorgenommen werden. Eine Herausforderung stellte unterdessen der enge Zeitplan dar: Nur wenige Monate standen für die Umsetzung zur Verfügung, damit die Schau im März 2018 pünktlich Vernissage feiern konnte. Hier haben wir sehr davon profitiert, gemeinsam am Projekt arbeiten zu können und die Workforce zweier Büros zu nutzen.

Foto © Faruk Pinjo
Foto © Faruk Pinjo
Welches Produkt oder Material hat zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?

Besonders wichtig war die Ausgestaltung und Materialisierung des Dachausstiegs zur Aussichtsplattform. Eine schmale Stiege führt über den Dachboden hinaus. Der neue Gebäudeteil besteht zu großen Teilen aus Holz.

Lageplan
Grundriss und Schnitt
Name des Bauwerks Palais Liechtenstein
Ort Schlossergasse 8, Feldkirch
Nutzung Museum und Bibliothek
Bauherrschaft Amt der Stadt
Architektur Marte.Marte Architekten, Gohm Hiessberger Architekten
Bauleitung Schatzmann + Ebenhoch, Feldkirch
Fachplaner Kuratoren der Ausstellung: Hans Gruber, Feldkirch und Rath & Winkler, Innsbruck | Grafik: Caldonazzi, Frastanz | Lichtplanung: Conceptlicht, Mils | Statik: Schatzmann + Ebenhoch, Feldkirch | Koordination: Lins Sabrina, Stadt Feldkirch
Maßgeblich beteiligte Unternehmen Fassadensanierung: Fetz Malerei GmbH, Alberschwende | Natursteinarbeiten: Joe Hehle Natursteine, Bregenz | Baumeister: Hilti & Jehle GmbH, Feldkirch | Zimmermann: LOT Holzbau KG, Feldkirch | Stahlbau: M+S Metalltechnik GmbH, Röthis 
Gesamtkosten BKP 1–9 EUR 1,51 Millionen
Gebäudekosten BKP 2–7 EUR 1,35 Millionen
Fotos Faruk Pinjo

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