Tageslichtdurchflutete Halle für alle

Snøhetta
3. Mai 2019
In Wattens wurde ein Neubau der Firma Swarovski fertiggestellt. Entworfen hat ihn Snøhetta. Bild: David Schreyer

Snøhetta hat eine neue Manufaktur auf dem Campus von Swarovski in Wattens gestaltet. Patrick Lüth, der Geschäftsführer des zuständigen Innsbrucker Studios des norwegischen Büros, stellt sich unseren Fragen.

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?

Wir haben mit der Swarovski Manufaktur eine neue Typologie geschaffen. Es ist keine Schaufabrik, sondern ein Ort, der neue Möglichkeiten für kreative Zusammenarbeit und «co-creation» eröffnet. Dort kommen unterschiedliche Akteur*innen unter einem Dach zusammen. In der Manufaktur treffen sich Swarovski-Mitarbeiter*innen – aus dem Bereich Marketing genauso wie aus dem Produktdesign, der Technik und solche, die die Maschinen bedienen. Ebenso kommen Kund*innen und Designer*innen in die Manufaktur. Und zum ersten Mal können sowohl viele Mitarbeiter*innen als auch langjährige Kund*innen den Prozess der Kristallerzeugung sehen, nachvollziehen und dann auch Rückschlüsse für ihre Arbeit ziehen. Auch Prototypen können dort in kürzester Zeit gefertigt werden.

Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?

Es ging in erster Linie um die Inszenierung von Tageslicht. Wir haben versucht zu verstehen, was Kristall so speziell und attraktiv macht. Kristall beginnt mit Licht zu leben. Und mit diesen ephemeren Qualitäten haben wir eine spezielle Atmosphäre in der gesamten Manufaktur geschaffen. Die Präsenz des Tageslichts ist der wichtigste ästhetische Aspekt des Gebäudes. Außerdem soll die Manufaktur ein Ort sein, der als Treffpunkt fungiert, an dem man sich wohlfühlt und der zufällige Begegnungen fördert.

Designerinnen bei der Arbeit. Bild: David Schreyer
Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?

Der Bauplatz zwischen bestehenden Fabrikgebäuden war vorgegeben und wir haben ihn bestmöglich genutzt. Aus diesen Gegebenheiten hat sich zum Beispiel das leicht verdrehte Raster der stützenfreien Deckenkonstruktion ergeben, die auch perspektivisch wirkt. Dadurch und durch die Berücksichtigung des Tageslichts für die Decke ergab sich ein prägendes Element für den neuen Ort. 

Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren Nutzer*innen den Entwurf beeinflusst?

Die gesamte Entwurfsphase wurde von intensiven Diskussionen zu den notwendigen Funktionen begleitet, um bestmöglich auf die Bedürfnisse des Auftraggebers und der späteren Nutzer*innen eingehen zu können.

Eine skulpturale Stiege schwingt sich ins 1. Obergeschoss. Sie dient auch als Treffpunkt. Bild: David Schreyer
Gab es bedeutende Projektänderungen vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk?

Architektonisch und räumlich hat sich seit dem ersten Entwurf wenig geändert. Die prägenden Elemente standen von Anfang an fest: die flexible Halle mit der markanten Deckenkonstruktion und dem Doppelboden für die technischen Anschlüsse etwa oder die hölzerne Treppe, die auch als Treffpunkt dient. Gemeinsam mit der Galerie, einer abgehängten Holzplattform in der ersten Etage, bildet letztere ein skulpturales Element. Das Raum- und Funktionsprogramm wurde parallel zum Entwurf weiterentwickelt und bis zum Ende im gegebenen Rahmen gemeinsam mit der Bauherrschaft und den Nutzer*innen modifiziert. Dies auch deswegen, weil sich viele Anforderungen an die Manufaktur, die als Ort für «co-creation» ja keine Vorbilder kennt, erst im Laufe eines intensiven Diskussionsprozesses ergeben haben.

Die Deckenkonstruktion prägt die Räumlichkeiten mit. Bild: David Schreyer
Wie gliedert sich das Gebäude in die Reihe der bestehenden Bauten des Büros ein?

Das Gebäude gibt spezifische architektonische Antworten auf den Kontext und die Rahmenbedingungen – insofern gliedert es sich nahtlos in eine Reihe von Projekten unseres Büros ein, da unsere Konzepte und Bauten immer aus dem jeweiligen Kontext entwickelt werden. Wir pflegen aber keinen wiedererkennbaren Stil und legen uns auf keine Formalismen fest.

Kundschaft beim Begutachten der Kreationen. Bild: David Schreyer
Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?

Das Gebäude erfüllt die Kriterien für den LEED Gold Standard (Leadership in Energy and Environmental Design).

Welches Produkt oder Material hat zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?

Zum Erfolg und zum Wohlbefinden sowohl der Beschäftigen als auch der Besucher*innen trägt die angenehme, helle und vom Tageslicht geprägte Atmosphäre bei. Die ausgewählten Materialien wie helles Birkenholz, weiße Wände oder die weiß lackierte Stahlkonstruktion der Decke unterstützen dies und muten freundlich an.

So sieht die neue Manufaktur von aussen aus. Bild: David Schreyer
Situationsplan. Bild: Snøhetta
Grundriss Erdgeschoss. Bild: Snøhetta
Grundriss 1. Obergeschoss. Bild: Snøhetta
Schnitte. Bild: Snøhetta
Nutzung Manufaktur
Ort Wattens
Bauherrschaft D. Swarovski KG
Architektur Snøhetta, Innsbruck
Innenarchitektur Snøhetta; Carla Rumler, Cultural Director Swarovski
Fachplaner Bauingenieur: Baumann + Obholzer, Innsbruck | Bauphysik: Spektrum, Dornbirn | Lichtgestaltung: Martin Klingler, Moosbach; Sally Story, London | Elektrotechnik: ATP Architekten Ingenieure, Innsbruck | Haustechnik: ATP Architekten Ingenieure, Innsbruck
Jahr der Fertigstellung 2018
Maßgeblich beteiligte Unternehmen Betonbau: Fröschl, Hall in Tirol | Stahlbau: Unger Stahlbau, Oberwart | Fassade und Dach: Starmann, Klagenfurt; Metallbau Platter, Zams | Tischler: Riedl, Pfaffing/Lehen, Deutschland; Barth Innenausbau, Brixen, Italien | Holzböden: Polzinger, Innsbruck | Glasarbeiten: Erlacher, Barbian, Italien | Decken: Gnigler, Innsbruck | Leuchtpaneele: Peru Lichtwerbung, Laufen, Deutschland | Metallarbeiten: Nocker Metallbau, Navis | Elektriker: Fiegl & Spielberger, Innsbruck
Fotos David Schreyer

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