Wohnen in der Werkstatt

Lukas Mayr Architekt
13. November 2020
Foto: Oliver Jaist

Lukas Mayr hat eine ehemalige Schlosserei im Dorfzentrum von Innichen in Südtirol zum Wohnhaus umgebaut. Wie er uns erzählt, waren die Eigentümer stark in das Vorhaben eingebunden und führten alle Schlossarbeiten selbst aus.

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?


Mitglieder der Eigentümerfamilie sind seit Generationen als Schlosser tätig. Seit den 1950er-Jahren waren ihre Werkstätten, Wohnungen und Büros am heutigen Bauplatz, der zentrumsnah in der Marktgemeinde Innichen (San Candido) liegt, untergebracht. Dabei war es immer so, dass sich die Arbeits- und Wohngebäude nach Bedarf vergrößerten, bis vor circa zehn Jahren eine neue Schlosserhalle ausserhalb des Dorfzentrums bezogen werden konnte. Die bestehende Halle wurde dadurch frei und konnte aufgrund eines Wiedergewinnungsplans einer Wohnnutzung zugeführt werden. Die Eigentümerfamilie wohnt nun in der umgenutzten Halle, die früheren Wohnungen werden sukzessive touristisch vermietet. In gewisser Weise sentimental sollte der Bezug zur Schlosserei sichtbar erhalten bleiben.

Foto: Oliver Jaist
Foto: Oliver Jaist
Foto: Oliver Jaist
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?


Das Raue, Handwerkliche, Metallische und auch das Unfertige haben uns inspiriert. Zudem bezieht sich unsere Gestaltung auf die Gebirgslandschaft rundherum und den Garten.

Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?


Die nahen Gipfel der Dolomiten (Haunold) werden durch sorgfältig inszenierte Ausblicke in den Innenraum geholt. Die Form des Gebäudes entspricht im Wesentlichen dem Bestand. Die unmittelbare Umgebung wird durch die metallische Fassade abstrakt reflektiert, die Farben der Jahreszeiten schimmern auf ihr. Im Winter liegt in der Gegend meist viel Schnee, das Gebäude erscheint dann weiß, die aufblühende Natur im Frühjahr hingegen lässt es grünlich wirken und der Herbst schließlich golden.

Foto: Oliver Jaist
Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren Nutzer*innen den Entwurf beeinflusst?


Das Projekt entstand im offenen Dialog mit der Bauherrschaft, alle sechs Familienmitglieder waren in die Projektentwicklung eingebunden. Eine Tochter des Hauses – sie ist Architekturstudentin – absolvierte ein Praktikum bei uns, während das Projekt ausgearbeitet wurde. Alle Schlosserarbeiten – die Fassade, Teile der Dachkonstruktion, aber auch die Küche – wurden von der Bauherrschaft ausgeführt.

Wie gliedert sich das Gebäude in die Reihe der bestehenden Bauten des Büros ein?


Es handelt sich um ein ausgesprochenes Low-Budget-Projekt. Das Schöne für uns war, dass in diesem Zusammenhang rohe und einfache Materialien zugelassen wurden.

Foto: Oliver Jaist
Foto: Oliver Jaist
Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?


Selbstverständlich handelt es sich um ein Niedrigenergiehaus, die Dämmung besteht aus Holzfasern. Als Büro versuchen wir grundsätzlich, jedes Projekt neu zu denken und uns nicht Moden zu unterwerfen.

Welches Produkt oder Material hat zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?


Die mit verzinkten Stahlblechen ausgeführte Fassadenverkleidung, die mit den Jahren matter wird – und immer schöner!

Lageplan
Grundriss Kellergeschoss
Grundriss Erdgeschoss
Grundriss Obergeschoss
Bauwerk
Alte Schlosserei
 
Standort
Draustraße 8, 39038 Innichen, Südtirol, Italien
 
Nutzung
Wohnen
 
Auftragsart
Direktauftrag
 
Bauherrschaft
privat
 
Architektur
Lukas Mayr Architekt, Percha und Innsbruck
Projektleiter: Lukas Mayr 
Mitarbeiter*innen: Anna Schäfer, Julian Mahlknecht
 
Fachplaner
Ralf Pellegrini, Baukanzlei, Bruneck
 
Jahr der Fertigstellung
2020
 
Fotos
Oliver Jaist

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