Die vergänglichen Orte

Katinka Corts
13. September 2017
Rom Hoop Markt in Thailand (Bild: Soranart Sinuraibhan)

Wie dauerhaft müssen wir planen, bauen, arbeiten und leben, wenn manches auch ephemer geht? Flexible bauliche Strukturen finden sich weltweit – ob beim Oktoberfest in München oder dem Burning Man Festival in Nevada. Die Ausstellung «Does Permanence matter?» in der Pinakothek der Moderne befasst sich mit ganz vergänglicher Stadtplanung.

Die gezeigten Fallbeispiele stellen eine Vielfalt an zeitlich befristeten Siedlungssituationen an verschiedenen Orten und mit unterschiedlicher Nutzung vor. Ein Bereich ist den interdisziplinären Forschungen gewidmet, die das South Asia Institute der Harvard University zum Thema «Kumbh Mela: The Ephemeral Mega-City» durchführte. 2013 beobachtete ein Team diese größte Pilgerfahrt der Welt in Indien, angefangen von den Vorbereitungen bis hin zum tatsächlichen Fest. Die Forscher dokumentierten dabei auch die Prototypen für flexible Stadtplanung und unterstützten die Organisatoren bei Umweltschutzfragen.

Die Ausstellung basiert auf einer langfristig angelegten Studie von Rahul Mehrotra (Harvard Graduate School of Design) und Felipe Vera (Centro de Ecología, Paisaje y Urbanismo in Santiago de Chile). Im Fokus dieser Forschungen zu ephemeren Städten steht die systematische Analyse Hunderter Beispielsiedlungen, die jeweils nur temporär bestehen. Sie dienen einer Vielzahl an Funktionen und Zwecken: religiöse, ökonomische, soziale, politische Anlässe können diese ephemeren Bauten hervorbringen. Während das Ephemere in Architektur und Städtebau oft als weniger bedeutend angesehen wurde, bezieht die Ausstellung eine gegenteilige Position: Mit den gezeigten Beispiele hinterfragen Mehrotra und Vera die Vorstellung von Dauerhaftigkeit als grundlegende Bedingung für Städte und gesellen das Vergängliche als ein zusätzliches Element dazu.

Begleitend zur Ausstellung erscheint ein vom Architekturmuseum herausgegebenes Magazin, das neben den in der Ausstellung vorgestellten Beispielen Beiträge von Saskia Sassen, Richard Sennett und Arjun Appadurai enthält sowie ein Interview mit Mahmoud Bodo Rasch.

Vortrag zur Ausstellungseröffnung
«Does Permanence Matter? Ephemeral Urbanism​»
mit Prof. Rahul Mehrotra (GSD-Harvard) und Felipe Vera (UAI Design Lab, Chile) 
 
Mittwoch, 13.9.2017
18 Uhr Pinakothek der Moderne, Ernst von Siemens Auditorium

Oktoberfest München
Burning Man Festival, Nevada

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