Es lebe der Sport – vor allem aber die Architektur

Ulf Meyer
11. Juni 2021
In der Tanzschule der italienischen Stadt Reggiolo, die von Mario Cucinella entworfen wurde. (Foto: Bellipario Geraldina)

In reichlich vier Wochen eröffnet im Haus der Architektur (HDA) in Graz die Ausstellung »Bauten für Bewegung – Architekturen für den Sport«. Auch wer Sport nicht zu seinen liebsten Beschäftigungen zählt, kommt (architektonisch) auf seine Kosten.

2021 ist das »Jahr des Sports« in Graz, und im fernen Tokio stehen die Olympischen Sommerspiele vor der Tür. Aus diesem Anlass zeigt das Haus der Architektur (HDA) in Graz eine Ausstellung über herausragende Bauten für den Sport in Mittel- und Westeuropa aus den letzten 20 Jahre. Die architektonisch interessanten, aber bisweilen auch umstrittenen Bauten für die Spiele in Japan betrachtet sie indes nicht. Die Vernissage ist in etwas mehr als vier Wochen, am 14. Juli 2021.

Das Fußballstadion der Forest Green Rovers in Stroud, Großbritannien, von Zaha Hadid Architects (Visualisierung: MIR)
CopenHill in Kopenhagen von BIG (Foto: Rasmus Hjortshoj)

Das Spektrum der ausgestellten Architektur-Beispiele reicht von neuen und bekannten Gebäuden wie der Skisportanlage CopenHill in Kopenhagen von BIG (2019) bis zu kleineren Sportstätten von lokaler Bedeutung.

Ein Fußballstadion der neuen Art ist der Neubau für die Forest Green Rovers im britischen Stroud. Zaha Hadid Architects haben 2016 den Wettbewerb für den Neubau eines Stadions aus Holz gewonnen. Der englische Viertligist wurde 2018 von der UNO als »erster klimaneutraler Fußballclub der Welt« ausgezeichnet. Das Dach des aktuellen Stadions ist mit Solarpaneelen ausgestattet, und während der Spiele werden veganes Bier und vegane Burger verkauft. Trikots und Schienbeinschoner der Spieler sind aus Bambus gefertigt. Rund 5000 Zuschauer*innen werden im Neubau in Gloucestershire dereinst Platz finden.

Die Anlage StreetMekka im dänischen Viborg von EFFEKT (Foto: Rasmus Hjortshoj)

Zu den besagten kleineren, aber architektonisch sehr interessanten Sportstätten von örtlicher Bedeutung gehören das Straßensportzentrum StreetMekka in Viborg in Dänemark von EFFEKT, die Turnhalle im oberbayerischen Haiming von Almannai Fischer aus München und die Dreifachsporthalle der Kantonsschule Wettingen im Kanton Aargau, entworfen von :mlzd Architekten. Mit der Einrichtung der Schule im Jahr 1979 im baugeschichtlich bedeutsamen Zisterzienserkloster Wettingen wurde auf der Allmend die Sport- und Schwimmhalle der Schule unterirdisch um einen Tiefhof herum gebaut, über den die Turnhallen mit Tageslicht versorgt wurden. Die Erweiterung (2018) folgt einer linearen Promenade, die Alt- und Neubau verbindet. Alle Hauptnutzungen sind an dieser Erschließung angelagert oder zumindest von dort einsehbar. Ein Fensterband begleitet den Weg. Durch das Zusammenführen von Belichtungszone und Zuschauergalerie kommt es an keiner Stelle zu unangenehmem Gegenlicht. Umgekehrt fällt beim Blick aus der Halle eine Reliefwand des Künstlerduos Lang/Baumann ins Auge, die mit der Metapher des Felsens spielt, auf dem das Kloster thront und in den die Sporthalle gemeißelt wurde. 

Dreifachsporthalle der Kantonsschule Wettingen in der Schweiz von :mlzd Architekten (Foto: Ariel Huber)
Die ikonische Turnhalle im bayerischen Haiming von Almannai Fischer (Foto: Sebastian Schels)

Das Besondere an der Vereinssporthalle des SV Haiming sei die »Kombination von Zurückhaltung und Unterordnung«, sagen Architekten. Ein »Spiel mit der Banalität« war ihr wesentlicher Entwurfsgedanke. Die Halle »scheint aus dem Katalog der Holzbau- und Fertigteilwerke zu stammen«, sagen Reem Almannai und Florian Fischer mit einem Augenzwinkern. Pfosten, Riegel und Diagonalen haben sie wie große Wandgrafiken eingesetzt. Unklar ist – wenigstens auf den ersten Blick – was hier tragende Elemente sind und was nur ein Bild. Dieses Spiel macht die Gestaltung mit aus.

Mario Cucinellas Tanzschule in Reggiolo in der italienischen Provinz Reggio Emilia ersetzt einen während eines Erdbebens im Jahr 2012 zerstörten Vorgängerbau. Der neue Saal ist von Weidenkörben inspiriert. Der rechteckige Tanzsaal wurde aus Tannenholz gebaut und ist auf der Ost- und der Westseite großzügig verglast. Im Verbindungskörper zwischen Saal und Umkleiden sind der Eingang, ein Wartesaal und ein Büro eingefügt. Die Fassade besteht aus einem gebogenen Schirm, der zwei Patios begrenzt, die vom Tanzsaal aus zu sehen sind. 

Das umstrittene Zitat »mens sana in corpore sano« (»ein gesunder Geist lebt in einem gesunden Körper«) aus dem 2. Jahrhundert gilt nach Aussage der Grazer Kuratoren auch für »Baukörper«, deren Qualität auf Psyche und Physis ihres Umfeldes wirke. Eine gewagte These. Die Ausstellung, die nächsten Monat eröffnet wird, lädt dennoch zu einer interessanten und ein wenig disparaten Entdeckungsreise durch die zeitgenössische Architektur von Sportstätten ein – auch Unsportliche mit klarem Geist.

Die Vernissage der Ausstellung findet am 14. Juli um 19 Uhr statt. Die Schau bleibt bis 10. Oktober dieses Jahres geöffnet. Sie ist dienstags bis sonntags jeweils von 10 bis 18 Uhr im HDA (Mariahilfer Straße 2, Graz) zu sehen. 
 
Führungen werden samstags um 15 und sonntags um 11 Uhr angeboten. Über alle Veranstaltungen im Rahmenprogramm informiert das HDA auf seiner Website.

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