Fröhlich gestapelt

Elias Baumgarten
8. November 2019
Foto: Neoplus Sixten Inc.

Im Quartier Yodogawa-ku in Osaka haben die japanischen Büros A Nomad Sub und nanometer architecture eine Einrichtung für Menschen mit Behinderung gestaltet. Architektonisch weckt das Haus Erinnerungen an die niederländische Avantgarde der 1990er- und 2000er-Jahre.

Alles begann mit einem Gebäude, das den Verantwortlichen der japanischen Sozialhilfegesellschaft Kansai Chuo in Kamiyama-cho in der Präfektur Tokushima aufgefallen war. Nachdem sie es besichtigt hatten, waren sie hellauf begeistert. Sie sprachen Kosuke Bando an, der als Architekt an dem Projekt mitgearbeitet hatte, und baten um eine ähnliche Gestaltung für ein Haus für Menschen mit Handicap in Osaka. Gemeinsam entwarfen A Nomad Sub und nanometer architecture daraufhin einen fünfstöckigen Bau mit charakteristischer Fassade. Die Stahlkonstruktion heißt »PALETTE«.

Visualisierung: A Nomad Sub und nanometer architecture

Im Erdgeschoss befinden sich ein Café, Galerie- und Verkaufsräume sowie ein Büro. Im ersten Obergeschoss gibt es neben einem Ruheraum eine Küche, in der allerhand Süßigkeiten und Kuchen entstehen, die unten verkauft werden. Zudem befinden sich dort – wie auch in den Geschossen darüber – diverse Werkstatträume. So gibt es im Haus eine Töpferei und Möglichkeiten zum Malen, für Sieb- und Buchdruck. Auch Nähmaschinen, ein präziser Laser und sogar ein 3D-Drucker sind vorhanden. Ganz zuoberst schließlich befindet sich eine einladende Dachterrasse mit Rasenflächen und Gärtchen.

Foto: Neoplus Sixten Inc.
Foto: Neoplus Sixten Inc.
Ein Hauch von Superdutch

Von der Straße ist das Gebäude leicht zurückversetzt, um Platz zu schaffen für das Ein- und Ausladen von Material und zum Ein- und Aussteigen der Menschen, die in der »PALETTE« arbeiten. Als auffälligstes Gestaltungselement bemühen die Architekten an der Fassade das Bild des Giebeldaches. Diese Formensprache setzt sich im Inneren fort, das Motiv wird bei den abgehängten Decken wiederholt. Diese bestehen aus einer Gitterkonstruktion, hinter der die Haustechnik sichtbar bleibt. Das Haus wirkt mit seiner Fassade wie gestapelt. Die Architekten sprechen – wohl aufgrund des Materialmix’ – auch von einem bewusst gestalteten »Flickenteppich«. Das Gebäude weckt sanft Erinnerungen an die niederländische Avantgarde der späten 1990er- und 2000er-Jahre und strahlt Unbeschwertheit aus.

Foto: Neoplus Sixten Inc.
Foto: Neoplus Sixten Inc.
Foto: Neoplus Sixten Inc.
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Grundrisse und Schnitt
Ansichten

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