Räumliches Wechselspiel

Ulf Meyer
26. März 2021
Foto: Lukas Schaller

Mit dem neuen Internat der HBLA Klagenfurt hat das Tiroler Büro klingan\konzett architektur einen modernen Holzbau entworfen. Die Gestaltung trägt zur Sensibilisierung der Schüler*innen für Natur und Ressourcen bei.

Die Höhere Bundeslehranstalt für Landwirtschaft und Ernährung (HBLA) im Schloss Pitzelstätten ist ein markanter Punkt in der Landschaft um Klagenfurt. Bei dem historischen Bauwerk handelt es sich um eine im 16. Jahrhundert umgebaute Burg im Stadtteil Wölfnitz. 1950 wurde die Anlage von der Republik gekauft. Seither wird sie als Ausbildungsstätte genutzt. 

Foto: Lukas Schaller
Foto: Lukas Schaller

Über die Jahre stieß die Anlage, ein Gefüge aus Bauten unterschiedlicher Entstehungszeit, an ihre Kapazitätsgrenzen. Außerdem wurde eine Sanierung fällig. 2016 wurde darum ein Wettbewerb um die Gestaltung einer Erweiterung des Schülerheims ausgelobt, den das Innsbrucker Büro klingan\konzett architektur gewann. 2019 wurde dessen Projekt schließlich fertig. Es bietet Platz für 220 Bewohner*innen. Auch mehrere Sonderräume sind in dem Neubau untergebracht. Das zweigeschossige Objekt wurde mit dem Südtrakt im ersten und zweiten Obergeschoss verbunden. So entstand ein geschlossener, barrierefreier Hofbau. 

Räumliche Qualitäten

Der Holzbau, der auch über eine hölzerner Bodenplatte verfügt, ruht auf etlichen Pfeilern. Der Rhythmus dieser zweireihigen Stahlbetonpfeiler wurde von der Statik und dem Zuschnitt der Innenräume vorgegeben. In sie sind Versorgungsleitungen integriert, die in der Erde zusammengeführt werden. An der Südspitze treffen die Pilotis zusammen, das Gebäude hebt sich vom Boden ab. Durch diesen Kniff sind auch von außerhalb Blicke in den Hof möglich.

Foto: Lukas Schaller
Foto: Lukas Schaller

Der Weg zum Eingang führt am Schloss vorbei über einen breiten Steg zum Foyer. Man schwankt zwischen dem Blick ins Gebäude und jenem auf die Hügellandschaft rundherum. Betritt man den Innenhof, ist dieser unmittelbar zu überblicken und der Zusammenschluss der Ebenen lässt sich erkennen. 

Die Innenräume ziehen besondere Kraft aus den Blickbezügen zum Außenraum. Es entsteht ein schönes Wechselspiel zwischen innen und außen. Ein umlaufender Gang mit Glasfassade zum Innenhof dient als Kommunikationszone. Eine große Freitreppe führt von dort hinab in den Hof. Je nach Standort ergeben sich unterschiedliche, stets reizvolle Perspektiven. 

Foto: Lukas Schaller
Modularer Aufbau

Der Holzmassivbau hat zur Aussteifung Decken und tragende Seitenbauteile aus Brettsperrholzplatten. Die Holzstruktur wurde sichtbar belassen, was den Innenräumen atmosphärisch sehr zugute kommt. Dafür war eine besonders durchdachte Planung bezüglich der Bauphysik, der Akustik und des Brandschutzes erforderlich. 

Das Gebäude ist aus 26 Modulen zusammengesetzt. Jedes besteht aus zwei Zweibettzimmern, einem Vorraum, einem kleinen sowie einem großen Badezimmer und einem WC. Die Zimmer mit Böden aus Eschenholz wurden mit einem Bord entlang der Fenster ausgestattet. An der Rückwand wurden jeweils Schränke eingebaut, und die Betten sind durch Regale getrennt. Farbig lackierte Eingangstüren und halbtransparente Glaselemente trennen den Gang von den Zimmern. 

Foto: Lukas Schaller
Lehrstück

Interessant ist neben den ästhetisch-räumlichen Qualitäten ferner auch der Umgang mit Ressourcen: Die WCs werden über einen hauseigenen Brunnen mit Brauchwasser versorgt, Wärme wird aus Biomasse direkt am Schulstandort erzeugt. Photovoltaikanlagen an der Fassade und auf dem Dach des Bestandsgebäudes liefern Strom. Der Neubau der HBLA trägt mit seiner Architektur also zur Sensibilisierung der Schüler*innen für Natur und Ressourcen bei.

Lageplan
Grundriss Ebene 1
Grundriss Eingangsebene

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