Schenker Salvi Weber gestalten KinderKunstLabor in St. Pölten

Elias Baumgarten
9. April 2021
Modellfoto © Schenker Salvi Weber

Mit einem schönen, räumlich reichen Holzbau und einer klugen städtebaulichen Setzung haben die Architekten die Jury überzeugt und den EU-weiten, offenen Realisierungswettbewerb gewonnen.

Zwar hat es für St. Pöltens Bewerbung um den Titel der europäischen Kulturhauptstadt des Jahres 2024 am Ende nicht ganz gereicht, dennoch wird weiter an der Attraktivität der Landeshauptstadt von Niederösterreich gearbeitet. Ein Mittel der Wahl ist dabei gutes Bauen: Im Altoona-Park soll ein KinderKunstLabor entstehen. Kinder bis 12 Jahren werden dort dereinst auf zeitgenössische Künstler*innen treffen.

Modellfoto © Schenker Salvi Weber
Modellfoto © Schenker Salvi Weber
Überzeugende Komplexität

Den Architekturwettbewerb um die Gestaltung des Baus hat das Team von Schenker Salvi Weber gegen 42 starke Konkurrenten gewonnen. Die Wiener haben ein räumlich einfallsreiches Gebäude mit interessanten Schnittfiguren und Grundrissen entworfen. Modell und Pläne versprechen ein offenes, einladendes Haus. Der Holzbau mit einem näherungsweise dreieckigen und vergleichsweise kleinen Fußabdruck verfügt über mehrere Raumschichten und etliche mehrgeschossige Räume. Treppen und Räumlichkeiten für den Austausch mit den Künstler*innen und zum Spielen sind um die Ausstellungsräume gewickelt. Im Erdgeschoss befinden sich ein Indoorspielplatz, eine Kinderbibliothek und ein Café. Runde Ausschnitte verknüpfen die Ebenen zusätzlich. Durch die Raumaufteilung im Inneren und die Fassadengestaltung, die an andere Projekte des Büros wie den Wettbewerbsbeitrag für die Erweiterung der Universität für Bodenkultur (BOKU) in Wien (2017) erinnert, entstehen spannende Blickbezüge zwischen innen und außen. 

Besonders gut gelöst ist auch die Platzierung des Gebäudes im Stadtkontext: Nach intensiven Diskussionen und einem umsichtigen Abwägen des Für und Widers haben die Architekten entschieden, den Baukörper an den nordwestlichen Rand des Planungsgebietes zu setzen. So können die alten Bäume im Altoona-Park erhalten bleiben und die Kreuzung von Johann-Gasser-Straße und Wiener Straße wird aufgewertet; außerdem entsteht eine gewisse Abschirmung des Parks zu den zuweilen stark frequentierten Verkehrsflächen rundherum. Dessen künftige Nutzung wird übrigens gemeinsam mit dem Wiener Landschaftsarchitekturbüro Bauchplan ).( weiter ausgearbeitet. So soll zum Beispiel ein Spielplatz entstehen.

Michael Salvi erklärt den Entwurf seines Büros.

Das Projekt wird aktuell weiter ausgefeilt und soll bis 2024 realisiert werden. Das Budget beläuft sich auf EUR 12 Millionen. Platz zwei im Wettbewerb ging derweil an Franz&Sue, den dritten Rang vergab die Jury unter dem Vorsitz von Bernhard Marte an das Berliner Büro rundzwei Architekten

Zwischen Vorfreude und Zorn

Erwähnt sei schließlich, dass nicht alle Menschen vor Ort über den Bau der Kultureinrichtung glücklich sind. Schon vor Bekanntgabe der Wettbewerbsergebnisse hat eine Bürgerinitiative rund 1700 Unterschriften gesammelt. Damit wollten die Aktivisten den Bau des KinderKunstLabors im Park verhindern. Sie beklagen die Bebauung der wertvollen Grünfläche und fürchten außerdem, dass der Park künftig nicht mehr für alle Menschen attraktiv sein könnte. Letztlich wird die Zeit zeigen, ob auch die Gegner sich mit der jetzt gefundenen Lösung am Ende anfreunden können. Die Vorraussetzungen wären mit dem punktuellen und architektonisch ansprechenden Eingriff, der den Baumbestand schont, gegeben – noch aber zeigt sich die Bürgerplattform Pro St. Pölten unversöhnlich und fordert ein Überdenken der Pläne.

Lageplan
Grundriss Erdgeschoss
Grundriss 1. Obergeschoss
Grundriss 2. Obergeschoss
Grundriss 3. Obergeschoss
Schnitt A
Schnitt B

Andere Artikel in dieser Kategorie