Wenn die Stadt rot erstrahlt

Katinka Corts
23. Juni 2020
Förderturm Zeche Zollverein, Essen (Foto: LK Aktiengesellschaft)

Seit Mitte März macht die Veranstaltungswirtschaft quasi keinen Umsatz mehr. Alle Unternehmensbereiche, darunter Messen, Bühnenbau oder Konzertveranstalter, sind akut in ihrer Existenz bedroht. Tausende Lichtinstallationen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und weiteren Ländern sollen in diesen Nächten die Öffentlichkeit darauf aufmerksam machen.

First In, Last Out – die Veranstaltungswirtschaft war der erste Wirtschaftszweig, der von der COVID-19-Krise getroffen wurde und er wird mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit am längsten und tiefgreifendsten von den Auswirkungen betroffen sein. Faktisch alle Unternehmen aus den Bereichen Veranstaltungstechnik, Catering, Bühnenbau, Messe sowie Konzertveranstalter, Künstler*innen und Einzelunternehmer haben durch die in Deutschland ab 10. März geltenden Veranstaltungsverbote innerhalb weniger Werktage ihre gesamten Auftragsbestände verloren.

Mit der Night of Light soll gezielt die Aufmerksamkeit auf genau diese Branche gelenkt werden, denn: Selbst wenn nach Beendigung der Krise eine hohe Nachfrage einsetzen würde, kann der erlittene Verlust nicht mehr kompensiert werden. Die Veranstaltungswirtschaft ist einer der größten Sektoren der deutschen Wirtschaft, zählt rund 1 Million direkte Beschäftigte und erwirtschaftet einen jährlicher Umsatz von rund 130,0 Mrd. Euro.  Rechnet man die Kultur- und Kreativwirtschaft mit ihren veranstaltungsbezogenen Teil- und Zuliefermärkten hinzu, so beschäftigen mehr als dreihunderttausend Unternehmen in über 150 Disziplinen mehr als 3 Millionen Menschen und erzielen einen Jahresumsatz von über 200 Mrd. Euro.

Für den Initiator der Aktion »Night of Light« und Vorstand der LK-AG Essen, Tom Koperek, steht die gesamte Veranstaltungswirtschaft auf der Roten Liste der aussterbenden Branchen: »Die nächsten 100 Tage übersteht die Veranstaltungswirtschaft nicht! Die aktuellen Auflagen und Restriktionen machen die wirtschaftliche Durchführung von Veranstaltungen quasi unmöglich.« Die Branche vereint über 150 verschiedene Gewerke und Spezialdisziplinen und verfügt deshalb über keine einheitliche Lobby. Umso wichtiger sei es, so Koperek, für eine stärkere Wahrnehmung durch die Politik und Öffentlichkeit zu sorgen. Dies ist ebenfalls das Ziel der »Initiative für die Veranstaltungswirtschaft«, die bereits am 06. März 2020 durch die Initiatorin Sandra Beckmann ins Leben gerufen wurde (Film siehe unten). Für die Night of Light besteht daher eine Kooperation zur Durchführung dieser deutschlandweiten Aktion.

Fernsehturm Berlin und Rotes Rathaus (Foto: LK Aktiengesellschaft)

Durch das vorläufige Verbot von Großveranstaltungen bis 31.08.2020 und einen danach noch folgenden Vorlauf zur Planung von Veranstaltungen gibt es einen 80 – 100 % Umsatzausfall über einen Zeitraum von mindestens acht Monaten. Daraus resultiert eine akute Insolvenzgefahr für die gesamte Branche. Es ist wichtig, auch die Öffentlichkeit auf die besonders hart getroffene Branche der Veranstaltungswirtschaft aufmerksam zu machen und zu verdeutlichen, dass die derzeitigen Hilfeleistungen in Form von Kreditprogrammen nicht ausreichen. Da diese Kredite nicht wertschöpfend investiert werden können, sondern zur Deckung von Betriebskosten aufgewendet werden müssen, führt dies nach dem Verbrauch der Kredite zu einer erneuten Zahlungsunfähigkeit in Verbindung mit einer Überschuldung der betroffenen Unternehmen und Einrichtungen, so Koperek.

Der Appell an die Politik zur Rettung der Veranstaltungswirtschaft kommt unübersehbar, laut und hell. Mehr als 9000 Gebäude sind in rotes Licht getaucht und jede und jeder ist eingeladen, eigene Bilder der angestrahlten Objekte auf facebook oder instagram zu posten. Mögen alle sehen, hören und verstehen, was hier auf dem Spiel steht.

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