Wiens Tor zum Himmel – zum Tod von Franz Fehringer

Ulf Meyer
14. Mai 2021
Soldatenkirche am Truppenübungsplatz Allentsteig, 1967 (Foto: Karl Gruber via Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0)

Der Niederösterreicher wurde vor allem für seine Terminalgebäude am Flughafen Wien bekannt. Doch sein Œu­v­re umfasst weit mehr.

Die geschwungenen Piere Ost und West prägen den Flughafen Wien. Ihr Entwerfer, der niederösterreichische Architekt Franz Fehringer, ist im Alter von 93 Jahren am 8. Mai verstorben. Ab den 1980er-Jahren war Fehringer mit dem Ausbau des Flughafens zur interkontinentalen Drehscheibe in Mitteleuropa befasst. Seine unverkennbaren Passagierterminals prägen das Erscheinungsbild des größten Flughafens Österreichs mit ihrer doppelten Tropfenform bis heute mit.

»Die markanten Gebäude haben schon damals mit ihrer Eröffnung mehr Aufenthaltsqualität für Reisende gebracht und prägen bis heute das Erscheinungsbild des Flughafens.«

Julian Jäger und Günther Ofner, Flughafen Wien AG

Der in Öhling geborene Fehringer hatte sich nach dem Studium 1963 selbständig gemacht und gemeinsam mit Herbert Prader das Atelier P+F gegründet. Zu ihren ersten großen Bauaufträgen zählten das Erholungszentrum in St. Andrä am Zicksee (1965) und die markante Soldatenkirche am Truppenübungsplatz Allentsteig (1967). Ihr Zeltdach in Form einer Pyramide markiert einen spirituellen Ort inmitten des Militärgeländes. Auch die Kirche Maria Rast in Mistelbach (1980) zeigt Fehringers besondere Fähigkeit, mit den Mitteln der diagonalen Geometrie eindrucksvolle Sakralräume zu schaffen. 

Fehringer machte sich in den 1970er-Jahren mit partizipativen Verfahren einen Namen. Er gilt als einer der österreichischen Wegbereiter für Beteiligungsprozesse, was Projekte wie sein Wohnhaus in Purkersdorf (1976) begreiflich machen. Früh wurden dort die künftigen Bewohner*innen in den Planungsprozess eingebunden – damals noch Neuland. Und auch mit der Bauentwicklung im ländlichen Raum beschäftigte sich Fehringer intensiv. Der »Gründer der Dorferneuerung« hielt Vorträge und veröffentlichte Artikel zum Thema.

In den 1980er-Jahren dann entwarf Fehringer überwiegend Gebäude für soziale Nutzungen wie Privatkliniken und Internate, ein Seniorenheim und ein Psychosoziales Zentrum. Zu seinen Bauten für Kultur und Unterhaltung zählen unterdessen das Theater von Reichenau an der Rax und das Casino Baden. 

Foto © Flughafen Wien AG

Fehringers Opus Magnum sind jedoch, wie eingangs schon gesagt, ohne Zweifel seine Gebäude am Flughafen Wien. Seine Erweiterungsbauten wurden mit schlanken Brücken an die Abfertigungshalle angeschlossen. Das Pier Ost ging 1988 in Betrieb, das Pier West folgte acht Jahre später. Zusammen ergeben die beiden Gebäude einen schwungvollen Bogen. 

Flughäfen sind meist ewige Baustellen und oft bereits bei ihrer Einweihung schon wieder zu klein und altmodisch, sodass denn auch die Anlage in Schwechat Fehringer über mehrere Jahrzehnte hinweg beschäftigt hat. Die Flugzeuge stehen bei seinen beiden Piers nahezu kreisförmig um die zentrale Passagierhalle herum, die mit einer flachen Kuppel überwölbt ist, durch die Tageslicht auf die Gates fällt. Beim Vergleich mit dem später gebauten langen Terminal von Baumschlager Eberle zeigt sich, dass Fehringers Entwurf half, die Wege der Passagiere angenehm kurz zu halten. 

Seine einstigen Weggefährten bescheinigen dem Architekten einen kantigen Humor, Liebenswürdigkeit und Herzensgüte. Fehringers Mantra lautete: »Keiner baut für sich allein, jeder baut die Welt des anderen mit.« Wer wollte da widersprechen? 

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