Bauen für Radfahrer*innen

Elias Baumgarten
20. Juni 2019
»Autobahn« für Fahrräder im chinesischen Xiamen (Foto: Ma Weiwei © BYCS)

Herausragende Infrastrukturprojekte für Radfahrer*innen werden an der zweiten »Bicycle Architecture Biennale« gezeigt. Bevor die Schau weltweit auf Tour geht, war sie vorige Woche in Amsterdam zu sehen.

Möglichst oft Strecken mit dem Fahrrad zurückzulegen, wäre eine feine Sache. Doch gerade im deutschen Sprachraum mangelt es vielerorts an guter Infrastruktur und auf den Straßen herrscht bisweilen ein raues Klima. Die Verkehrsteilnehmer*innen geben wenig Acht aufeinander, verhalten sich mitunter rücksichtslos und zeigen reihum gegenseitig mit dem Finger aufeinander. Die Zahlen der schwer und schwerst verunfallten Radfahrer*innen steigen in letzter Zeit merklich. Die Politik ergreift zu selten dagegen die Initiative, obschon aktuell zumindest einige interessante Projekte in Planung sind. Viele ziehen es daher verständlicherweise vor, dem eigenen Wagen treu zu bleiben oder allenfalls die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen. Andernorts ist die Lage jedoch besser; in den Niederlanden etwa, wo sich die Organisation BYCS vorgenommen hat, dass bis 2030 50 Prozent aller Fahrten in den Städten mit dem Rad geschehen sollen. Um diesem Ziel näher zu kommen, präsentierte sie herausragende Infrastrukturprojekte für Radfahrer*innen und veranstaltet heuer die zweite »Bicycle Architecture Biennale«. Gezeigt werden 15 Projekte aus aller Welt. Für die Auswahl verantwortlich ist das Büro NEXTarchitecture. Die Schau wurde vom 17. bis zum 21. Juni im Zuge des Festivals »WeMakeTheCity« in Amsterdam (CIRCL, Gustav Mahlerpein 1B) gezeigt. Jetzt soll sie bis ins Jahr 2020 hinein international auf Tour gehen und in diversen Städten präsentiert werden. Wir bringen Bilder aller 15 Projekte.

Foto: Ma Weiwei © BYCS

In der chinesischen Stadt Xiamen wurde eine Art »Autobahn« speziell für Radfahrer*innen angelegt. Die Anlage schlängelt sich über 8 Kilometer auf Stützen durch den Großstadtdschungel.

Foto: Luc Dalemans © BYCS

Durchs Wasser fahren? Im belgischen Limburg geht das. Ein 200 Meter langer und 3 Meter breiter Radweg durchschneidet dort einen See. Er erfreut sich großer Beliebtheit: Tage mit über 700 Besucher*innen sind keine Seltenheit, sondern die Regel.

Foto: Dion Robeson © BYCS

Die Curtin University im australischen Perth verfügt über einen »Bike Hub« mit 200 Stellplätzen. Der Entwurf stammt vom Büro Coniglio Ainsworth. Neben den Stellplätzen gibt es auch Möglichkeiten, sich zu waschen und umzuziehen. Auf dem Dach befindet sich ein Platz für kleine Veranstaltungen, der als Treffpunkt auf dem Campus dient.

Foto: Kirsten Bucher © BYCS

Am Ölhafen von Raunheim in Deutschland hat das Büro Schneider+Schumacher eine schwungvolle Brücke für Radfahrer*innen gestaltet.

Visualisierung: Hyuntek Yoon © BYCS

Die Upside-Down-Bridge ist ein Entwurf für einen Standort in New York. Er stammt vom Büro Nooyoon. Für den Rad- und Fußgängerverkehr genutzt werden soll eine aufgegebene Bahntrasse.

Foto: Petra Appelhof © BYCS

Auf gleich drei Ebenen können Fahrräder am Hauptbahnhof der Stadt Utrecht in den Niederlanden parkiert werden. Der Architekt Ector Hoogstad hat die Anlage gestaltet.

Foto: Jordi Surroca und Gael del Rio © BYCS

Die Ringstraße B-20 und die Schnellstraße B-23 durchschneiden Barcelona. Bisher waren sie eine regelrechte Blockadelinie für Radfahrer*innen und Fußgänger*innen. Das Überschreiten kostete Zeit und Nerven, lange Umwege waren nötig. Doch mittlerweile schafft eine neue Anlage Abhilfe und überbrückt die Straßen.

Foto: Monk Mackenzie © BYCS

Auch in Auckland in Neuseeland setzt man darauf, Rad- und Autoverkehr zu trennen. Die 600 Meter lange Auffahrtsrampe zur städtischen »Radautobahn« haben Monk Mackenzie, LandLab und GHD gemeinsam entworfen. Zu den Nachtstunden kann sie mit 300 LED-Lampen erleuchtet werden.

Foto: Toerisme Limburg © BYCS

Zurück nach Limburg – dort können Radfahrer*innen nicht nur durchs Wasser, sondern auch durch einen Wald fahren. Die 700 Meter lange Piste dafür hat BuroLandschap entworfen und konstruiert. 

Foto: Rasmus Hjortshøj – COAST © BYCS

Die Stellplätze am Hauptbahnhof von Kopenhagen haben Cobe, Gottlieb Paludan und Sweco entworfen. 

Foto: Riccardo de Vecchi © BYCS

Auf dem Campus der TU Delft in den Niederlanden kann man im selben Bau Kaffee trinken und sein Fahrrad deponieren. Die Gestaltung stammt von BureauVanEig/Biq Architects.

Visualisierung: SPADE © BYCS

Der RheinRing soll in Köln zwischen der Hohenzollernbrücke und der Deutzer Brücke über den Strom spannen.

Visualisierung: Reindeer Renderings © BYCS

Paper Plans möchte in Berlin die »Radbahn« unter dem Viadukt der U-Bahnlinie U1 bauen. Die Strecke soll über 9 Kilometer durch die Bundeshauptstadt führen. Die Besonderheit wäre der Fahrbahnbelag: recyceltes Plastik soll hier zum Einsatz kommen.

Visualisierung: NL Architects © BYCS

Im holländischen Den Haag ist ebenfalls ein großer Bau mit Fahrradparkplätzen in Planung. Der Entwurf stammt von NL Architects. Die Räder würden großteils auf dem Dach untergebracht.

Foto: Jeroen Much © BYCS

Die spektakuläre Brücke Melkweg für Radfahrer*innen und Fußgänger*innen wurde von Next Architects entworfen. Sie verbindet die Altstadt von Purmerend in Holland mit einem neuen Quartier.

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