Campus-Ausbau in Klagenfurt: Das stärkste Konzept kommt von Snøhetta

Manuel Pestalozzi
20. Januar 2022
Der Blick über den Campus von Osten her zeigt den geplanten Neubau »DAT I« als Portal. Auffällig ist das markante Sägezahndach, unter dem sich ein Holzbau verbirgt. (Visualisierung © Snøhetta Studio Innsbruck)

Das Innsbrucker Team von Snøhetta hat den Wettbewerb für einen Masterplan zur Umgestaltung des Campus der Alpen-Adria-Universität gewonnen. Ein Landschaftsband und zwei Neubauten machen den Vorschlag aus.

 

Der Campus der Alpen-Adria-Universität (AAU) in Klagenfurt erstreckt sich über ein großes Gebiet im Stadtteil St. Martin-Waidmannsdorf, das zwischen der Innenstadt und dem Wörthersee liegt. Die ersten Gebäude stammen aus den frühen 1970er-Jahren. Ziel eines nicht offenen, einstufigen Realisierungswettbewerbs war es nun, ein Vorentwurfskonzept für die Neu- und Umgestaltung der Anlage herauszuschälen. Zudem sollte die Verortung möglicher Neubauten geklärt werden.

Gewonnen hat schlussendlich das Tiroler Team von Snøhetta. Sein Vorschlag orientiert sich an der bestehenden räumlichen Struktur innerhalb des Projektgeländes; er stärkt die Ost-West-Achse über den Campus, eine gedachte Verbindungslinie zwischen See und Stadt. Die Innsbrucker Architekt*innen möchten dies mit einem Landschaftsband erreichen, das alle Gebäude entlang der Achse mit einer klaren Geste verbindet. Dort sollen künftig alle Aktivitäten stattfinden, die für das Leben auf dem Campus von Bedeutung sind. Darum gehören zu besagtem Landschaftsband Plätze, Tagungs- und Entspannungsbereiche, ein Amphitheater im Freien, spezielle Orte für den Unterricht draußen, Zonen zum Lesen und zum Lernen, Brunnen und weitere Wasserelemente.

 

Der Masterplan sieht ein Landschaftsband quer über den Campus vor, dessen Richtung durch die Bestandsbauten vorgegeben ist. (Situationsplan © Snøhetta Studio Innsbruck)

 

Den Abschluss der Achse würden gemäß des Vorschlags zwei neue Gebäude bilden. Im Osten soll demnach das »DAT I« die bestehende Diagonale aufnehmen und den bisherigen Eingangspfad in einen veritablen Eingangsboulevard verwandeln, der zum Haupteingangsgebäude führt. Das Gebäude ist mit drei Geschossen geplant, damit es nicht in Konkurrenz zu den bestehenden Nachbarbauten tritt. Das »DAT II« und allfällige zukünftige Erweiterungsbauten würden indes am Westende platziert und den seeseitigen Eingang des Campus markieren.

 

Den Neubau »DAT I« hat das Team von Snøhetta als Lern- und Forschungslandschaft unter einem großen Sägezahndach konzipiert. (Visualisierung © Snøhetta Studio Innsbruck)

 

Der DAT I genannte Neubau ist als Lern- und Forschungslandschaft konzipiert. Sein trapetzförmiger Fußabdruck solle die Innovationskraft der AAU symbolisieren, heißt es. Gedeckt würde der Bau mit einem Sägezahndach, dessen Richtung der Ost-West-Achse des Masterplans folgt. Unter diesem soll ein Holzbau entstehen, es handelt sich also in gewisser Weise um ein Haus im Haus, wie die Visualisierungen verdeutlichen.

Etwas weniger genau ist der Entwurf für den Bau DAT II zum jetzigen Zeitpunkt ausformuliert. Es wird sich um eine Struktur aus einzelnen Häusern handeln, die miteinander verbunden sind. Gemeinsam mit dem denkmalgeschützten Vorstufengebäude von Roland Rainer (1910–2004) soll ein Platz aufgespannt werden. Dieser würde über eine Freilichttribüne verfügen.

»Die Verfasser*innen begnügen sich nicht mit dem Entwurf städtebaulich und architektonisch gelungener Baukörper, sondern entwickeln ein inspirierendes und gleichzeitig forderndes Umfeld für Lehrende und Studierende, das zum intensiven Diskurs über die Frage einlädt, was heute eine Universität leisten kann und soll«, lobt die Jury in ihrer Begründung. Die Bundesimmobiliengesellschaft BIG wird nun mit den Architekt*innen über die Beauftragung verhandeln.

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