Das Doppelhaus – ein Gebäudetyp mit Potenzial?

Ulf Meyer
11. Mai 2021
Foto: Adolf Bereuter

Der Wunsch nach dem Erhalt des Ortsbilds, aber auch die Grundstückszuschnitte beschränken zuweilen die städtebauliche Dichte. Lukas Mähr und Carmen Wurz glauben, dass in solchen Fällen das Doppelhaus ein guter Kompromiss sein kann.

Lukas Mähr und Carmen Wurz (MWArchitekten) haben in Hohenems ein Doppelhaus gestaltet. Sie waren dabei Bauherren, Architekten und Verkäufer in Personalunion. »Nachhaltig und leistbar« sollte ihr Wohnhaus sein. Beide Hälften sind jeweils rund 125 Quadratmeter groß, und das Haus steht auf einem Grundstück von 600 Quadratmetern. 

Foto: Adolf Bereuter

Erklärtes Ziel des Architektenpaares war ein Haus, das »Lebendigkeit und Individualität« erzeugt. Außerdem sollte das baukulturelle Erbe der Region aufgegriffen werden. Die Fassadengestaltung lehnt sich darum an jene traditioneller Höfe an. Die Fichtenleisten der Fassadenschale, die gehobelt beziehungsweise sägerau ausgeführt sind, changieren rhythmisch. Jede Doppelhaushälfte erhält dadurch ihren eigenen Ausdruck.

Das dem Gelände angepasste Bauwerk fügt sich ebenso respektvoll wie selbstbewusst in seine Umgebung ein. Volumen und Dachform passen gut zur heterogenen Bebauung in der Nachbarschaft. Die Hanglage haben sich Mähr und Wurz ohne große Erdbewegung zu Nutze gemacht: Im Innern wird das Gefälle durch überhohe Wohnzimmer und Niveausprünge mit Sitzstufen zur geteilten Terrasse hin spürbar.

Foto: Adolf Bereuter
Foto: Adolf Bereuter

Auch die eingebauten Wohnzimmermöbel wurden von den Architekten gestaltet – ebenso wie die raumhohen Türen mit »unsichtbaren« Beschlägen und Griffen. Eingesetzt wurden vor allem einheimische Hölzer, die von regionalen Baufirmen verarbeitet wurden. Einrichtung und Innenräume wirken dadurch wie aus einem Guss. Günstig war dies keineswegs, jedoch konnten hinsichtlich des Grundstücks, der Nutzfläche und des Volumens Kosten gespart werden.

Foto: Adolf Bereuter
Foto: Adolf Bereuter

Die kompakte Form erzeugt Intimität. Gleichzeitig wirken die teils niedrigen Räume weitläufig. Erreicht wird dies durch die geschickte Ausnutzung der Topographie, die bereits erwähnte Höhe der Wohnzimmer und die bis ins Detail ausgestalteten Raumsequenzen. 

Der geringe Anteil an Außenfläche verhilft dem Haus außerdem zu einer guten Energiebilanz. Aus Platz- und Kostengründen wurde bei den Außenwänden auf eine innere Vorsatzschale verzichtet. Die Elektroinstallationen liegen in den Geschossdecken, Innenwänden und Möbeln verborgen. Geheizt wird das Niedrigstenergiehaus mit einer Erdwärmepumpe. Dachfenster über den Treppenhäusern sorgen für die Nachauskühlung während der Sommermonate. Zusätzlich verfügen die Schlafzimmer über ein Lüftungsgerät mit Wärmerückgewinnung.

Situation
Grundriss Ebene 0
Grundriss Ebene 1
Grundriss Ebene 2
Schnitt

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