Die Post City Gardens – nachhaltige Planung in Linz?

Manuel Pestalozzi
13. Mai 2022
Aus dem neuen Quartier fällt der Blick auf das Bahnhofsgebäude, hinter dem der sogenannte Power Tower aufragt. (Visualisierung: Nussbaumer Architekten ZT GmbH / Expressiv GmbH)

Das einstige Linzer Postverteilzentrum soll einem gemischten Quartier mit 6000 Quadratmeter öffentlich zugänglicher Grün- und Freiflächen weichen. Doch wie richtungsweisend sind die Ersatzneubauten wirklich?

 

Das einstige Linzer Postverteilzentrum steht westlich des Hauptbahnhofs. Ende 2014 verlegte die Post ihr Verteilzentrum nach Allhaming. Das Gebäude mit rund 100000 Quadratmeter Nutzfläche steht seither leer, beherbergte allerdings mehrfach das Festival »Ars Electronica« und dient seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine wie schon im Jahr 2015 als Empfangsort für Flüchtlinge. An eine weitere Zukunft für den Großbau, der nach einem Entwurf von Otto Bojko in den Jahren zwischen 1988 und 1994 errichtet wurde, glaubt offensichtlich kaum jemand in Linz: Die Verantwortlichen der Stadt sehen an diesem zentralen Ort ein neues grünes Stadtviertel, in dem gearbeitet und gewohnt wird.

2019 wurde ein zweistufiger Wettbewerb durchgeführt, den Nussmüller Architekten aus Graz für sich entscheiden konnten. Ihr Entwurf Post City Gardens sieht auf acht Baufeldern in der Höhe gestaffelte Baukörper vor. Die neue Bebauung soll durchlässig sein und großzügige, differenzierte Freiräume aufspannen. In Summe sollen auf einer Fläche von rund 45000 Quadratmetern elf Gebäude mit Wohnungen, Büros und Geschäften sowie einem Hotel entstehen. Sie würden bis zu 70 Meter hoch aufragen und je 16 beziehungsweise 17 Geschosse umfassen. 

 

Nussmüller Architekten setzen in ihrem Konzept auf ein stark durchgrüntes Quartier. Damit gewannen sie den Wettbewerb um die Neugestaltung des Linzer Postverteilzentrums. (Visualisierung: Nussbaumer Architekten ZT GmbH / Expressiv GmbH)

Zwischenzeitlich wurde der Entwurf überarbeiteten. Eine verfeinerte Version wird nun dem Gemeinderat vorgelegt. Neben Arbeitsplätzen für 5000 Menschen und großzügigen Wohnungen sind nunmehr 14000 Quadratmeter zusätzliche Grünareale vorgesehen. 

Der Linzer Bürgermeister Klaus Luger ist der Auffassung, die Überbauung sei ideal für »hochqualifizierte Arbeitskräfte, die nur einen Teil ihrer Arbeitszeit in Linz verbringen und dort nicht dauerhaft wohnen«. Für diese urbanen Halbnomaden der Zukunft wirken die Visualisierungen bisher allerdings doch sehr konventionell. Die Frage drängt sich auf, ob aus dem noch vergleichsweise jungen Bestandsbau des Postverteilzentrums nicht doch noch etwas zu machen wäre, das der vom Bürgermeister adressierten Zielgruppe besser entspräche. 

Die Stadt verspricht einen »Fokus auf Nachhaltigkeit«, die Nutzung alternativer Energien und eine Umsetzung des Schwammstadt-Prinzips (Speicherung der Niederschlagswässer in Retentionsräumen). Das klingt gut. Man fragt sich allerdings, ob in den Umweltbilanzen ein Fokus auf die Einsparung Grauer Energie nicht ein besseres Endresultat ergäbe.

Nun liegt der Ball bei der Politik. »Am 16. Mai wird das Projekt im Ausschuss für Planung und Liegenschaften beraten. Mit dem geplanten Beschluss des Flächenwidmungsplans und des Bebauungsplans in der kommenden Gemeinderatssitzung am 24. Mai ist dieses in Österreich bisher einzigartige Projekt auf Schiene«, zeigt sich Planungsreferent und Stadtrat Dietmar Prammer optimistisch. Geht es nach der Stadtverwaltung, sollen nach dem Beschluss des Flächenwidmungsplans und des Bebauungsplans als nächster Schritt die Architekturplanung sowie die Baueinreichung erfolgen. Der Bau des neuen Quartiers könnte dann in mehreren Etappen bis 2030 erfolgen.

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