Endspurt für das Bibelturm-Projekt

 Manuel Pestalozzi
13. März 2018
Bild: DFZ Architekten
Zur Ergänzung des Gutenberg-Museums in Mainz wird am 15. April 2018 ein Bürgerentscheid stattfinden. Das im Jahr 2015 aus einem Wettbewerb hervorgegangene siegreiche Projekt muss sich der Öffentlichkeit stellen.
Gutenberg, Erfinder der Buchdruckkunst, war ein Mainzer und wirkte in seiner Heimatstadt. Seit 1901 besitzt die Stadt ein Museum, das ihrem berühmten Sohn gewidmet ist und verschiedene Original Gutenberg-Bibeln zu ihren Schätzen zählt. 1927 zog das Museum in Räumlichkeiten des Spätrenaissance-Bürgerhauses Zum Römischen Kaiser, das durch zwei Erweiterungen ergänzt wurde.
 
2015 fand ein Architekturwettbewerb statt, für eine Neuanordnung der Ausstellungs- und Funktionsflächen sowie eine zusätzliche Erweiterung des Museums. Dabei soll das zukünftige Erscheinungsbild des Museums mit seiner exponierten Lage in direkter Nachbarschaft zum Mainzer Dom den hohen städtebaulichen Ansprüchen als neuer Anziehungspunkt der Altstadt gerecht werden. DFZ Architekten aus Hamburg gewannen den Wettbewerb. Ihr Projekt schafft ein offenes Gefüge von Solitären. Es sieht vor, in einem ersten Bauabschnitt die drei Bestandsgebäude um einen Neubau, den Bibliotheksturm zu ergänzen.
 
Nicht alle Mainzerinnen und Mainzer freuten sich über den neuen «Bibelturm». Die Wogen gingen so hoch, dass der Stadtrat entschieden hat, den ersten Bürgerentscheid der Stadtgeschichte durchzuführen. Beantwortet werden muss die Frage: „Soll das Gutenbergmuseum durch den Bau des „Bibelturms“ am Liebfrauenplatz gemäß Beschluss des Stadtrats vom 8. Februar erweitert werden?“ Abstimmungsberechtigt ist, wer am 15. April das 18. Lebensjahr vollendet hat, die deutsche oder die EU-Staatsbürgerschaft besitzt und seit mindestens 15.1.2018 mit Hauptwohnsitz in Mainz gemeldet ist. Der Bürgerentscheid ist nur dann entschieden, also gültig, wenn die Mehrheit der Abstimmenden mindestens 15 Prozent der Stimmberechtigten beträgt.
 
Das betroffene Architekturbüro braucht starke Nerven, da es sich einer breiteren Allgemeinheit erklären muss. Erst nach der Bekanntgabe des Wettbewerbsresultats wurde das Projekt eingehend bearbeitet, wie Architekt Stephen Kausch von DFZ in einem Interview mit der „Allgemeinen Zeitung“ präzisierte. Ein Kritikpunkt waren die Visualisierungen, die das Projekt unterschiedlich darstellten, was das Misstrauen offenbar begünstigte. Man kann nur hoffen, dass die Verantwortlichen das Projekt so präsentieren können, dass sich der Blick des Publikums auf die Gesamtheit des Projektes öffnet und kritische Geister nicht an Detailanliegen hängen bleiben.

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