»Gebaut für alle«: Curt Kühne, Julius Schulte und das soziale Linz

Manuel Pestalozzi
7. April 2022
Die Diesterwegschule aus dem Jahr 1931 von Curt Kühne; diese Aufnahme zeigt das Baudenkmal im Jahr 2021. (Foto: Georg Graf)

Das Linzer Stadtmuseum widmet sich noch bis zum 1. Mai 2022 der Bautätigkeit in der Landeshauptstadt zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Im Fokus stehen dabei die Architekten Curt Kühne und Julius Schulte.

 

Der einstige Linzer Stadtbaudirektor Curt Kühne (1882–1963) und sein Mitarbeiter Julius Schulte (1881–1928) waren bedeutende Planer und wohl auch Pragmatiker. Es ging ihnen weniger um die formalistische Durchsetzung einer radikalen Moderne, als vielmehr um die Schaffung einer sozial orientierten Stadt. Kühne und Schulte beschritten innerhalb einer komplexen Gemengelage einzigartige, oft fortschrittliche Wege. Die unter ihrer Ägide realisierten öffentlichen Bauten wie das Parkbad oder die Volksküche (in der sich heute das architekturforum oberösterreich befindet), Schulen (etwa am Diesterweg und die Weberschule), Siedlungsbauten, Industrieanlagen und privaten Wohnhäuser weisen eine hohe gestalterische Qualität auf. Bis heute sind sie architektonisch relevant.

Nun zeigt eine von Caramel architekten gestaltete Ausstellung im Nordico anhand von Plänen, historischen, aber auch aktuellen Fotografien sowie zeitgenössischen Dokumenten das Schaffen der beiden Architekten. Die Schau mit dem Titel »Gebaut für alle« führt den Besucher*innen vor Augen, wie Kühne und Schulte in knapp drei Jahrzehnten (1909–1938) die städtebaulichen und funktionellen Herausforderungen einer rasant wachsenden und sich noch dazu gesellschaftlich stark verändernden Stadt am Beginn der Moderne gemeistert haben. 

 

Julius Schultes Aufstockung des ehemaligen Hauptpostamts (1925) gilt bis heute als sensible und zeitgemäße Transformation eines historischen Gebäudekomplexes. (Foto: Gregor Graf)

Informationen über die Arbeit von Curt Kühne wird man auch nach der Ausstellung im Linzer Stadtraum vorfinden. Denn gemeinsam mit dem einheimischen Künstler Peter Androsch und der Fotografin und Grafikerin Carina Nimmervoll hat das städtische Wohnbauunternehmen GWG Informationstafeln für ihre von Kühne geplanten Wohnbauten erstellt und vor den betreffenden Objekten installiert. Diese weisen auf die bau- und kunsthistorische Bedeutung der Wohnbauten hin. Über einen QR-Code lassen sich jeweils noch mehr Informationen abrufen. Nicht weniger als neun Gebäudeensembles hat Curt Kühne für die GWG konzipiert, geplant und schließlich realisiert. Gemeinsam ist diesen Bauwerken eine unverwechselbare Formensprache. Die beiden GWG-Geschäftsführer Wolfgang Pfeil und Nikolaus Stadler sagen, ihr Unternehmen nehme seine Verantwortung für die historischen Bauten gerne wahr. Davon, so das Duo, würden zahlreiche erfolgreiche Sanierungen, die in Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt umgesetzt wurden, zeugen.

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