Geschichtsstunde unter Tage

Manuel Pestalozzi
13. April 2022
Multimediale Schaustellen in den einstigen Bergwerksstollen erzählen von vergangenen Epochen. Sie sind aber von einer zeitlosen Ästhetik. (Foto © Salzwelten, Daniel Ostermann)

Die Salzwelten in Bad Dürrnberg bei Salzburg ziehen Gäste aus dem In- und Ausland an. Im vergangenen Jahr wurde das beliebte Schaubergwerk modernisiert. Architektur spielte dabei eine große Rolle.

 

Das Salzbergwerk in Bad Dürrnberg/Hallein gilt als eines der ältesten Bergwerke der Welt. Es soll um das Jahr 600 v. Chr. in Betrieb genommen worden sein. Der kommerzielle Salzabbau dauerte bis 1989 an. Schon im 17. Jahrhundert erkannte man indes auch den touristischen Wert der Stollen und Abbaustätten und bot »Grubenfahrten« an, die zu einem unterirdischen Salzsee führten. Seit dem Ende des Salzabbaus sind die Salzburger Salzwelten, zu denen neben dem besagten Bergwerk in Bad Dürrnberg auch das Salinengebäude auf der Pernerinsel in Hallein gehört, ein beliebtes Ausflugsziel.

 

Im Besucherzentrum im entkernten Magazin ist die historische Dimension des Salzabbaus erkennbar. (Foto © Salzwelten, Daniel Ostermann)

Die Salzwelten GmbH, ein Tochterunternehmen der Salinen Austria AG, beschloss rund dreissig Jahre nach dem Ende der Salzgewinnung, den Erlebnisbetrieb zu modernisieren. Dafür sollten 10 Millionen Euro investiert werden. Im Oktober 2019 lud die Salinen Austria AG fünf Teams aus Architekt*innen und Kreativen zu einem Dialogverfahren ein. Das Projekt von The Next Enterprise Architects, der Designagentur Liquid Frontiers (beide aus Wien) und der Innsbrucker Medienagentur Artfabrik überzeugte dabei am meisten. Nach diesem Vorschlag wurde der heterogene Bestand durch diverse Eingriffe zu einem schlüssigen Gesamtensemble zusammengeführt und verwoben. Ein ehemaliges Magazingebäude wurde vollständig entkernt und dient nun als modernes Besucherzentrum. Die Eröffnung der umgebauten Anlage erfolgte bereits im Mai 2021, doch der Anlass erhielt aufgrund der strengen Corona-Maßnahmen nicht die Aufmerksamkeit, die er verdiente.

 

Viel Energie floss in die Ausgestaltung der Bereiche unter Tage. Vier wichtige Epochen des Salzabbaus können die Besucher*innen dort erleben. (Foto © Salzwelten, Daniel Ostermann)

Besondere Aufmerksamkeit schenkte man bei der Modernisierung den unterirdischen Bereichen der Anlage. In einem sogenannten Preview-Raum werden die Gäste mit einleitenden Informationen versorgt. Während der Führungen geben multimediale Schaustellen dann über vier für Salzburg besonders wichtige historische Epochen Auskunft. Unter Tage geht es von der modernen Salzproduktion ins Barockzeitalter – samt Floßfahrt über den unterirdischen Salzsee. Dem Mittelalter ist eine eigene Schaustelle gewidmet, dazumal wurde nämlich der »nasse Abbau« am Dürrnberg erfunden. Auch die Zeit der Kelten wird detailliert erläutert. Die Gestalter*innen entwickelten für diese Reise durch den Untergrund ein der Industriearchitektur verpflichtetes, aber doch eigenständiges Vokabular, das in Material, Farbe und Optik den glitzernden, schimmernden Charakter des orange-rötlichen Salzsteins atmosphärisch übersetzt. Sie sind überzeugt, ein einzigartiges Kulturerlebnis für alle Sinne geschaffen zu haben.

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