Hightech 4.0

 Katinka Corts
12. September 2018
Eingangsbereich der Filterfabrik B. Braun Melsungen AG im sächsischen Wilsdruff (Bild: Till Schuster)
Anfang September wurde die "Fabrik 4.0" im sächsischen Wilsdruff eingeweiht. In der vom Stuttgarter Architekturbüro Neugebauer + Roesch gebauten Hightech-Anlage werden Blutwäschefilter für Dialyse-Geräte produziert.
Eine Fabrik, die nicht wie eine scheint – auf eine hochwertige Gestaltung der Arbeitsumgebung für alle Beschäftigten legt Architekt Robert Rösch nach eigener Aussage großen Wert. Sichtbeton, Metall und Glas charakterisieren den Fabrikneubau; das Haus sei "unaufgeregt" und öffne sich zum großen Vorplatz. Hinter der Glasfassade befinden sich Foyer und Cafeteria, zurückgesetzt sind die Galerie-Ebene und die Büroflächen. Laut Rösch lösen sich die Grenzen zwischen Schreibtischarbeit und den Tätigkeiten in einer Montage- und Produktionshalle auf: "Das eine ist Teil des anderen, und muss deshalb gleichwertig gestaltet werden." So haben die Architekten für alle Bereiche einen Bezug zum Außenraum eingeplant – die nach Innen orientierten Reinräume grenzen an zwei Lichthöfe, über die Tageslicht zu den Arbeitsplätzen gelangt. Für die Pause ist zusätzlich zum offenen Vorplatz eine privatere Dachterrasse eingeplant worden.
Insgesamt kann das Gebäude als Hybridbau aus Ortbeton, Betonfertigteilen und Stahlskelett bezeichnet werden. Statisch interessant ist das aussteifende "Rückgrat" der Anlage, in dem sich der Besuchergang und die zentrale Infrastruktur befinden: Es ist als Ortbetonkonstruktion ausgeführt und hochbewehrt, um die Horizontalkräfte aus den großen Dach- und Fassadenflächen aufzunehmen. Große Betonfertigteile – ebenfalls im strengen 2,4-Meter-Raster – prägen die Fassaden der technischen Nebengebäude. Das Herzstück des Neubaus ist die 143 x 62 m große Produktionshalle, in der unter Reinraumbedingungen die Dialysatoren zusammengebaut werden. Daran schließen Büro- und Gemeinschaftsflächen, Bereiche für die Logistik sowie das rückwärtige Kesselhaus an. Mit der Umsetzung des 2015 im Architekturwettbewerb prämierten Entwurf haben Neugebauer+ Roesch gehalten, was sich die Jury von Plänen und Bildern versprach – eine "angemessene Balance zwischen repräsentativem Auftritt und Funktionalität".
Besuchergang (Bild: Till Schuster)
Caféteria (Bild: Till Schuster)

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