Holz auf dem Dach: ao-architekten haben die HTL Innsbruck aufgestockt

Manuel Pestalozzi
5. November 2021
Der hölzerne Aufbau hebt sich deutlich vom Bestandsbau ab. Auch ein neuer Platz wurde geschaffen, der Teile des einstigen Lehrerparkplatzes ersetzt. (Foto: David Schreyer)

Um den gestiegenen Raumbedarf der Schule zu decken, hat diese einen Aufbau in Leichtbauweise erhalten. Die Innenräume der Konstruktion aus Holzfertigteilen gefallen.

Seit 1974 bietet die Innsbrucker HTL Bau und Design bautechnische und künstlerische Ausbildungen an. Über die Jahrzehnte haben sich Schulbetrieb und Lehre wesentlich verändert – und damit auch die baulichen Anforderungen. Der Platzbedarf ist in letzter Zeit deutlich gestiegen. Dieses Jahr nun wurde ein bereits 2020 begonnener Zubau fertig, um dessen Gestaltung ein EU-weiter Realisierungswettbewerb ausgeschrieben wurde, den das einheimische Büro ao-architekten gewinnen konnte.

Im Inneren überzeugt die Aufstockung mit Aus- und Durchblicken sowie einer angenehmen Lichtsituation. (Foto: David Schreyer)
Foto: David Schreyer
Foto: David Schreyer

Die eingeschossige Aufstockung des Hauptgebäudes besteht aus Holz und akzentuiert den architektonischen Ausdruck der Schule. Mit dem Traufgesims wird der Baustoff, der die Innenräume wesentlich mitprägt, auch gegen außen inszeniert. Deutlich hebt sich die Aufstockung mit ihrer Architektursprache von dem nüchternen Zweckbau unterhalb ab. Die verschiedenen Zeitschichten sind sofort erkennbar. Im Inneren zeichnet sich das neue Geschoss durch eine offene und transparente Raumsituation aus. Die Räume sind nahezu stützenfrei, und die umlaufenden Fensterbänder erlauben rundherum den Blick auf die Tiroler Landeshauptstadt. Die Erweiterung verfügt über ein Sheddach, was für eine angenehme Lichtsituation und eine freundliche Atmosphäre sorgt. Die Treppenhäuser des Bestandsbaus wurden nach oben fortgeführt, und durch einen verglasten Bodenausschnitt blickt man vom Aufbau ins bestehende Gebäude hinab. In der Aufstockung sind neue Klassenräume und Räumlichkeiten für das Erlernen von CAD-Programmen untergebracht. Außerdem gibt es, aktuellen pädagogischen Konzepten folgend, viel Platz für das Arbeiten in Kleingruppen.

Der Aufbau besitzt einen hofartigen Außenraum. Hier können die Schüler*innen mit Blick auf die Berglandschaft, die Innsbruck umgibt, Pause machen und frische Luft schnappen. (Foto: David Schreyer)

Gleichzeitig mit dieser Erweiterung des Raumangebots wurde ein Teil des westlich gelegenen Lehrerparkplatzes zu einem großzügigen Schulplatz umgestaltet, der unmittelbar an die Schulbibliothek und die Caféteria grenzt. Die Bestandsbauten entlang der stark befahrenen Bachlechnerstraße im östlichen Teil des Schulkomplexes wurden zunächst belassen. Dort können zu einem späteren Zeitpunkt Anpassungen vorgenommen werden.

Die Erweiterung überzeugt nicht nur mit ihren schönen Innenräumen, sondern auch als gelungene Verdichtungsmaßnahme. Projekte wie dieses sind Abriss und Neubau vorzuziehen. Auch zeigt das Bauwerk das besondere Potenzial von Holz bei der Nachverdichtung.

Grundriss der Aufstockung
Schnitt

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