Innsbruck: Marte.Marte erweitern das Ferdinandeum

Manuel Pestalozzi
29. Juni 2021
Die Ansicht von Westen zeigt, dass sich die geplante Erweiterung auf der Rückseite des bestehenden Baus andocken wird. (Zeichnung © Marte.Marte Architekten)

Anlässlich seines 200-Jahr-Jubiläums soll das Tiroler Landesmuseum 2023 um- und ausgebaut werden. Das Team von Marte.Marte hat den Wettbewerb gewonnen.

Das Tiroler Landesmuseum in Innsbruck, nach seinem Protektor, dem damaligen Kronprinzen Ferdinand (ab 1835 Kaiser Ferdinand I.) Ferdinandeum genannt, wurde 1823 unter dem Namen Tirolisches Nationalmuseum als Verein gegründet. Das ursprüngliche Museumsgebäude gestaltete zwischen 1842 und 1846 der berühmte Innsbrucker Stadtbaumeister Anton Mutschlechner (1795–1846). Es wurde in den Jahren zwischen 1884 und 1886 erweitert und umgebaut. Anlässlich der 175-Jahr-Feier 1998 wurde das Ferdinandeum dann neuerlich vergrößert und saniert. Es entstanden ein neuer zweigeschossiger Tiefspeicher im Hofbereich, der 1999 in Betrieb genommen wurde, und ein Erweiterungsbau, der die Seitenflügel hofseitig mit einem Quertrakt verbindet und 2003 fertiggestellt wurde.

Die historische Fassade des Museums; im Hintergrund ist der geplante Veranstaltungssaal auf dem Dach des Anbaus zu erkennen. (Zeichnung © Marte.Marte Architekten)

Und nun also folgt der nächste Erweiterungsschritt. Die Gestaltung stammt vom Feldkircher Büro Marte.Marte Architekten, das den Wettbewerb gewonnen hat. Die Jury hatte dabei die Auswahl zwischen insgesamt 50 Einreichungen. Mit seinem Projekt, dessen Architektursprache ihm unverkennbar zuzuordnen ist und einen deutlichen Kontrast zum altehrwürdigen Bestandsbau bildet, will das Team die historisch wertvolle Substanz hervorheben und durch einen einfach strukturierten Anbau auf der Rückseite mit großzügigen Ausstellungsflächen aufwerten. Im historischen Foyer soll nach den Plänen der Vorarlberger ein Rondell entstehen, wo der Rundgang durch das Museum beginnt und endet. Eine neue Haupttreppe wird die Besucher*innen außerdem über die verschiedenen Ausstellungsebenen durch das Museum führen. Die historischen Bibliotheksräume sollen um einen offen und hell gestalteten Lesesaal im neuen Westflügel ergänzt werden. Auf dem Dach schließlich ist ein Veranstaltungssaal in einem Pavillon geplant – er hat das Potenzial, zum neuen Wahrzeichen des Landesmuseums zu werden.

Das Team von Marte.Marte sichert sich mit seinem Erfolg einen weiteren Auftrag für ein großes Ausstellungshaus. Unlängst gestalteten die Architekten zum Beispiel den Neubau der Landesgalerie Niederösterreich in Krems, und vor wenigen Tagen wurde das von ihnen entworfene Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung im Berliner Deutschlandhaus eröffnet.

Modellfoto © Marte.Marte Architekten

»Architekturwettbewerbe sind wie Sport« – Stefan Marte im ausführlichen Interview

Verwandte Artikel

Andere Artikel in dieser Kategorie