Naturnahes Wohnen

Susanna Koeberle
18. Juni 2020
Die zwei fertiggestellten Wohnbauten von Behnisch Architekten im Spinnereipark von Kolbermoor (Foto: David Matthiessen)

Behnisch Architekten haben neben dem Areal der ehemaligen Baumwollspinnerei von Kolbermoor in Oberbayern mehrere Wohngebäude erstellt, die ein naturnahes Wohnen ermöglichen.

Gerade in der Zeit des Lockdowns erschien die Rolle von Naherholungsgebieten in einem anderen Licht. Viele Menschen entwickelten neue Gewohnheiten und suchten vermehrt die Nähe zur Natur. Dass Natur und Siedlungsgebiet sehr gut zusammen funktionieren können, zeigt ein Projekt von Behnisch Architekten am Rande des Spinnereiparks westlich der bayerischen Stadt Kolbermoor. 

Die Neunutzung von ehemaligen Industriearealen ist ein wichtiges Thema in der Architektur. Der ehemalige Spinnereibau wurde zwischen 2008 und 2011 saniert. Es entstanden Wohnungen und Büros. Auch die Akademie der Bildenden Künste an der Alten Spinnerei hat dort seit 2014 ihren Sitz. 

Ein großzügiger öffentlicher Raum bereichert die Anlage. (Foto: David Matthiessen)

Behnisch Architekten zeichnen übrigens auch für den Neubau des Rathauses von Kolbermoor verantwortlich. Am Rande des Landschaftsparks plante das Büro insgesamt neun Wohnbauten. Im ersten Bauabschnitt sind nun zwei der fünf Y-förmigen Häuser fertiggestellt worden. Das Gesamtkonzept für die Bebauung im Spinnereipark sieht zwei unterschiedliche Gebäudetypen vor. Die Y-Häuser und die vier »Conradty«-Häuser fügen sich behutsam in die leicht hügelige und verkehrsfreie Parklandschaft ein. Eine öffentliche Durchwegung ist gegeben und schließt die Bewohner*innen unmittelbar an Parklandschaft und Naherholungsgebiet an. Die vier- bis sechsgeschossigen Bauten zeigen eine spielerisch modulierte, zu den Rändern nach Osten und Westen hin abnehmende Höhenentwicklung. Während sich die Y-Häuser in die gewachsene Struktur und den Baumbestand des Parks integrieren, bilden die »Conradty«-Häuser zur nördlich verlaufenden Conradtystraße und zur Bahnlinie den vor Lärm schützenden Rücken.

Als Erweiterung des Wohnbereichs schieben sich die Balkone in jedem Geschoss nach weit außen. (Foto: David Matthiessen)

Die Architekten planten die Y-Häuser als Solitäre, um die Qualitäten im Park bestmöglich zu nutzen. Jedes ist so platziert, dass der Baumbestand erhalten bleibt und sich optimale Blickbeziehungen zu den Alpen, zum Park mit Weiher und zu den angrenzenden historischen Gebäuden der Alten Spinnerei ergeben. Die fünf- bis sechsgeschossigen Baukörper entwickeln sich aus einem massiven Kern, der sich zu den Enden der Y-Arme visuell auflöst und durch die differenzierte Anordnung der Balkone eine Verzahnung mit der Landschaft erreicht. Vielleicht werden kleinere Städte und ländliche Gebiete zukünftig (wieder) an Attraktivität gewinnen – gerade auch in Folge der aktuellen Pandemie.

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