Neubau in Langenlois: Das Loisium ist gewachsen

Ulf Meyer
8. Juli 2021
Foto © Gregor Holzinger

Die Anlage erfreut sich großer Beliebtheit – nicht nur bei Weinliebhabern, sondern auch bei Architekturbegeisterten. Jetzt wurde sie um einen dritten Bau erweitert.

Langenlois liegt nördlich von Krems und inmitten eines Weinanbaugebiets. Auf einem Weinberg unweit der Stadt steht das Loisium, ein Weinzentrum mit Hotel, das der amerikanische Architekt Steven Holl entworfen und anfangs der 2000er-Jahre in zwei Etappen realisiert hat. Heute ist die Anlage zu einem wahren Pilgerort für Wein- und Architekturbegeisterte avanciert.

Die Bestandsgebäude stellten eine Beziehung zur Geometrie der Keller her, die ein unterirdisches Netz aus verworrenen Gängen bilden – auch unter der Stadt. Das Weinzentrum wurde 2003 fertig. Im Jahr 2005 folgte dann das Hotel, dessen Formen auf die besagten Gewölbe Bezug nehmen.

Im neuen Erweiterungsbau des Hotels (Foto © Hertha Hurnaus) 
Foto © Hertha Hurnaus

Nun wurde die Anlage erweitert: Ein Neubau ergänzt das erfolgreiche Hotel. Er repräsentiere, so erklärt Holl seine Gestaltung, einen dritten »Grundtyp der Architektur«. Der 30-Zimmer-Anbau wachse aus dem Boden empor und knüpfe mit seiner Dachlandschaft wiederum an die Form der Wein-Gewölbe an. Ein Wasserbecken am Eingang spiegelt die Geometrie. Dächer und Wände wurden außen mit matten Rheinzink-Paneelen verkleidet. Diese seien vorbewittert worden, erklärt der Architekt aus New York, um sich ästhetisch »Landschaft und Himmel anzupassen«. 

Durch französische Fenster blickt man aus den Hotelzimmern auf die umgebenden Weinberge und das bestehende Hotel samt Besucherzentrum nebenan. Zusätzlich zu den 30 Gästezimmern gibt es im Neubau einen Konferenzraum. Ein Tunnel verbindet das neue Haus mit dem bereits vorhandenen Hotel.

Gebaut wurde vorwiegend in Ortbeton. Für die Tonnendächer kamen Fertigteile zum Einsatz. Die Kombination aus grauen Betonoberflächen und warmen Holzmöbeln dürfte so manchen unweigerlich an Louis Kahns Salk Institute (1963) erinnern. Mir bringen die Tonnendächer außerdem Kahns Kimbell Art Museum in Fort Worth in Texas in Erinnerung, das 1972 fertiggestellt wurde. Der Lichtschlitz an den Scheitelpunkten der Dachschalen fehlt zwar, doch Holls Neubau ergänzt die beiden bestehenden Häuser auf dem Gelände zu einem gelungenen Ensemble, das nicht nur Architekt*innen und Weinkenner*innen anziehen dürfte. 

Grundriss Erdgeschoss
Grundriss 1. Obergeschoss
Grundriss 2. Obergeschoss
Schnitt

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