OMA lässt Europas größtes Warenhaus mit einem räumlichen Feuerwerk neu erstrahlen

John Hill, Elias Baumgarten
14. Oktober 2021
Foto: Marco Cappelletti, OMA

Von wegen outdated: Spektakuläre Architekturen für die Lust am Konsum bleiben. Das zeigt der Umbau des KaDeWe in Berlin, dessen erster Abschnitt nun fertiggestellt ist.

»Wir beenden die Endlosigkeit!«

Rem Koolhaas

Das Kaufhaus des Westens (KaDeWe) ist eine Ikone. Der riesige Bau steht an der Tauentzienstraße – neben dem Kurfürstendamm vielleicht Berlins beliebteste und berühmteste Einkaufsmeile. Die Geschichte des Hauses ist so lang wie bewegt: 1907 groß eröffnet, erlebte es düstere Zeiten während der Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten mit Boykott und Enteignung, das Wirtschaftswunder und das Fernbleiben betuchter Kundschaft nach dem Mauerbau. Nach über hundert Jahren war der Glanz von einst verflogen und das Gebäude bedurfte dringend einer Sanierung, neuer Schwung musste her. Die Raumaufteilung war nicht mehr zeitgemäß, die inneren Abläufe mussten neu geordnet werden. Schließlich wurde das niederländische Büro OMA mit der Gesamtüberholung beauftragt. Das Team um Rem Koolhaas entwickelte einen Plan, der vorsieht, das Gebäude in vier Abschnitte aufzuteilen, von denen jeder mit einer skulpturalen Erschließung versehen wird. Dadurch soll die gewaltige Baumasse besser zugänglich und nutzbar werden. Nun ist der erste Quadrant fertig. Die neue Architektur ist reich, opulent – und darum ein konsequentes Anknüpfen beim Bestand, obgleich dieser doch radikal verändert wurde.

Das Modell zeigt die vier Zonen, in die das Team von OMA das KaDeWe unterteilt hat. Jede soll mit einer spektakulären Treppenanlage ausgestattet werden. (Foto: OMA)
Alles neu, doch sich selbst treu

Federführend für das Projekt verantwortlich sind Rem Koolhaas selbst und die jüngere Partnerin Ellen van Loon sowie die Projektleiterin Natalie Konopelski. Der Umbau, den sie mit ihrem Team realisiert haben, ist, wie eben angedeutet, eigentlich ein Neubau innerhalb einer alten Hülle. Beeindruckend ist das riesige Atrium, das sich über sechs Stockwerke erstreckt. Die in Holz gekleideten Rolltreppen schwingen sich wie Tänzer durch diesen Raum. Die Treppenanlage wirkt dynamisch und weckt mit ihrer Formenwelt zugleich aus manchen Perspektiven Erinnerungen an viel kleinere OMA-Projekte wie die Fondaco dei Tedeschi in Venedig.

Foto: Marco Cappelletti, OMA
»Die Renovierung des KaDeWe zielt darauf ab, die Dynamik zwischen dem Einzelhandelsraum, seinen Kunden und der städtischen Umgebung neu zu definieren [...]. Das Projekt interpretiert die grundlegenden Elemente einer Typologie neu, die seit mehr als hundert Jahren nahezu unverändert geblieben ist.«

Ellen van Loon

Der räumliche Reichtum des Eingriffs von OMA passt zu einem Haus, das in seiner langen Geschichte zwar schon mehrfach vergrößert und umgestaltet wurde, doch stets prunkvoll blieb: Innenhöfe, Springbrunnen, beeindruckende Portale aus Marmor und Kabinette gehörten von Anfang an zum Raumspektakel, das immer auch ein architektonisches Erlebnis bieten sollte. Bis alle vier Teile der Anlage fertig sind, werden sich die Berliner*innen und ihre Gäste aus aller Welt unterdessen noch eine Weile gedulden müssen: Nach jetzigem Stand ist erst 2023 mit der Fertigstellung zu rechnen.

Foto: Marco Cappelletti, OMA
Foto: Marco Cappelletti, OMA

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