Präriegräser und Staatsbäume

Carsten Sauerbrei
4. August 2017
Auf der Westseite, angrenzend an Gebäude mit gewerblichen Nutzungen präsentiert sich der Stadtplatz als geschlossene Fläche. (Bild: Hannah Bichay)

Der Anfang Juli eingeweihte und vom Stuttgarter Büro Koeber Landschaftsarchitektur gestaltete Stadtplatz im Neu-Ulmer Quartier Wiley Süd erinnert mit seiner Bepflanzung an die einstige Nutzung des Areals durch das US-Militär.

Stadtentwicklung in Deutschland bedeutet häufig auch Konversion von einst militärisch genutzten Flächen. Dabei handelt sich entweder um vom deutschen Militär aufgegebene Standorte, so wie beim Münchner Quartier «Am Ackermannbogen» oder um nach dem Abzug der Alliierten freigewordene Areale, so wie beim Neu-Ulmer Stadtteil Wiley. Mit der Einweihung des im Wohngebiet Wiley-Süd gelegenen neuen Stadtplatzes endet eine mehr als zwanzig Jahre dauernde Umwandlung der einst von US-amerikanischen Truppen genutzten Flächen in ein gemischt-genutztes Quartier.

Nach Osten, in Richtung der angrenzenden Wohngebäude wird der Platzboden von unregelmäßig geformten Pflanzinseln unterbrochen. (Bild: Hannah Bichay)

Ziel des Entwurfs, mit dem sich das Stuttgarter Büro Koeber Landschaftsarchitektur 2014 im Wettbewerb gegen die Konkurrenz durchsetzte, war ein zentraler Ort der Begegnung und der Kommunikation für das Wohnquartier Wiley Süd. Außerdem sollte der neue Platz die Urbanität des Quartiers stärken und als Marktplatz genutzt werden können, da er an das «edisoncenter», den wichtigsten Einzelhandelsstandort im Stadtteil angrenzt. Daher ordneten die Landschaftsarchitekten Pflanzinseln auf dem Platz so an, dass zum westlich gelegenen «edisoncenter» eine offene Platzfläche und nach Osten hin ruhigere Aufenthaltsbereiche entstanden.

Sowohl der Platzboden als auch die Platzmöblierung setzt sich aus einer wiederkehrenden, polygonalen Grundform zusammen. (Bild: Hannah Bichay)

Den Platzboden gestalteten koeber LANDSCHAFTSARCHITEKTUR auf Basis eines sich wiederholenden Rasters aus Polygonalplatten und damit im Kontrast zur streng orthogonalen Anordnung der angrenzenden Gebäude. In den unregelmäßig geformten Öffnungen im Boden befinden sich die Pflanzinseln mit einer Auswahl von «Staatsbäumen» diverser amerikanischer Bundesstaaten als Referenz an die einstigen Nutzer, robusten und damit pflegeleichten Präriegräsern und -stauden sowie eingestreuten Frühjahrsblühern.

Das Mosaik aus drei unterschiedlichen polygonalen Beton-Werksteinplatten und die unregelmäßig geformten Sitzbänke kontrastieren die streng orthogonale Platzform. (Bild: Hannah Bichay)

Neben dem polygonalen Mosaik des Platzbodens entwickelt sich auch dessen Möblierung aus einer sich wiederholenden Grundform. Ein eigens für diesen Platz entwickeltes Bankelement lässt sich sehr unterschiedlich und immer wieder neu anordnen: in Reihe, sich einander zuwendend oder als Sitzgruppe. Schon heute laden nicht nur die Sitzbänke, sondern auch ein Tischkicker und zukünftig auch ein Billardtisch sowie ein Bücherschrank zum Verweilen ein. Ob dieses Angebot auch für jüngere Nutzer und Familien jedoch ausreicht, muss die Zukunft erst noch zeigen.

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