Regionale Wertschöpfung in Vorarlberg

Ulf Meyer
17. Mai 2021
Foto: Adolf Bereuter 

firm Architekten haben in Frastanz einen Wohnturm entworfen. Das Holz dafür wurde im Wald der Bauherrin geschlagen, überhaupt stammen alle Materialien wie auch die Handwerker, die sie verbaut haben, aus der Region.

Als ein Stall im Ortsteil Gampelün der Vorarlberger Marktgemeinde Frastanz abgerissen wurde, konnte an seiner Stelle ein Wohnhaus mit Nebenbau gebaut werden. Das Gebäude steht auf einer Kuppe inmitten einer malerischen Landschaft, die von alten Scheunen und Bauernhäusern, steinigen Bergketten und bewaldeten Hügelzügen geprägt wird. Mit seiner gemessen am Fußabdruck beachtliche Höhe orientiert sich das turmartige Haus an den Nachbarbauten. Inmitten der ländlichen Gegend ist durch den Neubau eine platzartige Struktur entstanden.

Foto: Adolf Bereuter 
Foto: Adolf Bereuter 

Das neue Gebäude besteht aus Mondholz und soll sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich nachhaltig sein. Das Projekt ist in jedem Fall ein starkes Bekenntnis zur regionalen Wertschöpfung: Alle beteiligten Unternehmer, Baumaterialien und Technologie stammen aus einem Umkreis von gerade einmal 45 Kilometern. Anders als die prächtigen Bauernhäuser rundherum, die oft schöne Ornamente aufweisen, ist der Neubau mit quadratischem Grundriss »geradlinig reduziert« gestaltet, wie das Team des einheimischen Büros firm Architekten erklärt. Der Holzbau sitzt auf einem massiven Sockel. Die Obergeschosse in Massivholz ruhen auf drei Holzstützen im Erdgeschoss – dadurch wird der auffällige Einschnitt im unteren Teil des Hauses erst möglich, der im Ess- und Wohnraum einen wundervollen Blick auf Vorarlbergs Landschaft freigibt. Die Ausblicke in den Obergeschossen sind im Gegensatz dazu durch die präzise Setzung der Fenster sorgsam kuratiert und inszeniert.

Fenster und horizontale Holzlattung gliedern die Fassaden. Als Bindeglied zum Bestand nebenan fungiert ein Nebenbau aus Stahlbeton. Sein organisch geformtes Dach dient als Unterstellplatz und Außensitzplatz. 

Foto: Adolf Bereuter 
Foto: Adolf Bereuter 

Wände, Decken und die horizontal gerippte Holzfassade sind aus bis zu 24 Zentimeter starkem Fichtenholz. Tanne wurde für Fenster, Möbel und die Akustikdecke eingesetzt, Buche für die Dielenböden und die Treppe sowie Ulme für die Möbel des erwähnten Außensitzplatzes. Auch Lehmputz und Schwarzstahl wurden verbaut. 

Apropos Holz: Die Urgroßeltern der Bauherrin hatten einst das Bauernhaus aus Eigenholz errichtet und ihre Wälder hernach wieder aufgeforstet. Aus dem inzwischen nachgewachsenen Holz konnte nun die Urenkelin ihr Eigenheim errichten. Und ganz im Sinne dieser Tradition sind ihre Wälder für die nachfolgenden Generationen mit 750 Jungbäumen wieder aufgeforstet worden.

Foto: Adolf Bereuter 
Foto: Adolf Bereuter 

Befürworter der regionalen Wertschöpfung und der Pflege der einheimischen Baukultur sind auch die Südtiroler Brüder Armin und Alexander Pedevilla.

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