Schatten der Vergangenheit, neues Leben und ein Turm aus Holz

Manuel Pestalozzi
25. Januar 2022
Der siegreiche Wettbewerbsentwurf integriert die denkmalgeschützten Kasernengebäude aus dem »Dritten Reich« in das neue Quartier. (Visualisierung © Froetscher Lichtenwagner Architekten)

Auf dem Gelände der Hiller-Kaserne in Linz soll ein durchmischtes Quartier mit rund 3000 Wohnungen entstehen. Den Wettbewerb für die Bebauung hat das Büro Froetscher Lichtenwagner gewonnen. 

 

Die Hiller-Kaserne mit ihren denkmalgeschützten Bauten hat eine belastete Geschichte: Sie wurde zwischen 1940 und 1943 für die Wehrmacht im Linzer Stadtteil Ebelsberg direkt an der alten Hauptstraße nach Wien gebaut. Rund 6000 Mann waren dort stationiert. Bis 2016 nutzte das Bundesheer die Anlage. Hernach wurden 33 Hektar des riesigen Geländes von verschiedenen Wohnbauträgern (WAG, Neue Heimat, GIWOG, EBS und WSF-Privatstiftung) gekauft. Gemeinsam mit der Stadt Linz gaben sie dem Gebiet den Namen Sommerfeld Ebelsberg und lobten einen internationalen Architekturwettbewerb aus. Denn entlang der heutigen Bundesstraße 1 sollen zukünftig Häuser mit Wohn- und Gewerbeflächen entstehen.

Durchsetzen konnte sich in dem dreistufigen Verfahren das Wiener Büro Froetscher Lichtenwagner Architekten. Sein Vorschlag gehe mit seinem städtebaulichen Ansatz differenziert auf den Bestand ein, heißt es von der Bauherrschaft. Das Konzept sei robust und zukunftsfähig. Es muss nun weiter konkretisiert werden.

 

Der Eingangsbereich zum neuen Quartier entlang der Bundesstraße 1 soll dicht bebaut werden. Hinter den Häusern an der Straße schlägt das Büro Froetscher Lichtenwagner hingegen zum denkmalgeschützten Bestand hin eine lockere Bebauung vor. (Situation © Froetscher Lichtenwagner Architekten)

 

Zwischen den Gebäuden sehen die Architekten hofartige Freiräume vor. Die Sockelbereiche der neuen Häuser sollen durch Geschäfts- und Gewerbeflächen belebt werden. Die Durchwegung wird enge Gassen, aber auch platzartige Aufweitungen bieten. Dadurch soll die Aufenthaltsqualität steigen. Über den besagten Sockelzonen werden Wohnungen mit großen Gemeinschaftsterrassen sowie Loggien und Balkonen entstehen. Die Wohngrundrisse sind vorwiegend über Eck organisiert. Damit würden, so versprechen die Architekten, Räume mit hervorragender Aussicht, guter Belichtung und Querdurchlüftung geschaffen. 

An der Bundesstraße wird außerdem ein »Quartierstor« mit Anbindung an den ÖV gebaut. Dort soll auch ein Holzbau als Treffpunkt für die Bewohner*innen entstehen. Und als Landmark weithin sichtbar machen wird das Quartier ein Hochhaus mit 22 Stockwerken, das die Architekten in Holzbauweise errichten wollen. Gemeinsam mit allen Bauträgern wurde ein Mobilitätskonzept für das Sommerfeld Ebelsberg erarbeitet. Alle Beteiligten möchten den Individualverkehr so gering als irgend möglich halten. Entstehen soll ein Quartier der kurzen Wege. Fahrradfreundlichkeit und ein gut ausgebautes Fußwegenetz werden dabei groß geschrieben.

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