Traditionsbewusst mit Augenzwinkern: Das Wiener Hotel Motto ist eröffnet

Manuel Pestalozzi
13. Oktober 2021
In der Kuppel über den Dächern von Mariahilf befinden sich eine Bar und ein Restaurant mit Zugang zur angeschlossenen Dachterrasse. (Foto ©Monika Nguyen)

Im Auftrag von Michael Tojners Wertinvest setzte der Architekt Arkan Zeytinoglu dem Bestandsbau aus der Gründerzeit an der Mariahilfer Straße eine Kuppel auf.

»Hier trifft Wien auf das Paris der 1920er-Jahre«, zitierte die Wiener Zeitung den Unternehmer Michael Tojner in einem Artikel über das Projekt – und erinnert auch daran, dass dessen Hotel Intercontinental neben dem Stadtpark in der Hauptstadt nachhaltig für Verärgerung sorgt und auch ein von ihm geplanter Turm die Wogen hochschlagen lässt. Die Unesco sah sich wegen Tojner sogar veranlasst, mit der Streichung der Wiener Innenstadt von ihrer Liste der Welterbestätten zu drohen. Die Intervention an der Mariahilfer Straße ist im Vergleich zu alledem harmlos. In dem fünfgeschossigen Gründerzeitbau war ab 1872 das Hotel Kummer untergebracht. Heute ist das Haus das einzige erhaltene Hotel aus dieser Epoche an der Straße. 

Auch im neuen Gebäudeteil ist die Innenarchitektur in der Tradition verhaftet. (Foto © Monika Nguyen)

Architekt des Umbaus ist der aus Kärnten stammende Arkan Zeytinoglu. Sein Projekt sieht er als eine Architektur ganz im Sinne des Genius Loci. Die Fassade des Gebäudes wurde großteils erhalten und mit gusseisernen Geländern ergänzt. Eine neu aufgesetzte Kuppel mit Bar und Restaurant bezieht sich auf die Geometrie der reich geschmückten Kopffassade sowie der Fassade zur Schadekgasse. Sie ist als logische Ergänzung mit großer Wirkung am Standort konzipiert. 

Das Restaurant steht auch externen Gästen offen. Dafür wurde das zweischenklige Gebäude mit verschiedenen Geschossniveaus mit einem neuen Stiegenhaus versehen. Zudem wurde der Haupteingang an die Schadekgasse verlegt. Das zeitgenössische Hotel bietet seinen Gästen neben 91 Zimmern in vier Größen auch ein Wellnessangebot und mehrere Seminarräume. Im Erdgeschoss wurden die Geschäfte erhalten, und auch der ins Volumen integrierte Zugang zur U-Bahn blieb unverändert.

Die Interieurs sind perfekt inszeniert, sollen aber trotzdem »fast wie zufällig zusammengewürfelt« wirken. (Foto © Monika Nguyen)

Das Interieur wurde ebenfalls von Arkan Zeytinoglu entwickelt und wirkt gediegen. Nicht nur die Stoffe und Teppiche wurden eigens für das Hotel Motto entworfen, sondern auch die Fliesen in den Bädern sowie die handgefertigten Zementfliesen für die öffentlichen Bereiche. Auch fast alle Möbel und sämtliche Details bis hin zu den Türgriffen aus Messing sind speziell für das Haus gestaltet und produziert worden, ebenso die aufwendig aus Messing handgefertigten Liftkabinen. Zusammen mit einem ganzheitlichen, auf jeden Raum einzeln abgestimmte Licht- und Leuchtenkonzept soll dies den Besuch im Hotel Motto zum Erlebnis machen. Die ersten Reaktionen in den Medien fallen recht wohlwollend aus.

Der stilvollendete, doch aufgehellte und mit einer Prise Ironie angereicherte »Gründerzeit Groove« begrüßt die Gäste schon an der Rezeption. (Foto © Monika Nguyen)

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