Überzeugende Fortsetzung

Ulf Meyer
10. Juni 2021
Foto © Adolf Bereuter

Lukas Mähr hat in Bludenz ein Einfamilienhaus auf einem bestehenden Keller aus den 1930er-Jahren entworfen. Das Innere des Holzbaus überzeugt architektonisch wie handwerklich.

Architekt*innen dürfte die Vorarlberger Stadt Bludenz beispielsweise für die Laubengänge in der Werdenbergerstraße bekannt sein. Aber die großartige Bergkulisse rundherum überstrahlt derlei architektonisch-städtebauliche Sehenswürdigkeiten. In einem von Einfamilienhäusern geprägten Wohnviertel haben MWArchitekten mit ihrem »Haus aus Fichte« einen Ersatzneubau für ein altes Bauernhaus gestaltet. Jenes war einst in zwei Etappen erstellt worden: Der Keller wurde vor dem Zweiten Weltkrieg errichtet und war für ein großes Haus ausgelegt. Erst nach Kriegsende wurde weitergebaut – aus Holz und viel kleiner als ursprünglich beabsichtigt. Weil die Bausubstanz aus der unmittelbaren Nachkriegszeit mittlerweile in sehr schlechter Verfassung war, entschied der Bauherr, einen Ersatzneubau errichten zu lassen, aber den Keller aus den 1930er-Jahren zu behalten und zu sanieren. Der Neubau nach Entwurf von Lukas Mähr ist also ein Passstück mit vorgegebener Geometrie und vordefinierten Proportion.

Foto © Adolf Bereuter
Foto © Adolf Bereuter
Vorbild und Interpretation

Der Neubau übernimmt die innere Aufteilung und die statische Konstruktion seines Vorgängers – und eben auch dessen äußeres Volumen. Er orientiert sich an den Qualitäten des Bestands. Die dunkle Fassadenschalung, die hellen Fensterrahmen und die roten Fensterläden wurden neu interpretiert. Auch der Innenraum des Altbaus, der mit Holz getäfelt war und an eine Almhütte erinnerte, wurde in ein modernes Wohninterieur übersetzt. Und schließlich gab die schlichte Bauweise des Vorgängergebäudes Grundgedanken für die einfache und wirtschaftliche Umsetzung des Neubaus vor. Die Wände bestehen aus hinterlüfteten Deckleistenfassaden in Fichte und einer mit Zellulose gefüllten Holzrahmenkonstruktion. Darauf folgt innen die konstruktive wie architektonische Haut aus Fichtenplatten. Die Böden bestehen aus einer Balkenlage mit Schüttung, ebenfalls beplankt mit Fichtenplatten. Sämtliche Holzoberflächen wurden unbehandelt ausgeführt.

Foto © Adolf Bereuter
Foto © Adolf Bereuter

Die schwarze Fassade steht im Kontrast zu den hellen Fensterrahmen. Innen ergibt sich durch die einheitliche Oberflächen und die handwerklich sehr sorgfältig gefügten Werkstoffe ein homogenes Bild. Der zurückhaltend gestaltete Innenraum bilde eine »Leinwand für die Bespielung und Benutzung durch die Bewohner«, sagt der Architekt dazu. Nutzungsspuren auf den unbehandelten Hölzern sind demnach ausdrücklich erwünscht, denn sie schreiben die Geschichte des Hauses fort.

Foto © Adolf Bereuter
Lageplan
Grundriss Erdgeschoss
Grundriss Dachgeschoss
Schnitt A
Schnitt B

Andere Artikel in dieser Kategorie