Wenn Stein verbindet – monolithischer Spa von smartvoll

Ulf Meyer
15. Juli 2021
Foto © Dimitar Gamizov

Das Luxusprojekt des Wiener Teams lässt sich kritisieren, doch es ist gestalterisch interessant. Denn der Bau weckt Erinnerungen an die Architekturmoderne. 

Das Team des Wiener Büros smartvoll hat in dem Örtchen Hinterbrühl einen privaten Spa gestaltet. Der Bau befindet sich auf dem großen Grundstück einer Villa, die zur Jahrhundertwende errichtet wurde. Nun mag man sogleich monieren – völlig zu Recht –, dass ein solches Luxusprojekt schon allein ökologisch fragwürdig ist. Eigentlich gäbe es zukunftsweisendere Bauten, mit denen man sich auseinandersetzen könnte. Und doch: Die architektonische Gestaltung des tempelartige Badehauses mit Whirlpool und Dampfbad interessant. Es ist gelungen, reiche Räume zu schaffen.

Das Bauwerk gewinnt seine Kraft aus der konsequenten Reduktion auf nur ein Material: Rauris-Quarzit. Die Architekten haben den Stein ausgewählt, weil er Dampf, Chlor, Hitze und Frost sehr gut standhält. Alle Oberflächen im Inneren wie auch außen gleichen sich. So wird die Grenze zwischen Interieur und Garten verwischt. Die raumgreifende Architektur mit ihren an den berühmten Barcelona-Pavillon erinnernden Wandscheiben verstärkt diese Wirkung noch weiter. Das Badehaus und die Villa sind unterirdisch miteinander verbunden. Das Terrain weist zwischen beiden Gebäuden ein leichtes Gefälle auf – gerade genug, um optisch eine Trennung zu erzeugen. 

Foto © Dimitar Gamizov

Die vertikalen Scheiben sehen durch das reduzierte Material-Repertoire weder wie plumpe Wände aus, noch erscheinen die horizontalen Elemente als gewöhnliche Decken und Dächer. Die Wände wurden perforiert und greifen von den Deckenplatten weit aus – wie bei Ludwig Mies van der Rohes »Landhaus in Backstein« (1924), das leider immer ein Entwurf blieb und nie ausgeführt wurde. Die Dachelemente kragen unterdessen weit aus, ganz als könnten sie die Schwerkraft besiegen. Durch die Anordnung der Wände entstehen intime Nischen. An ausgewählten Stellen öffnen sich Blicke in die Gartenlandschaft rundherum.

Foto © Dimitar Gamizov

Während das Badehaus im Sommer offen ist, lässt es sich im Winter schließen. Dafür sind bewegliche Glasschreiben in den Wänden und Decken versteckt. So kann man zu jeder Jahreszeit Sauna, Dusche und Sonnendeck voll nutzen. 

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