Wettbewerb: »Isolationen Bewohnen«

Elias Baumgarten
22. April 2020
Foto: Elias Baumgarten

Was, wenn die starken Einschränkungen des sozialen Lebens und die weitgehende Wegnahme der Bewegungsfreiheit, die wir momentan wegen der Corona-Pandemie erleben, zum Dauerzustand würden? Das Wiener Atelier Kopfhoch lädt zum großen Gedankenexperiment ein und veranstaltet einen Ideenwettbewerb. Er soll den Diskurs um künftige Wohnformen stimulieren.

  • Das Wiener Atelier Kopfhoch hat den Wettbewerb »Isolationen Bewohnen« lanciert. Dabei ist davon auszugehen, dass die jetzige Lage mit all ihren Einschränkungen von Sozialleben und Bewegungsfreiheit zum Dauerzustand wird.
     
  • Zu Entwerfen ist eine Wohnanlage für 400 Personen in der Wiener Innenstadt.
     
  • Einsendeschluss ist der 25. Mai 2020.

 

Wie wollen wir künftig wohnen? Seit einigen Jahren gehört diese Frage zu den meistdiskutierten im internationalen Architekturgespräch. So zeigte Japan an der 15. Architekturbiennale von Venedig 2016 die Schau »Art of Nexus«, in der neue Wohnkonzepte anhand von konkreten Projekten präsentiert wurden. Und im Folgejahr feierte im Vitra Design Museum in Weil am Rhein die Ausstellung »Together! Die Neue Architektur der Gemeinschaft« Vernissage. Dies sind nur zwei Beispiele von vielen. Und das ist allzu verwunderlich nicht: Familienstrukturen verändern sich, die Zahl der Einpersonenhaushalte steigt vielerorts, die Arbeitswelt wandelt sich durch die Digitalisierung immer schneller und drastisch, der Klimawandel zwingt, alsbald weniger Wohnfläche zu beanspruchen. Doch angekommen ist in der gebauten Umwelt bisher erstaunlich wenig von diesen Debatten. Stattdessen scheinen sich die meisten Wohnungsgrundrisse noch immer an sozialen, ökonomischen und ökologischen Vorstellungen zu orientieren, die Dekaden alt sind.

Freilich wäre es zynisch, eine Krise als Chance zu bezeichnen. Doch die Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie zwingen uns zu Hause zu bleiben – dies macht je länger, je mehr auf die Unzulänglichkeiten unserer Wohnumgebungen aufmerksam. Unsere Wohnungen müssen mit einem Mal vielen Tätigkeiten Raum bieten, die vormals anderenorts stattfanden. Die Spannungen steigen, die räumlichen und psychologischen Folgen der Isolation werden unübersehbar. Vielerorts nimmt beispielsweise leider häusliche Gewalt massiv zu. So schlimm die Lage ist, sie könnte neuen Schwung in die Debatte um die Zukunft des Wohnens bringen.

Einladung zum Gedankenexperiment

Das Wiener Atelier Kopfhoch möchte dies noch forcieren und hat darum den Wettbewerb »Isolationen Bewohnen« ausgeschrieben, der sich insbesondere an Studierende und junge Architekt*innen richtet. In einem Gedankenexperiment soll davon ausgegangen werden, die Einschränkungen der Bewegungsfreiheit und die soziale Isolation würden zum Dauerzustand. Wie müssten Wohnungen dann aussehen? Kann qualitätsvolle Architektur eine solche Situation erträglicher machen? Atelier Kopfhoch schreibt: »Utopische Projekte zum Thema ›Wohnbau‹ und radikal-alternative Konzepte zu den Wohngewohnheiten der Menschen im Allgemeinen sollen in diesem Wettbewerb ihren Platz finden.« Konkret zu entwerfen ist eine Wohnanlage, in der 400 Personen leben können. Der Bauplatz soll in der Wiener Innenstadt sein, das Haus Raum für verschiedene Wohnformen bieten.

Die Aufgabenstellung kann auf der Website des Ateliers im Detail nachgelesen werden. Die Teilnahme am Wettbewerb kostet EUR 30. Ein Team darf aus maximal drei Personen bestehen. Die Anmeldung ist bis zum 22. Mai 2020 vorzunehmen, die Unterlagen sind spätesten am 25. Mai abzugeben. Das Ergebnis des Bewerbs wird am 1. Juni dieses Jahres verkündet. Unter den drei besten Beiträgen wird zu gleichen Teilen ein Preisgeld von EUR 600 verteilt.

 

Wir wünschen allen Teilnehmer*innen viel Erfolg und hoffen sehr, dass die Maßnahmen zur Abwehr der Pandemie bald weiter gelockert und schließlich vollumfänglich aufgehoben werden.

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